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[Die Industrie der Steine + Erden]






Feuer im Steinbruchbetrieb

Ein Toter nach Brandunfall durch Schneid- und Brennarbeiten

170 Rettungskräfte waren im Einsatz. Trotzdem waren sie machtlos gegen die Flammen in einer Aufbereitungsanlage. Ein Mitarbeiter im Steinbruch konnte nicht mehr gerettet werden.


Brände sind eine ernste Bedrohung für alle Betriebe und ihre Mitarbeiter, insbesondere bei der Ausführung von schweißtechnischen Arbeiten stellen sie nach wie vor eine häufige Unfallursache dar. Dies belegen immer wieder Schadensfälle aus der Praxis.



Die Rettungskräfte im Einsatz (Foto: Mescheder Zeitung
Die Rettungskräfte im Einsatz
(Foto: Mescheder Zeitung


Blick auf den zerstörten Arbeitsbereich und den letzten Standort des Brandopfers
Blick auf den zerstörten Arbeitsbereich
und den letzten Standort des Brandopfers




Das Unfallgeschehen

In einem Grauwacke-Steinbruch war eine Arbeitskolonne an der Aufbereitungsanlage mit Montagearbeiten tätig. Es sollten Bleche unter die Förderbänder gelegt werden, um abrieselndes Gesteinsmaterial und Staub aufzufangen. Dabei war es an einigen Stellen in dem alten und mehrstöckigen Gebäude notwendig, kleine Stücke aus den Blechen herauszubrennen, um sie den Örtlichkeiten an der Förderanlage anzupassen. Mit dieser Arbeit war ein Betriebsschlosser beschäftigt. In der Kolonne des Schlossers befanden sich drei weitere Arbeitskollegen und auch der Betriebsleiter. Die Anlage war zuvor abgeschaltet worden. Mit den Arbeiten ging es zügig voran, und man erreichte am frühen Nachmittag die Arbeitsbühne oberhalb der Siebmaschinen. Zwei Kollegen hatten gerade die Bühne verlassen, um neue Bleche zu holen. Der Betriebsleiter und der Schlosser blieben zurück.
Plötzlich bemerkten beide den dichten aufsteigenden Qualm. Der Betriebsleiter rannte zum Ausgang in Richtung der Vorbrecher, um die Feuerlöscher zu holen. Der Betriebsschlosser aber reagierte zu spät. Er muss sich noch einen Moment länger auf der Arbeitsbühne aufgehalten haben. Dann hatte er wahrscheinlich im dichten Rauch die Orientierung verloren. Seine Hilferufe waren deutlich zu hören. Die Arbeitskollegen versuchten vergeblich, ihm zu helfen und Löscharbeiten durchzuführen. Doch das Feuer brauchte nur wenige Minuten, um sich großflächig auszubreiten. Durch die starke Rauch- und Hitzeentwicklung mussten die Kollegen das Gebäude fluchtartig verlassen. Sie erlitten leichte Brandverletzungen.
Der Betriebsschlosser blieb vermisst.
Durch die Hitze kam es wenig später zum Zerknall von zwei Gasflaschen in der Anlage, und die hochschlagenden Flammen versperrten den Zugang für weitere Rettungsarbeiten. Die eintreffende Feuerwehr konnte den Brand erst am späten Abend löschen. Es bestand Einsturzgefahr, der Zutritt zum Gebäude wurde gesperrt. Insgesamt waren 170 Rettungskräfte im Einsatz. Tage später erst die traurige Gewissheit: Überreste der Leiche des Schlossers wurden gefunden und aus den Brandresten geborgen. Die Identifizierung erfolgte am gerichtsmedizinischen Institut in Dortmund. Der Mann, über 40 Jahre im Beruf, stand kurz vor der altersmäßigen Rente.



Begutachtung der Brandschäden durch Spezialisten von Feuerwehr und zuständigen Behörden
Begutachtung der Brandschäden
durch Spezialisten von Feuerwehr und zuständigen
Behörden




Die Ursachen

Die Ursachen für solche Ereignisse liegen häufig im mangelnden Problembewusstsein und in der Unkenntnis über die Gefahren beim Umgang mit Schneidbrennern.
Brandursache waren vermutlich abtropfende Schlackenteile. Der Versicherte hatte den Holzfußboden im Arbeitsbereich nicht abgedeckt. Durch Löcher im Fußboden gelangten die Schlackenteile auf die darunter liegende Siebanlage.
Die glühenden Schlacketropfen trafen auf die Staubschutzmatten aus Spezialplastik und brachten diese zum Schmelzen. Die Schmelzprodukte entzündeten sich und setzten wahrscheinlich das Gummi der Förderbänder in Brand. Damit konnte das Feuer auch sehr schnell auf weitere Bauteile übergreifen. Eine hohe Brandlast war in der mehrstöckigen Aufbereitungsanlage durch die Holzbauweise gegeben. Die Holzfußböden, Balken und Wände waren trocken und leicht entzündbar. Auch war die Anlage in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich gewachsen, eine Untergliederung in entsprechende Brandabschnitte fehlte. Weiterhin wurde das Feuer durch den Kamineffekt im Gebäude angefacht. Insbesondere die Rauchentwicklung verhinderte die Flucht ins Freie und behinderte die Rettungsarbeiten erheblich.



