www.steine-und-erden.net > 2001 > Ausgabe 6/01 > Prävention 2000 plus - Mit Sicherheit leben

[Die Industrie der Steine + Erden]






Prävention 2000 plus - Mit Sicherheit leben

Mit Sicherheit leben! – Das ist kein unerreichbares Traumbild und keine Utopie. „Mit Sicherheit leben“ ist eine Vision und ein Ziel mit konkretem Hintergrund. Eine Vision, die wir gemeinsam erreichen können. Es geht dabei nicht nur um die Erhaltung der Gesundheit – dem höchsten Gut eines Jeden von uns. Es geht auch um wirtschaftliche Absicherung von Familien und Angehörigen und um störungsfreie Betriebe, die wirtschaftlich erfolgreich sind und damit zukunftssicher. Und nicht zuletzt geht es darum, zu erkennen, dass wir alle in einem gemeinsamen Boot sitzen. Arbeitgeber, Arbeitnehmer und die Mitarbeiter der Berufsgenossenschaft arbeiten am gleichen Ziel: Mit Sicherheit leben!


Prävention 2000 plus Durch unsere gemeinsame Arbeit haben wir in der Vergangenheit bereits bemerkenswerte Erfolge erzielt: Die Zahl der Unfälle und das Unfallrisiko ist, wenn man einmal von den Einflüssen der Deutschen Wiedervereinigung absieht, kontinuierlich zurückgegangen. Allein von 1995 bis 2000 haben die meldepflichtigen Arbeitsunfälle von 17.735 auf 12.156 um 32 Prozent abgenommen.
Auch bei den neuen Arbeitsunfallrenten ist die Bilanz positiv. Im gleichen Zeitraum von 1995 bis 2000 sank die Zahl der neuen Rentenfälle, also derjenigen Arbeitsunfälle, die zu schweren und schwersten Verletzungen führen – nicht selten mit dauerhaften Folgen – von 525 Fällen auf 301 Fälle ab. Das sind im Jahr 2000 43 Prozent weniger als noch 1995. Auch bei den Berufskrankheiten ist eine ähnliche positive Entwicklung erkennbar. Insgesamt also eine äußerst erfreuliche Bilanz!


Ein Blick zurück

Nun kommt ein solches Ergebnis nicht von ungefähr – es ist vielmehr Resultat zielgerichteter Präventionsarbeit auf der Grundlage des gesetzlichen Auftrages der Berufsgenossenschaft.
  • In zunehmendem Maße ist es gelungen, Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz als Unternehmensziel in den Betrieben zu verankern.
  • Die Strategie der StBG, Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz in einem ganzheitlichen Ansatz unter Mitwirkung von Ingenieuren und Arbeitsmedizinern zu gestalten, hat sich bewährt.
  • Die Technischen Aufsichtsbeamten, Betriebsärzte und Sicherheitsingenieure sind anerkannte und willkommene Berater der Unternehmen und bieten praxisgerechte Dienstleistungen.
  • Weit mehr als 6.000 Teilnehmer nehmen pro Jahr an Aus- und Weiterbildungsseminaren der StBG teil.
  • Über 22.000 Versicherte werden jedes Jahr im Rahmen des arbeitsmedizinischen Vorsorgeangebotes der StBG auf gesundheitliche Auswirkungen von Belastungen und Expositionen am Arbeitsplatz untersucht – soweit gewünscht mit den eigenen mobilen Untersuchungsfahrzeugen – kostengünstig und effizient direkt vor Ort im Betrieb.
  • Das Unternehmermodell der StBG für die sicherheitstechnische und betriebsärztliche Betreuung von kleinen Unternehmen ist weiterhin eine Erfolgsstory, die ihresgleichen sucht.
  • Am Förderpreis „Arbeit Sicherheit Gesundheit“ haben sich bisher schon fast 1.500 Menschen mit über 700 Praxislösungen beteiligt.
  • Die Präventionskampagne „Sicherheit am laufenden Band“ hat zu einem drastischen Rückgang der schweren Förderbandunfälle geführt.
  • Demonstrationsobjekte und Praxismodelle, wie zum Beispiel der BAUZ-Stolperparcours und das Förderbandmodell, bereichern jede Messepräsentation, innerbetriebliche Veranstaltung oder Tage der offenen Tür.

