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Falkensteiner Tage 2000

Fasern und Stäube – Die strategische Herausforderung


Die Klinik Falkenstein Unter dem Motto "Forschung – Prävention – Heilbehandlung aus einer Hand" standen am 20. und 21. Oktober 2000 in der Berufsgenossenschaftlichen Klinik für Berufskrankheiten im Vogtländischen Falkenstein die diesjährigen "Falkensteiner Tage". Veranstaltet werden die "Falkensteiner Tage" alle zwei Jahre in Zusammenarbeit zwischen der Klinik und dem Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften.
Seit Anfang 1994 stellt die Berufsgenossenschaftliche Klinik in Falkenstein eine wichtige Bereicherung unter den insgesamt elf BG-Kliniken dar, welche sich mit der Rehabilitation von Unfallverletzten und – besonders im Bereich der Berufskrankheiten – neben der Heilbehandlung auch mit der Prävention befasst. Gerade bei dem komplizierten Feld der Berufskrankheiten der Lunge kommt außer einer gezielten Vorsorge und einer sachgerechten Rehabilitation der Förderung des wissenschaftlichen Erkenntnisstandes eine unverzichtbar hohe Bedeutung zu. Mit den Falkensteiner Tagen ist ein Forum des wissenschaftlichen Dialogs geschaffen worden, welches kontinuierlich Impulse zur Fortentwicklung der Arbeitsmedizin und zur Verbesserung der bg’lichen Aktivitäten auf dem Gebiet der Berufskrankheiten aussendet.
Dabei kommt dem Verbund präventiver Erkenntnisse mit Rehabilitationsstrategien eine große Bedeutung zu. Dem brennenden Thema der Gegenwart – der Wirkung von Fasern und Stäuben – widmete sich das Falkensteiner Forum im Jahr 2000. Über 100 hochkarätige Wissenschaftler, Präventionsexperten, BG-Fachleute, Arbeitsmediziner sowie Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter waren für diesen Dialog nach Falkenstein gekommen. Im Anschluss an die Grußworte des alternierenden Vorsitzenden des Vorstands des Trägervereins der Klinik, Herrn Vogler, durch den Hauptgeschäftsführer des HVBG, Dr. Sokoll, und des Bürgermeisters der Stadt Falkenstein, Herrn Rauchalles, eröffneten Frau Dr. Perlebach und Herr Dr. Kranig den fachlichen Teil der Veranstaltung. Zunächst referierte Prof. Dr.-Ing. Bauer vom Institut für Gefahrstoff-Forschung der Bergbau-BG in Bochum zum Thema "Ermittlung kumulativer Belastungen als Maßnahme des präventiven Gesundheitsschutzes". Er trat in seinem Referat insbesondere dafür ein, zukünftig verstärkt auf die Ermittlung der kumulativen Dosis durch Belastungen der Arbeitnehmer zu setzen und präventive Maßnahmen von der erreichten Dosis abhängig zu machen. Dies schließt nach Ansicht von Bauer sowohl die Entscheidung über arbeitsmedizinische Vorsorge als auch die Arbeitseinsatzlenkung ein. Die Vorschläge des Referenten basieren auf den Erfahrungen im deutschen untertägigen Bergbau und haben sich dort bereits bewährt. Als logische Konsequenz wäre zu überlegen, ob es zukünftig hinsichtlich der Festsetzung von Grenzwerten für Stäube und Fasern eine Splittung geben sollte: Zum einen wäre ein Luftgrenzwert für die Gestaltung der Arbeitsplätze erforderlich. Auf der anderen Seite müsste aber auch ein kumulativer Dosis-Grenzwert festgelegt werden, von dem persönliche Maßnahmen, wie z. B. arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen, abhängig gemacht würden.
