www.steine-und-erden.net > 2001 > Ausgabe 6/01 > Alter Bruch, neue Technik

[Die Industrie der Steine + Erden]






Alter Bruch, neue Technik

Stellen Sie sich vor, Sie haben eine alte Gewinnungsstätte übernommen, in der bereits über viele Jahrzehnte abgebaut wurde und die in der Vergangenheit mehrfach den Besitzer gewechselt hat. Entsprechend chaotisch sieht es auf dem Areal aus.
Was tun mit einem derartigen Steinbruch? Welche Gerätetechnik ist einzusetzen, um schnell und effektiv vermarktbares Material herzustellen?
Genau vor dieser Fragestellung stand die Firma Gaul GmbH in Sprendlingen, als sie die Abbaurechte für den Steinbruch in Stephanshausen im Taunus erworben hatte. Die vorhandene stationäre Einrichtung war aus den 50er Jahren. Für eine neue stationäre Einrichtung war jeder geplante Standort ungünstig, ganz abgesehen von den langen Planungs-, Aufbau- und Genehmigungszeiten. Die Tatsache, dass in einem anderen Bruch der Firma Gaul ebenfalls Bedarf an mobilem Brecheinsatz für einen gewissen Zeitraum im Jahr bestand, gab letztendlich den Ausschlag für den Einsatz von Mobilgeräten.
Zusammen mit dem Göppinger Maschinen- und Anlagenbauer Kleemann + Reiner wurde der Gedanke in die Tat umgesetzt und ein optimales Konzept für eine Vor- und Nachbrechanlage konzipiert.
Aufgrund des zu verarbeitenden Gesteins (Quarzit) war die Brecherkombination Backenbrecher als Vorbrecher und Kreiselbrecher als Nachbrecher festgelegt. Eine eindeutige Forderung an den Hersteller der Maschinen war von vornherein, dass beide Maschinen autark betrieben werden müssen. Dies bedeutete, dass auch der Nachbrecher mit einem Aufgabetrichter ausgestattet sein muss.
Da das Vorkommen zum Teil bindig verunreinigt ist, war ein großes Vorsieb auf der Vorbrechanlage ein absolutes Muss. Um den Baggerfahrer genügend Zeit zur Beschickung und Bereitstellung von Material zu geben, wurde auf der Vorbrechanlage ein großer Aufgabetrichter mit über 10 m3 installiert. Der Backenbrecher selbst hat eine Einlaufgröße von 1200 x 800 mm und entstammt der neuen Baureihe der Kleemann + Reiner Backenbrecher mit hoher Leistung und optimaler Kinematik. Der Brecher hat ein starkes Einzugsverhalten, so dass selbst schwieriges Material mit hoher Leistung durch den Brecher läuft. Die optimale Ausnutzung von Raum- und Transportmaßen ermöglicht es, diesen relativ großen Brecher auf der vorgegebenen Anlage einzusetzen, ohne dass dieser zum Transport demontiert werden muss. Unter dem Brecher befindet sich eine Vibrationsrinne, da es erklärter Wunsch der Firma Gaul war, mit der Anlage auch anfallenden Bauschutt zu brechen. Die Vibrationsrinne schützt den Gummigurt des Austragsbandes insbesondere beim Recycling von bewehrtem Beton. Der gesamte weitere Austrag des gebrochenen Materials ist so gestaltet, dass sich nichts verhaken kann, und dass keine Verengungen innerhalb der Maschine sind. Patentierte Lösungen des Herstellers sorgen dafür, dass es auch im Magnetbereich kein Verklemmen und Aufschlitzen des Gurts gibt.
Das Gesamtchassis ist stabil und massiv gebaut, mit sehr guter Zugänglichkeit zu allen Maschinenteilen und auch zum Freiraum unter dem Brecher. Mit wenigen hydraulisch unterstützten Klappvorgängen ist die Anlage transportbereit. Eine Demontage von irgendwelchen Anlagenteilen muss nicht erfolgen. Die Backenbrecheranlage ermöglicht eine Aufgabeleistung von bis zu 400 t/h (je nach zu erzielendem Endkorn). Die Nachbrechanlage hat einen großen Aufgabetrichter, der mit Radlader separat beschickt werden kann, und der bei dem Kombinationseinsatz mit Vorbrechanlage als Puffertrichter dient. Ein klappbares Band führt von dem Puffersilo (mit stufenlos dosierbarer Rinne) auf das große Dreideckersieb. Das Freischwingersieb ist so aufgebaut, dass das Überkorn direkt zum Nachbrecher gelangt, während die weiteren drei Körnungen des Siebes über Haldenbänder in drei Himmelsrichtungen ausgetragen werden. Im Kreislauf gelangt das gebrochene Material vom Kreiselbrecher wiederum in den Puffertrichter und von dort wieder aufs Sieb. Durch aufwendige Wechselklappeneinrichtung sind verschiedene Alternativen der Produktion möglich, ohne die Siebbespannung zu ändern.
Der gesamte Vor- und Nachbrechzug kann mannlos betrieben werden. Über ein entsprechendes Sondensteuerungssystem wird sichergestellt, dass keine Einzelmaschine der Gesamtanlage überläuft. Über eine Sonde am Puffertrichter der Nachbrechanlage wird die Vorbrechanlage gesteuert, d. h. ist der Trichter der Nachbrechanlage zu voll, wird die Vorbrechanlage abgestellt. Eine weitere Sonde über dem Trichter des Kreiselbrechers sorgt dafür, dass dieser kontinuierlich beschickt und immer voll ist. Droht Materialmangel, wird die Förderrinne des Puffersilos in der Frequenz hochgefahren und damit landet automatisch mehr Material beim Kreiselbrecher. Droht der Trichter aufgrund zu vielen Überkorns beim Kreiselbrecher überzulaufen, wird automatisch die Zudosierung von Material zum Sieb reduziert.
Die moderne SPS-Steuerung erlaubt neben der einfachen Fehlersuche im Klartext auch die Anzeige vieler für den Betreiber wichtiger Einzeldaten wie Einsatzstunden der einzelnen Geräte, Leerlaufzeiten und Tonnagen.



Die Mobilanlagenkonzeption besticht insgesamt nicht nur durch ihre flexiblen Einsatzmöglichkeiten (Naturgestein, Recycling, Mineralbeton, Splittherstellung etc.), sondern vor allem auch durch ihre hohe Mobilität
Die Mobilanlagenkonzeption besticht insgesamt nicht
nur durch ihre flexiblen Einsatzmöglichkeiten
(Naturgestein, Recycling, Mineralbeton, Splittherstellung
etc.), sondern vor allem auch durch ihre hohe Mobilität




Bereits in den ersten Tagen nach der Inbetriebnahme konnten sich die örtlichen Vertreter (Landrat, Bürgermeister und Mitglieder des Gemeinderats) von der umweltfreundlichen Arbeitsweise der Anlage überzeugen
Bereits in den ersten Tagen nach der Inbetriebnahme
konnten sich die örtlichen Vertreter (Landrat,
Bürgermeister und Mitglieder des Gemeinderats)
von der umweltfreundlichen Arbeitsweise der Anlage
überzeugen






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