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[Die Industrie der Steine + Erden]






Arbeitsschutz in der Berufsschule hautnah erleben

Ein neuer Ansatz im Rahmen der Initiative "Neue Qualität der Arbeit" des Bundesministeriums für Arbeit und Sozialordnung zeigt, wie junge Menschen in Bauberufen sich das Thema Arbeitsschutz für ihr Berufsleben selbst erarbeiten können.
Nicht erst seit der PISA-Studie wird über neue Konzepte der Unterrichtsgestaltung an Berufsschulen nachgedacht. Am Oberstufenzentrum (OSZ) Bautechnik Cottbus und in Berlin-Weißensee wurden dazu neue Wege mit Erfolg erprobt. Arbeitsschutz zu lernen sollte Spaß machen und Interesse wecken. Die Auszubildenden rückten durch konkretes Handeln selbst ins Zentrum des Geschehens. Es ist ein wesentliches Ziel des bis Jahresende laufenden Projektes der Gemeinschaft Jugend, Erholung und Weiterbildung einer Bildungseinrichtung der Industriegewerkschaft Bauen, Agrar und Umwelt.
Im Zuge dieses Projektes fand im September 2002 ein Tag für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz sowohl in dem Oberstufenzentrum in Cottbus als auch in Berlin-Weißensee statt. Die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft war zu diesen beiden Projekttagen an den Oberstufenzentren mit dem Parcours "Gehen, Laufen, Stolpern" und dem Förderbandmodell präsent. Beides fand bei den Teilnehmern großen Zuspruch. Insbesondere das Förderbandmodell beeindruckte durch die (geringe) Leistung des Antriebsmotors, denn keiner der Anwesenden konnte das Modell überlisten.
Hintergrund dieser Tage war es, die großen Gefahren für Gesundheit und Leben der Beschäftigten im Berufsalltag und die immer komplexer werdende Materie der Arbeitssicherheit handlungsorientiert von den "Azubis" und späteren Facharbeitern zu erfassen. Neben dem Stand der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft befand sich ein Stand der Bau-Berufsgenossenschaft mit Merktafeln, auf denen entsprechende Verhaltensmaßregeln zum Nutzen persönlicher Schutzausrüstungen demonstriert wurden. Darüber hinaus standen der Arbeitsmedizinische Dienst der Bau-BG und die IKK mit Auskünften und entsprechenden Angeboten zur Verfügung. Das Projekt verstand sich als eine Handlungsorientierung im Arbeitsschutz, gleichzeitig aber als konkrete "Vorsorge" für den beruflichen Werdegang. Verantwortung und Beteiligung der Beschäftigten muss von Beginn an in der Ausbildung erlernt werden. Um dabei Verbesserungen zu erreichen, soll hier nicht das "Rad neu erfunden" werden, sondern das vorhandene Know-how im Arbeitsschutz wird im Hinblick auf das selbständige und eigenverantwortliche Lernen der Auszubildenden aufbereitet und zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus wurden die Berufsschulen an diesem Aktionstag zur spannenden Aktionsbühne für Schüler, Lehrer, Institutionen und beteiligte Firmen.
Die Schüler, die zuvor von ihren Lehrern auf diesen Tag vorbereitet wurden, traten in Gruppen von 15 bis 20 Auszubildenden an die jeweiligen Stände heran und konnten sich dort fachgerechte Auskünfte einholen.
Dass Arbeitsschutz "Team-Arbeit" bedeutet, wurde u.a. beim Kistenklettern in großer Höhe am gesicherten Seil nacherlebt.
Eine Tombola, gab großen Anreiz, an den verschiedenen Stationen besonders aufmerksam zu sein und entsprechende Fragen bzw. Nachfragen zu stellen. Die Ausschüttung der Tombola-Gewinne am Ende des Tages zeigte, dass alle zufrieden waren und letztlich die "Azubis" mit einem größeren Verständnis vom Arbeitsschutz nach Hause gingen.
Als Resümee lässt sich ziehen, dass diese Aktionstage mit großem Erfolg durchgeführt wurden. Die Resonanz zeigte, dass der neue Ansatz von Aktion, Information und Wissenserarbeitung an einem Tag bei den "Azubis" und den anderen Beteiligten gut ankam und Fortsetzungen auch in anderen Bundesländern möglich und sinnvoll erscheinen.

Dipl.-Phys. Udo Stölzner, StBG,
Dipl.-Ing. Hans-Georg Beil, StBG


  Der "Stolper-Parcours" machte den Schülern bewusst, dass die Bodenbeschaffenheit manchmal erhöhte Aufmerksamkeit verlangt   Am Förderbandmodell wurde das Gefährdungspotenzial eines laufenden Bandes eindrucksvoll deutlich  
  Der "Stolper-Parcours" machte den Schülern bewusst, dass die Bodenbeschaffenheit manchmal erhöhte Aufmerksamkeit verlangt
  Am Förderbandmodell wurde das Gefährdungspotenzial eines laufenden Bandes eindrucksvoll deutlich
 




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