Basis für all diese Initiativen waren stets Leitlinien, die im Rahmen der Selbstverwaltung des Hauptverbandes der gewerblichen Berufsgenossenschaften erarbeitet wurden, wie zuletzt das Positionspapier „Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit – Berufsgenossenschaftliches Präventionskonzept“ vom 26. November 1993.



Eine Bestandsaufnahme

Zwar ist die Selbstverwaltung der StBG nie dem Motto gefolgt, dass alles was gestern war, heute schon wieder schlecht sein muss. Vielmehr hat man stets auf Kontinuität, Ausdauer und langen Atem gesetzt. Vor diesem Hintergrund wird Bewährtes auch in Zukunft Bestand haben.
Aber dennoch: Die Entwicklung schreitet voran. Stillstand ist Rückschritt. Neue gesetzliche Vorgaben müssen umgesetzt werden. Die Ursachen von Unfällen und Berufskrankheiten verschieben sich: von den Technikmängeln hin zu Organisations- und Verhaltensdefiziten.
Die Möglichkeiten und Kanäle, Menschen – sowohl Unternehmer als auch Beschäftigte – zu sicherem und gesundheitsbewusstem Verhalten zu motivieren, sind heute anders als früher.
Vor diesem Hintergrund war das Jahr 2000 ein willkommener Zeitpunkt, um sich mit zukünftigen Zielen der Präventionsarbeit der StBG zu befassen: Es war der Anfang von „Prävention 2000 plus“. Im Rahmen einer breiten Diskussion innerhalb der Selbstverwaltung in der StBG, bei der sowohl die Präventionsausschüsse, der Vorstand wie auch die Vertreterversammlung eingebunden waren, wurden eine umfassende Bestandsaufnahme erstellt, Ziele formuliert und eine Strategie für die nächsten Jahre erarbeitet und verabschiedet. Dabei fand diese Diskussion nicht nur isoliert innerhalb der Selbstverwaltung statt, sondern war stets verzahnt mit einem gleich laufenden Diskussionsprozess innerhalb des Geschäftsbereiches Prävention, bei dem alle Technischen Aufsichtsbeamten, alle Arbeitsmediziner, alle Sicherheitsingenieure, alle Ausbildungsreferenten und alle Öffentlichkeitsarbeiter mit eingebunden waren.
Nunmehr liegt das Ergebnis vor und ist Leitlinie für Präventionsaktivitäten eines kommenden, mehrjährigen Zeitraumes. Die angedachten Maßnahmen sollen also nicht von heute auf morgen, sondern wohl dosiert innerhalb der nächsten fünf bis sieben Jahre realisiert werden, wobei die Selbstverwaltung stets Wert darauf gelegt hat, dass die bewährten Aktivitäten nicht vernachlässigt werden dürfen. Außerdem soll jede Maßnahme systematisch entwickelt, erprobt und erst dann in die Praxis umgesetzt werden. Akzeptiert wurden die folgenden Ziele:


Ziele der Prävention der StBG
  • keine (0) Arbeitsunfälle
  • keine (0) Berufskrankheiten
  • Kostenbelastung durch Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten senken
  • Partner (Unternehmer, Versicherte, Verbände, Gewerkschaften...) gewinnen
  • Akzeptanz als kompetenter Dienstleister erreichen
  • kreativ und offen für neue Wege sein


Bei der Festlegung bestand Einigkeit, dass die formulierten Ziele nicht alle vollständig erreichbar sind. Es gilt aber, sich zu bemühen, den Vorgaben so nahe wie irgend möglich zu kommen. In Bezug auf Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten gilt dies ganz besonders.
Da Einigkeit bestand, dass die StBG nur gemeinsam mit Partnern in den Betrieben in der Lage ist, Einfluss auf das Arbeitsunfallgeschehen und die Berufskrankheiten zu nehmen, folgte der Zieldiskussion eine Analyse der zur Verfügung stehenden, bereits bewährten oder zukünftig nutzbaren Kommunikationswege. Dabei fiel auf, dass die direkte Kommunikation zwischen der Berufsgenossenschaft und den Versicherten große Lücken aufweist. In der Vergangenheit wurden zumeist nur Wege beschritten, die die Versicherten nicht direkt angesprochen haben, sondern stets nur über Multiplikatoren in den Betrieben.
Auf der Basis der Zieldiskussion und der Kommunikationswege erfolgte dann eine Ideensammlung in Zukunftsworkshops, die Prüfung und Bewertung einzelner Ideen, die Strukturierung und Zuordnung zu Themenkreisen, die Prüfung der Voraussetzungen für die Realisierbarkeit und die Bewertung von Prioritäten.



