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[Die Industrie der Steine + Erden]






Bei Zement in die Schule gehen

Als erste baden-württembergische Schule hat das Gymnasium Walldorf mit einem Industrieunternehmen einen Kooperationsvertrag Industrie & Schule (KIS) ratifiziert. "Wenn Wirtschaft und Schüler gleichermaßen beklagen, dass Schule immer unzureichender auf das Berufsleben vorbereitet, liegt das oft daran, dass die Lerninhalte in den Schulen rein theoretisch abgehandelt werden", erklärte Prof. Dr. Günter Vollmer, der an der Universität Düsseldorf das didaktische Konzept der Lernpartnerschaft entwickelt hat, durch die die Berufsorientierung der Schüler gestärkt werden soll.
Ministerialrat Günter Reinhart betonte bei der Auftaktveranstaltung, KIS sei ein richtungweisendes Projekt: "Es geht um die Einsicht, dass nur das Miteinander unsere Gesellschaft zukunftsfähig macht", so Reinhart. Dieses Miteinander sieht Heidelberger Zement im Rahmen der bereits initiierten Wege von Partnerschaften mit Bauspezialisten, Hochschulen oder bei den Heidelberger "BauForen" jetzt eben auch mit Schulen. "
Ein längst überfälliger Schritt", so Franz Raab, der Initiator und Kooperationsmanager auf Zementseite. Wenn sich heute ein Unternehmen wie Heidelberger Zement öffne und Schülern Einblicke gewähre in das "lnnenleben" eines Industrieorganismus, dann sei das aus dem Leben gegriffen und beide Seiten hätten etwas davon. Verständnis sei die Basis für gegenseitiges Vertrauen.
Egal ob in Biologie, Chemie, Gemeinschaftskunde oder Geschichte: das Werk Leimen mit dem Steinbruch Nußloch hilft durch Schulunterricht vor Ort, die Themen greifbarer und verständlicher zu machen. In Biologie zum Beispiel können die Fünft- und Sechstklässler im Steinbruch Nußloch Wirbeltiere, Vögel und Amphibien beobachten. In Klasse 7 können die Schüler im rekultivierten Teil des Steinbruchs qualitative und quantitative Naturbeobachtungen durchführen unter dem Aspekt "Vögel der See als Magnet". Dafür richtet Heidelberger Zement in Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde einen Beobachtungsstand am See ein. An der Lößsteilwand lässt sich die Besiedelung durch Insekten, genauer gesagt durch "Hautflügler" untersuchen. Dazu wird ein Teil der Lößsteilwand in Richtung Süden frisch angeschnitten, um die Neubesiedelung von Insekten über viele Jahre mitverfolgen zu können.
Im Fach Geschichte behandelt die Klasse 9 die "Industrialisierung in Deutschland im 19. Jahrhundert". Wenn das nicht allgemein und theoretisch besprochen wird, sondern in Bezug auf Heidelberger Zement, kann das Werk mit Quellenmaterial des Unternehmensarchivs und gemeinsamen Unterrichtsgesprächen das Ganze anschaulich machen. Die Schüler können sich nicht nur anhand der zum Teil denkmalgeschützten Gebäude von früher ein Bild machen, sondern durch Fotos die Veränderung der eigenen Region nachvollziehen. Von der Industriellen Revolution bis heute deckt das Werk Leimen anschaulich die Wandlung von einer patriarchalischen Werksführung zu einer modernen, partnerschaftlich geführten Unternehmensstruktur ab.

Heidrun Becker, StBG



Gymnasiasten lernen bei Heidelberger Zement
Gymnasiasten lernen bei Heidelberger Zement






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