Der zweite Referent PD Dr. med. Brockmann, tätig am Krankenhaus Merheim in Köln, befasste sich mit dem Thema "Reaktionsmuster von Fasern und Stäuben auf Lungen und Pleura: Ein Beitrag der Pathologie zum Thema kumulative Wirkungen". Aus diesem Vortrag wurde besonders deutlich, welch vielschichtige Faktoren, die sowohl im individuellen Bereich als auch in der Arbeitsplatzsituation liegen, auf die Erkrankungsmechanismen der Lunge Einfluss haben. Die Schwierigkeit ist vor allem, dass verschiedenste Einflussfaktoren gleiche Erkrankungsbilder verursachen können – dies macht die erforderlichen Rückschlüsse auf die Ursachen nicht immer leicht. Im Lungengewebe gefundene Fasern geben aber eindeutige Hinweise und können als Indizien gewertet werden. Dr. Brockmann ging auch auf die unterschiedliche Wirkung von Stäuben bzw. Quarzstäuben ein und bestätigte nochmals, dass Quarzstäube oder Quarzmischstäube je nach Herkunft und Oberflächenform unterschiedlich gefährlich sind. Auch sei zu bedenken, dass Fibrosen nicht immer auf Partikeleinwirkungen zurückzuführen seien.
Der von Dr. jur. Koch von der Berufsgenossenschaft der chemischen Industrie gehaltene Vortrag befasste sich im Anschluss daran mit den "Rechtlichen Voraussetzungen für präventive oder rehabilitative Maßnahmen" und reflektierte vor allem auf den Handlungsspielraum für die berufsgenossenschaftlichen Verwaltungen. Dass hierbei die Frage der Mehrfachexpositionen noch weitgehend unerforscht ist und viele offene Fragestellungen zu klären sind, betonte der Referent besonders.
Prof. Dr. med. Konietzko von der Ruhrlandklinik in Essen ging in seinem Referat vor allem auf "Anforderungen an ein integratives Betreuungskonzept in der Rehabilitation" ein und spannte den Bogen weiter als bisher üblich: Im Mittelpunkt seiner Ausführungen stand die Frage, welche Chancen in einer umfassenden Betrachtung präventiver und rehabilitativer Maßnahmen unter Einbeziehung persönlicher Lebensgestaltung bestehen.
Welch entscheidende Rolle gerade bei der Rehabilitation von Lungenerkrankungen der Faktor Rauchen spielt, ist seit langem bekannt, wurde den Teilnehmern aber durch die Ausführungen von Prof. Konietzko in beeindruckender Art und Weise erneut vor Augen geführt.
Den Abschluss bildete eine Podiumsdiskussion unter der Leitung von Prof. Dr. med. Woitowitz von der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Unter Beteiligung von Frau Dr. med. Kotschy-Lang, Chef-ärztin der BG-Klinik Falkenstein, Dipl.-Ing. Ehnes, Leiter des Geschäftsbereiches Prävention der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft, Prof. Dr. med. Nowak von der Ludwig-Maximilians-Universität in München und von Ass. Pöhl von der Bergbau-BG in Bochum diskutierte das Podium zum Thema "Strategische Herausforderung in der Zukunft". Hierbei wurden alle Facetten von der Prävention über die Rehabilitation bis hin zu den rechtlichen Rahmenbedingungen tangiert, die bei Lungenerkrankungen durch Fasern oder Stäube zu berücksichtigen sind.
Am Schluss der Veranstaltung waren sich sowohl Podium als auch Zuhörer einig, dass die zweiten Falkensteiner Tage eine Reihe von neuen Impulsen für die zukünftige Arbeit boten. Diese gilt es nun in die tägliche Praxis umzusetzen und bei präventiven Maßnahmen, bei Rehabilitationsbemühungen, aber auch bei der Weiterentwicklung der rechtlichen Rahmenbedingungen zu berücksichtigen. In seinem Schlusswort wies Ass. Lange als Geschäftsführer des Trägervereins für die Berufsgenossenschaftliche Klinik für Berufskrankheiten in Falkenstein darauf hin, wie wertvoll ein fachübergreifender Dialog zwischen Experten unterschiedlicher Herkunft einzuschätzen sei. Dass man in Falkenstein die Plattform für dieses konstruktive Miteinander auch in Zukunft bieten möchte, sagte Herr Lange allen Teilnehmern des Forums zu, bevor er sie als Abschluss der Veranstaltung zur Besichtigung der imposanten Neubaumaßnahmen in der Klinik Falkenstein einlud.

Teilnehmer

Dipl.-Ing. Helmut Ehnes, StBG
Tel. 05 11/72 57-9 70, Fax -7 91



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