Die Strategie „Prävention 2000 plus“

Im Zuge der Strukturierung der Ideensammlung konnten vier Kern-Handlungsfelder identifiziert werden: Auf der Basis der zur Verfügung stehenden Daten und Fakten (gezielte Datenanalyse) werden konkrete Präventionsmaßnahmen (anlassbezogene Prävention) geplant und durchgeführt sowie Dienstleistungsangebote für die jeweiligen Zielgruppen entwickelt. Dabei sind auch die Voraussetzungen für deren Realisierung im eigenen Hause (Organisationsentwicklung) zu schaffen.



Die Kern-Handlungsfelder der Strategie Prävention 2000 plus
Die Kern-Handlungsfelder der Strategie
„Prävention 2000 plus“.




Gezielte Datenanalyse

Am Anfang steht eine gezielte Datenanalyse aller bei der StBG zur Verfügung stehenden Daten. Aus den verschiedenen Datenpools ergeben sich Basisdaten und Fakten, die für die zielgerichtete Planung von Präventionsaktivitäten und die Entwicklung marktorientierter Dienstleistungsangebote unabdingbar notwendig sind. Im Zuge der Analyse gilt es, die Daten der Berufsgenossenschaft aus Prävention, arbeitsmedizinischer Vorsorge, Rehabilitation und Kataster so zusammenzuführen und miteinander zu vernetzen, dass die für die Prävention erforderlichen Basisdaten und Fakten auf allen Ebenen präventiven Handels zur Verfügung gestellt werden können.
Die Berufsgenossenschaften verfügen auf diesem Gebiet über Informationen, die in dieser Aussagekraft, branchenorientierten Ausrichtung und Exaktheit kein anderer Akteur auf dem Gebiet der Prävention zu bieten hat. Die Daten wurden in der Vergangenheit aber in zu geringem Umfang genutzt, obwohl aus ihnen heraus die eigentliche Kompetenz der gesetzlichen Unfallversicherung in den jeweiligen Branchen begründet ist.
Ergänzt werden müssen die BG-Daten durch Daten der Krankenkassen, die in Form von Gesundheitsberichten mit einbezogen werden müssen. Dabei gilt es immer wieder die Schwierigkeit zu meistern, dass die Wirklichkeit aus vielen kleinen und mittleren Unternehmen besteht, was zu einem „intelligenten“ Zusammenfassen von Krankenkassendaten für die Erstellung von Gesundheitsberichten zwingt. Für den Bereich der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft ist konkret geplant, einen Gesundheitsbericht für die Baustoff-Industrie in Deutschland zu erarbeiten. Des Weiteren soll im Laufe des Jahres 2002 die Voraussetzung geschaffen sein, für Mitgliedsunternehmen eine unternehmensbezogene Unfall- und Kostenanalyse zu erstellen, die Auskunft über die Entwicklung des Unfallgeschehens und der damit verbundenen Kosten über die zurückliegenden zehn Jahre gibt und Trends im Vergleich zur jeweiligen Branche und zur StBG insgesamt erkennen lässt.



