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Fallpauschalen für Schwerstverletzte lebensgefährlich

Die Einführung der neuen Fallpauschalen (DRG's) in Krankenhäusern bedroht nach Ansicht der Berufsgenossenschaften die adäquate Versorgung schwerstverletzter Unfallopfer. "Insbesondere bei Querschnittgelähmten, Schwerbrandverletzten, bei Schädel-Hirn-Verletzten und bei polytraumatisierten Patienten befürchten wir eine schlechtere Behandlung, wenn die klinische Versorgung dieser Patienten nach den neuen Fallpauschalen abgerechnet werden muss", betont Dr. Joachim Breuer, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der gewerblichen Berufsgenossenschaften (HVBG). "Sehr schwere Fälle sind im DRG-System einfach nicht darstellbar." Alle Länder, die derartige Abrechnungssysteme eingeführt haben, hatten besonders schwere Fallgruppen aus der pauschalisierten Abrechnung heraus gelassen.
Breuer: "Deutschland ist das erste Land, das mit diesem Konzept alles erschlagen will. Das ist völlig unmöglich - und für einige Patienten sogar lebensgefährlich."
Bei den "Gott sei Dank geringen" Fallzahlen dieser sehr schwer verletzten Unfallopfer sei ein mathematisch errechneter Mittelwert der Behandlungskosten keine geeignete Grundlage für die Abrechnung. Die Behandlung eines Schwerbrandverletzten oder Querschnittgelähmten könne 100.000 Euro kosten, sie könne aber auch leicht bis zu einer Million Euro und mehr verschlingen, erläutert Breuer. Wenn dann die Abrechnung allein nach einem errechneten Durchschnittswert erfolge, könne ein sehr schwerer Fall eine Klinik in wirtschaftliche Schwierigkeiten bringen. Die Folge: Die Kliniken müssten aus rein ökonomischen Gründen die Behandlung sehr schwer verletzter Patienten möglichst vermeiden, zumindest aber - wo immer möglich - abkürzen mit dem Ergebnis, dass die Patienten nicht optimal versorgt werden könnten. Die BG-Kliniken stellen sich dieser Entwicklung mit all ihren Möglichkeiten entgegen: Sie wollen auch in Zukunft die bestmögliche Versorgung ihrer Patienten sicherstellen.
Die Berufsgenossenschaften betreiben bundesweit neun Unfallkliniken mit großer Erfahrung in der Maximalversorgung schwer- und schwerstverletzter Patienten. Sie verfügen beispielsweise über 54 Betten für erwachsene Schwerbrandverletzte mit Intensivtherapie. Das ist fast die Hälfte der Gesamtkapazität in Deutschland. Ähnlich hoch ist der Anteil der BG-Kliniken bei den Kapazitäten für Querschnittgelähmte.




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