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Tendenz positiv - Unfälle und Berufskrankheiten im 1. Halbjahr 2000

Die Halbjahresstatistik über das Unfall- und Berufskrankheitengeschehen in den Mitgliedsunternehmen der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft zeigt auf, ob der Trend der letzten Jahre, d. h. reduzierte Unfall- und Berufskrankheitenzahlen, weiter anhält. Gleichzeitig sind diese Zahlen als Gradmesser für Erfolge der Prävention anzusehen.
Mit Hilfe der Statistiken über Unfälle und Berufskrankheiten können einerseits Schwerpunkte aufgezeigt und andererseits durch einen Vergleich mit den Vorjahren Entwicklungstendenzen verdeutlicht werden. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass nur absolute Zahlen vorgestellt werden und somit wie in den Jahresbilanzen Aussagen zu Unfallrisiken nicht möglich sind (z. B. die Zahl der Unfälle bezogen auf eine Million Arbeitsstunden). Als Vergleichshalbjahre wurden 1998 und 1999 herangezogen. Neben den meldepflichtigen Unfällen gibt es die sogenannten nicht meldepflichtigen Unfälle, bei denen die Drei-Tage-Frist zwar unterschritten wurde, die aber der Berufsgenossenschaft trotzdem gemeldet worden sind. Meldepflichtige und nicht meldepflichtige Unfälle zusammen ergeben die gemeldeten Fälle.
Eine Übersicht der gemeldeten sowie der tödlichen Unfälle und der neuen Arbeitsunfallrenten der letzten Halbjahre vermittelt Abbildung 1. Demnach ergeben sich mit Ausnahme der tödlichen Wegeunfälle in allen Bereichen Rückgänge. Positiv sind die Reduzierung bei den tödlichen Arbeitsunfällen von elf im 1. Halbjahr 1999 auf acht im 1. Halbjahr 2000 und die deutliche Minderung bei den neuen Arbeits- und Wegeunfallrenten zu bewerten. Mit der Zahl 139 hat die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft erneut in der Halbjahresstatistik einen Tiefstand erreicht.
Im 1. Halbjahr 2000 wurden 10.412 Arbeitsunfälle gemeldet; dies sind 3,53 Prozent weniger als im Vorjahr. Eine positive Entwicklung für das Jahrsergebnis ist somit zu erwarten.
Ein eindeutiger Schwerpunkt bezüglich der tödlichen Arbeitsunfälle lässt sich u. a. auch wegen der geringen Zahlen nicht feststellen (vgl. Abbildung 2). Zwei der tödlichen Arbeitsunfälle traten im Zusammenhang mit Recycling-Anlagen auf, zwei weitere sind Betonwerken zuzuordnen. Auch in der Gewinnung und Aufbereitung von Naturstein ereigneten sich zwei tödliche Arbeitsunfälle. Ein tödlicher Arbeitsunfall geschah auf einer Baustelle und ein weiterer im öffentlichen Straßenverkehr.
Verläuft ein Arbeits- oder Wegeunfall tödlich oder hat er so schwere Folgen, dass es zu einer Entschädigung in Form einer Rente oder Abfindung kommt, so wird dieser zusätzlich als neue Unfallrente ausgewiesen.
Voraussetzung für eine solche Entschädigung ist, dass der Unfall allein oder zusammen mit einem früheren Arbeitsunfall für einen gesetzlich festgelegten Mindestzeitraum zu einer Minderung der Erwerbsfähigkeit von mindestens 20 Prozent geführt hat. Über die Zahlung von Renten hinaus gehören zu den Entschädigungsleistungen auch die Bar- und Sachleistungen für medizinische, berufliche und/oder soziale Rehabilitation, die die Berufsgenossenschaften für eine wesentlich größere Zahl von Personen, nämlich für praktisch jeden Versicherungsfall erbringen.

Die neuen Arbeitsunfallrenten, die in der Regel als schwere Unfälle einzustufen sind, haben sich dem Trend der vergangenen Jahre folgend auf nunmehr 139 im 1. Halbjahr 2000 vermindert. Dies entspricht einer Reduzierung von 17,26 Prozent gegenüber den Halbjahreszahlen des Vorjahres. Dieses deutliche Minus lässt unter Berücksichtigung der Entwicklung der letzten Jahre den Schluss zu, dass es durch intensive Präventionsarbeit der Unternehmen und der Berufsgenossenschaft gelungen ist, die schweren Unfälle merklich zu vermindern.
Eine Analyse der neuen Arbeitsunfallrenten, aufgeschlüsselt nach dem Arbeitsbereich bzw. dem unfallauslösenden Gegenstand und der Tätigkeit des Verletzten, lässt Schlüsse auf Unfallschwerpunkte zu. Als Schwerpunkt des Unfallgeschehens bezüglich des "Arbeitsbereiches" haben sich eindeutig Beton- und Fertigteilwerke herausgestellt, die Platz 1 (Betonsteinwerk) und Platz 4 (Fertigteilwerk) der Rangfolge mit zusammen 20 Fällen einnehmen. Dies war auch in den vergangenen Jahren der Fall, allerdings mit noch höheren Zahlenwerten (vgl. Abbildung 3).
Beim unfallauslösenden Gegenstand liegen die "Fußböden, Gehwege, Plätze ...." (9 Fälle) mit "Brechern" (8 Fälle), "Betonfertigteilen" (8 Fälle) sowie auch "Bandförderer" (7 Fälle) dicht nebeneinander. Auch in den vergangenen Jahren zeigte sich diese Konstellation.