Gezielte Datenanalyse
Gezielte Datenanalyse




Anlassbezogene Prävention

Im Hinblick auf das Kern-Handlungsfeld „Anlassbezogene Prävention“ wurden drei Handlungsfelder beschrieben: Aus der gezielten Datenanalyse ergeben sich sowohl risiko- als auch defizitbezogene Ansatzpunkte für die Prävention – sowohl in Bezug auf den gesamten Zuständigkeitsbereich der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft, aber auch in Bezug auf besondere Schwerpunkte aufgrund der regionalen Besonderheiten einzelner Sektionsbereiche bis hin zum einzelnen Aufsichtsbezirk.
Auf der Basis der Datenanalyse soll zukünftig noch zielgerichteter vorgegangen werden.
Ein wichtiges Thema stellt die Erweiterung des Angebotes der Sicherheits-Checks für die Gefährdungsbeurteilung dar. Stehen bisher für einzelne Branchen entsprechende Branchen-Checks zur Verfügung, so sind zu branchenübergreifenden Themen, wie Staubbelastung, arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren, branchenübergreifende Sicherheits-Checks in Planung. Insgesamt soll dem Bereich „arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren“ in der gesamten Präventionsarbeit mehr Beachtung geschenkt werden.
Daneben sind gezielte Präventionskampagnen zu den Themen Staubexposition, Lärmexposition und Hautschutz für die nähere Zukunft geplant.
Aus der Analyse der Daten ergeben sich aber auch unternehmensbezogene Präventionsmaßnahmen. Die Technischen Aufsichtsbeamten können genau erkennen, welche Unternehmen aufgrund ihres hohen Unfallrisikos einer bevorzugten Beratung bedürfen. Für solche Betriebe sind sowohl besondere Workshopangebote als auch, wenn die Bereitschaft besteht, die Beratung durch externe Berater als Angebote vorgesehen.
Im Bereich der unternehmensbezogenen Anreizsysteme wurden mit dem Förderpreis Arbeit Sicherheit Gesundheit und der daraus entwickelten Innovationsbörse gute Erfahrungen gemacht. Daher soll der Weg, vorbildliche Betriebe ins Rampenlicht zu bringen, weiter beschritten werden.
Auf der Basis des Organisationshandbuches „Sicher mit System“ befindet sich zurzeit die Einführung eines Gütesiegels in Vorbereitung. Dieses Sicherheitsprädikat „Sicher mit System – StBG-geprüft“ soll an Betriebe verliehen werden, die sich auf freiwilliger Basis einem StBG-Check unterziehen wollen. In Betracht kommen dabei allerdings nur Betriebe, die gewisse Eingangskriterien erfüllen und die nachweisen können, dass bestimmte Anforderungen im Unternehmen umgesetzt sind. Zur Zeit werden die Kriterien für die Verleihung des Zeichens konkretisiert, wobei im ersten Quartal 2002 die ersten Pilotaudits durchgeführt werden sollen. Unternehmen, die an einer Mitwirkung im Rahmen dieser Pilotphase und der Verleihung des Gütesiegels interessiert sind, werden gebeten, sich an ihren zuständigen Technischen Aufsichtsbeamten zu wenden.