Die Konsequenzen

Zurück bleibt bei derartigen Unfällen weit mehr als das Leid der Betroffenen und Hinterbliebenen. Hinzu kommen betriebswirtschaftliche Schäden, meist in Millionenhöhe, verursacht durch Betriebsunterbrechungen, Kundenverluste und Umsatzeinbußen, dazu noch Imageverluste für den Betrieb. Diese Schäden sind meist größer als der eigentliche Gebäudeschaden selbst. Sehr wichtig sind daher geeignete Brandschutzmaßnahmen. Informationen zum Umgang mit Schweißgerät und Schneidbrenner sind in der gerade überarbeiteten BGV D1 „Schweißen und Schneiden“ zusammengefasst. Der Nachtrag ist am 1. 10. 2001 in Kraft getreten. Neue Erkenntnisse aus dem Unfallgeschehen, insbesondere beim Brandschutz, zum Beispiel nach dem Großbrand am Düsseldorfer Flughafenterminal, machten eine grundlegende Überarbeitung erforderlich. Gleichzeitig mussten Anpassungen an das europäische Recht sowie aktuelle Normen berücksichtigt werden.
Verantwortlich für den Brandschutz ist der Unternehmer. Dazu verpflichtet ihn schon das Arbeitsschutzgesetz. Er muss zum Beispiel eine Evakuierung und Erste-Hilfe-Maßnahmen im Ernstfall sicherstellen. Weiterhin ist nach der BGV D1 „Schweißen und Schneiden“ zukünftiq vor Beginn jeder schweißtechnischen Arbeit eine Gefährdungsanalyse durchzuführen. Dabei hat der Unternehmer festzustellen, ob es sich um „Bereiche mit besonderen Gefahren“ (§ 2) handelt. Bei der Ausführung von Arbeiten in engen Räumen – beispielsweise unter erhöhter elektrischer Gefährdung oder mit Brand- und Explosionsgefahr – ist jetzt besondere Sachkenntnis erforderlich, die der Unternehmer gegebenenfalls durch externe Beratung sicherstellen muss (§ 25).
Ebenso müssen Personen, die die Arbeiten ausführen, über besondere Sachkenntnisse verfügen. Insbesondere in den Bereichen mit Brand- und Explosionsgefahren (§ 30) müssen ergänzende Sicherheitsmaßnahmen getroffen und in einer Schweißerlaubnis schriftlich festgehalten werden. Für alle anderen Bereiche ist eine allgemeine Betriebsanweisung (§ 26) zu erstellen.
Die Einhaltung solcher Vorschriften wird auch von immer mehr Feuerversicherern verlangt, ansonsten kann es zu Schwierigkeiten und sogar Abstrichen bei der finanziellen Schadensabwicklung kommen. Die Wirksamkeit aller Brandschutzmaßnahmen muss regelmäßig kontrolliert werden. So wird u. a. bei besonderen Gefahren das Überwachen durch einen Brandposten während, sowie die wiederholte Kontrolle durch eine Brandwache im Anschluss an die schweißtechnischen Arbeiten gefordert. Auch das Abdecken von Öffnungen in benachbarte Bereiche oder das Abdecken verbliebener – also nicht beräumbarer – brennbarer Stoffe zählen zu den ergänzenden Sicherheitsmaßnahmen. Das Unterlassen dieser einfachen Sicherheitsregeln führte im vorangegangenem Unfallbeispiel zum Tode des Betriebsschlossers.
Eindeutige und klar verständliche Anweisungen durch den Unternehmer sind erforderlich. Die Mitarbeiter und alle auf dem Werksgelände tätigen Fremdfirmen müssen Bescheid wissen über bauliche, technische und auch organisatorische Brandschutzmaßnahmen, mögliche Brandursachen und die Brandverhinderung. Auch die Brandbekämpfung, insbesondere der Umgang mit Feuerlöschern, sollte regelmäßig geübt werden.



Brandherd Siebanlage mit abgeschmolzenen Staubschutzmatten aus Spezialplastik
Brandherd Siebanlage mit abgeschmolzenen
Staubschutzmatten aus Spezialplastik


Brandreste der Einhausung an der Aufbereitungsanlage
Brandreste der Einhausung an
der Aufbereitungsanlage




Beratung und Literatur

Mit den zahlreichen Vorschriften und Anforderungen an die Technik und Organisation fühlen sich viele Betriebe überfordert. Doch sie stehen nicht allein. Fachliche Beratung erhalten die Unternehmer von den örtlichen Feuerwehren, Brandversicherern, den Baubehörden sowie durch die Berufsgenossenschaften. Zum Thema Brandschutz gibt es beispielsweise bei den Berufsgenossenschaften eine Reihe neu aufgelegter Broschüren und Materialien:
  • Arbeitssicherheit durch vorbeugenden Brandschutz (BGI 560)
  • Aufgaben, Qualifikation, Ausbildung von Brandschutzbeauftragten (ASI 9.30 , BGN)
  • Ausrüstung von Arbeitsstätten mit Feuerlöschern (BGR 133)
  • Feuerlöscher-Berechnungsprogramm auf CD-ROM (HVBG)

Diese Informationen und weitere Broschüren können über den Carl Heymanns Verlag in Köln
(Tel.: 02 21 / 9 43 73-0) oder über den Hauptverband der Gewerblichen Berufsgenossenschaften in Sankt Augustin (Tel.: 0 22 41 / 2 31-01) bezogen werden.




Die BGV D1 Schweißen und Schneiden wurde erst kürzlich aktualisiert
Die BGV D1 Schweißen und Schneiden
wurde erst kürzlich aktualisiert






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