Bei der Aufschlüsselung nach der Tätigkeit des Verletzten zeigt sich eine interessante Entwicklung. Rang 1 mit dem Bereich "Gehen, Laufen, Steigen, ..." führte auch in den letzten Jahren die Rangliste an. Allerdings hat sich insofern eine Änderung ergeben, als die Zahl der Fälle für diesen Bereich 1999 noch 54 und 1998 sogar 66 betrug. Es ist somit deutlich erkennbar, dass die Zahl der neuen Renten und damit der schweren Unfälle im Bereich "Gehen, Laufen, Steigen, ..." in den letzten Jahren stetig zurückgeht. Auch der Abstand zu den nachfolgenden Bereichen "Betätigen, In Gang setzen, ...." und "Handhaben von/Umgehen mit Werkzeugen, ..." hat sich verringert (vgl. Abbildung 4).
Die Wegeunfälle unterscheiden sich insofern deutlich von den Arbeitsunfällen im Betrieb, als sie sich auf dem Wege von der Wohnung zum Arbeitsplatz, also außerhalb des Betriebes, ereignen. Sie entziehen sich somit den klassischen Arbeitssicherheitsmaßnahmen der Unternehmen und der Berufsgenossenschaft. Im 1. Halbjahr 2000 wurden 593 gemeldete Fälle verzeichnet. Dies entspricht einer Minderung von 0,84 Prozent gegenüber dem Vorjahr (vgl. Abbildung 1). Die Zahl der tödlichen Wegeunfälle hat sich im 1. Halbjahr 2000 leider um drei Fälle gegenüber dem Vorjahr erhöht.
Im 1. Halbjahr 2000 wurden 18 neue Wegeunfallrenten ausgewiesen (vgl. Abbildung 1); dies sind 37,93 Prozent weniger als im Vorjahr; da es sich, absolut gesehen, um wenige Fälle handelt, sind statistisch relevante Trends nicht nachweisbar.

Berufskrankheiten sind nach § 9 Abs. 1 SGB VII diejenigen Krankheiten, die die Bundesregierung durch Rechtsverordnung mit Zustimmung des Bundesrates als Berufskrankheiten bezeichnet und die Versicherte infolge einer den Versicherungsschutz nach §§ 2, 3 oder 6 SGB VII begründeten Tätigkeit erleiden. In dieser Liste können ausschließlich Erkrankungen durch besondere gefährdende Einwirkungen aufgenommen werden, denen bestimmte Personengruppen durch ihre versicherte Tätigkeit in erheblich höherem Grade als die übrige Bevölkerung ausgesetzt sind. Darüber hinaus ermöglicht § 9 Abs. 2 SGB VII im Einzelfall die Anerkennung und Entschädigung einer nicht in der Liste aufgeführten Krankheit, wenn nach neuen medizinisch-wissenschaftlichen Erkenntnissen die sonstigen Voraussetzungen des Abs. 1 erfüllt sind.

Die Anzeigepflicht für Ärzte besteht bei begründetem Verdacht auf das Vorliegen einer Berufskrankheit; für Unternehmer besteht eine Meldepflicht gemäß § 4 BKV. Es können jedoch auch Versicherte, Krankenkassen oder andere Stellen den Verdacht auf das Vorliegen einer Berufskrankheit anzeigen.
Es sind im 1. Halbjahr 2000 insgesamt 403 Anzeigen auf Verdacht einer Berufskrankheit eingegangen; dies sind 32 Fälle mehr als im Halbjahreszeitraum 1999. Die Steigerungen haben sich insbesondere im Bereich BK 2102: Meniskusschäden und BK 2108: Lendenwirbelsäule (Heben und Tragen schwerer Lasten oder extreme Rumpfbeugehaltungen) ergeben. Erfreulich ist, dass sich bei der BK 2301: Lärmschwerhörigkeit keine Steigerung gegenüber dem Vorjahr zeigt.
Bei den neuen Berufskrankheitenrenten ergibt sich im 1. Halbjahr 2000 eine Steigerung um zwei Fälle gegenüber dem Vorjahr. Im Einzelbereich BK 4101: Silikose zeigt sich sogar eine Erhöhung um elf Fälle.
Zusammenfassend lässt sich aussagen: Die gemeldeten Arbeits- und Wegeunfälle sowie die neuen Arbeits- und Wegeunfallrenten haben sich reduziert; dies trifft auch für die tödlichen Arbeitsunfälle zu. Im Bereich der Berufskrankheiten sind leider Erhöhungen zu verzeichnen. Insgesamt liegt jedoch eine positive Tendenz vor, die sich hoffentlich am Jahresende zu einer erfolgreichen Bilanz verdichtet.

Dipl.-Ing. Jürgen Koch, StBG
Tel. 05 11/72 57-971, Fax 791


Abbildung 1: Arbeits- und Wegeunfälle (absolut) in den 1. Halbjahren 1998 bis 2000

Abbildung 2: Tödliche Arbeitsunfälle im 1. Halbjahr 2000

Abbildung 3: Häufigkeit der neuen AU-Renten für das 1. Halbjahr 2000
(aufgeschlüsselt nach dem Arbeitsbereich)

Abbildung 4: Häufigkeit der neuen AU-Renten für das 1. Halbjahr 2000
(aufgeschlüsselt nach der Tätigkeit des Verletzten)



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