Anlaßbezogene Prävention
Anlaßbezogene Prävention




StBG-Dienstleistungsangebote

Gütesiegel Sicher mit System Ein weiteres Kern-Handlungsfeld stellt die Erweiterung der Dienstleistungsangebote der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft dar. Neben den bewährten Beratungs- und Schulungsangeboten für Unternehmer sollen weitere Seminarangebote für Unternehmer aus größeren Betrieben und Geschäftsführer gemacht werden. Auch sind Arbeitssicherheits- und Arbeitsorganisationsseminare für Betriebsnachfolger vorgesehen. Service bei der Erstellung der Gefährdungsbeurteilung und bei Unterweisungsaufgaben kommen besonders gut an und sollen intensiviert werden.
Seitens der Prüf- und Zertifizierungsstelle des Fachausschusses „Steine und Erden“ ist geplant, CE-Checks anzubieten, um Unternehmen, die selbst in eine Herstellerrolle geraten, die erforderliche Unterstützung zu bieten. Dort wo es erforderlich ist und besondere Beratungskompetenzen im eigenen Hause nicht zur Verfügung stehen, werden zukünftig verstärkt externe Spezialisten hinzugezogen. Dies alles unter dem Gesichtspunkt: Service aus einer Hand!
Um den Unternehmern das umfassende Serviceangebot der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft auch plastisch vor Augen zu führen, soll darüber hinaus ein Service-Checkheft erstellt werden.
Für die Zielgruppe der Versicherten will die StBG in Zukunft verstärkt Service-Produkte entwickeln und sie auf möglichst direktem Wege allen Versicherten zugänglich machen. Zum einen ist auch hier ein entsprechendes Service-Checkheft in Planung. Andererseits soll die Information und Motivation der Beschäftigten auf verschiedenen Wegen gestärkt werden. Besonderes Augenmerk soll zukünftig auf die Vermittlung von Basiswissen in komprimierter Form für alle Arbeitnehmer, insbesondere aber auch für neu im Unternehmen Beschäftigte und für ausländische Mitarbeiter gelegt werden. Mit Gesundheitsthemen können Versicherte heute gut angesprochen werden. Dies hat sich sowohl im Rahmen der Angebote im Röntgenmobil, aber auch in den Audiomobilen gezeigt. Seit kurzem bieten die Arbeitsmediziner der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft auch Beratung zu speziellen Hauttests an.
Besondere Angebote, zumeist in Form von Schulungs-, Seminar- und Fortbildungsangeboten werden bereits für bestimmte Zielgruppen gemacht und sehr gut angenommen. Für Führungskräfte, Meister, Fachkräfte für Arbeitssicherheit, Betriebsärzte, Sicherheitsbeauftragte, Betriebsräte und Personen in der Berufsausbildung sollen diese Angebote intensiviert werden.
Lebenslanges Lernen ist eine Grundvoraussetzung für Zukunftssicherung – die Berufsgenossenschaften können dieses Feld nutzen, um ihre Themen zu vermitteln. Dabei muss es erlaubt sein, Aus- und Fortbildungsangebote nicht nur ausschließlich auf das Thema Arbeitssicherheit zu fixieren, sondern dem Teilnehmer einen Mehrfachnutzen zu bieten.
Sicherheit hat in weiten Bereichen noch immer nicht das positive Image, das für eine breite Akzeptanz erforderlich ist. Deshalb kommt der Motivation der Beschäftigten eine große Bedeutung zu. Sicherheit muss nicht immer nur trocken doziert werden, Sicherheit kann auch Spaß machen, kann Emotionen auslösen, kann zeitgemäß und „in“ sein. Deshalb entspricht es dem Selbstverständnis der Steinbruchs-BG, stets nach Wegen zu suchen, Sicherheit erlebbar zu machen. Mit dem Förderbandmodell, mit dem BAUZ-Stolperparcours, mit der Lärmpyramide, mit den Erlebniswelten „Hören“ und „Gehen“, mit dem Ladungssicherungsmodell und vielen weiteren aktiven Umsetzungsformen trockener Sicherheitsthemen wurden schon in der Vergangenheit beste Ergebnisse erzielt.

Daneben kommt es aber zukünftig darauf an, die Dienstleistungsangebote der StBG in die Öffentlichkeit hineinzutragen und für Sicherheit zu werben. Die Berufsgenossenschaft kann sich auch als „Eventagentur“ etablieren, wenn es damit gelingt, der Sicherheit in den Betrieben zu einem gewandelten, positiven Image zu verhelfen. Bewährt hat sich daneben die betriebswirtschaftliche Komponente von Unfällen und Erkrankungen darzustellen. Alle Wege, die Menschen Anreize bieten, sich mit dem Thema Sicherheit zu beschäftigen, sind zielführend.

In unserem Medienzeitalter kommt natürlich auch den Informationsangeboten der Berufsgenossenschaft eine besondere Bedeutung bei. Print- und Videomedien bilden dabei noch immer eine wichtige Basis. Zunehmend spielt aber auch die Nutzung des Internets eine nicht zu unterschätzende Rolle. Dies zeigen die Zugriffszahlen auf die Internetpräsentation der StBG.

Zudem kommt der besondere Auftritt der BAUZ-Kampagne im Internet gut an. Zusätzlich ist der Aufbau eines Infosystems zur Normung vorgeschlagen worden, da der Bereich Bau und Ausrüstung von Maschinen heute nicht mehr wie früher
in Unfallverhütungsvorschriften geregelt werden kann und auf diesem Gebiet ein großes Defizit bei den Anwendern entstanden ist. Kompetenter Service über das Telefon gehört bereits heute zum Standard der StBG – alle Präventionsmitarbeiter sind über Handy und Festnetz immer erreichbar. Trotzdem wird die Intensivierung dieses Angebotes über eine Service-Hotline ins Auge gefasst.



StBG-Dienstleistungsangebote
StBG-Dienstleistungsangebote




Organisationsentwicklung

Jede Neuausrichtung der Geschäftspolitik muss sich auch auf die interne Organisation auswirken. Vor diesem Hintergrund enthält „Prävention 2000 plus“ auch Vorgaben für die Personalentwicklung im Geschäftsbereich Prävention. Zunächst wird dabei die Frage zu prüfen sein, welche Fachkompetenzen im Mitarbeiterstamm in Zukunft erforderlich sind. Waren früher ausschließlich Ingenieure als Technische Aufsichtsbeamte tätig, so hat bereits die Erweiterung mit Arbeitsmedizinern und Sicherheitsingenieuren zu einer Bereicherung beigetragen. Wenn es darum geht, zielgruppengenaue Seminare und Präventionsangebote zu erarbeiten, werden zukünftig verstärkt arbeitspsychologische Kompetenzen erforderlich. Im Rahmen einer ersten Personalerweiterung wurde dabei die StBG-Mannschaft bereits um eine Arbeitspsychologin verstärkt.
Es kommt darauf an, die Qualifikation des vorhandenen Mitarbeiterstammes stetig weiter zu verbessern und die interne Fortbildung gezielt auszuweiten. Personalentwicklung bedeutet, für Spezialaufgaben, wie die Durchführung von Gefahrstoffmessungen, qualifizierte Messkapazitäten bereit zu stellen. Dort, wo das Aufgabenprofil nicht mehr mit eigenen Mitarbeitern realisiert werden kann, sollen verstärkt externe Spezialisten zugezogen werden.
Für die Mitarbeiter im Geschäftsbereich Prävention werden die grundlegenden Aufgaben und Leitlinien in einer internen Arbeitsanweisung formuliert. Auch für diese internen Leitlinien sind Auswirkungen einer neuen Strategie nicht von der Hand zu weisen. So muss das Denken, dass der Unternehmer des Betriebes Gesprächspartner des Technischen Aufsichtsbeamten ist, noch weiter verstärkt werden.
Dienstleistung und konsequentes Handeln bei grob fahrlässigen oder vorsätzlichen Verstößen gegen sinnvolle Schutzmaßnahmen sind kein Widerspruch. Es ist vielmehr folgerichtig, wenn dort, wo Beratung und Argumente nicht zum notwendigen Ergebnis führen und die notwendige Einsicht nicht gegeben ist, erforderliche Maßnahmen auch konsequent durchgesetzt werden.
Erfolgversprechend ist die Zusammenarbeit mit Partnern, seien es nun Vertreter von Arbeitsschutzbehörden der Länder oder Partner aus Verbänden. Derart zielgerichtete Allianzen sind geeignet, die „Durchschlagskraft“ der eigenen Argumente zu verstärken.



Organisationsentwicklung
Organisationsentwicklung




Fazit

Mit „Prävention 2000 plus“ verfügt die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft zum ersten Mal über ein systematisch erarbeitetes strategisches Konzept: Es ist die Leitlinie für die kommenden Jahre. Das Wertvolle an „Prävention 2000 plus“ ist, dass ein Diskussionsprozess vorgeschaltet worden ist, in dem die Auffassungen und Ideen der Sozialpartner, aber auch der Arbeitsschutzpraktiker eingeflossen sind.
„Prävention 2000 plus“ ist damit für die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft, ihre Mitgliedsunternehmer und ihre Versicherten auch ein Stück Zukunftssicherung, weil unter Beweis gestellt wird, dass bei der StBG stets aufs Neue Prävention „mit allen geeigneten Mitteln“ gestaltet und entwickelt wird.
Wenn Sie, als Leser dieses Beitrages, Anregungen, Fragen oder Kommentare zu „Prävention 2000 plus“ haben, sind wir sehr daran interessiert, Ihre Meinung zu erfahren – schreiben Sie uns oder rufen Sie uns an.

Dipl.-Ing. Helmut Ehnes
Leiter des Geschäftsbereichs
Prävention der StBG




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