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Europäische Woche 2000 für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit

Die deutsche Hauptveranstaltung der Europäischen Woche fand am 24.10.2000 als Multiplikatoren-Kolloquium in Potsdam statt. Eingeladen hatten die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin und das Landesinstitut für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin Potsdam. Multiplikatoren aus allen Bereichen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes, wie z. B. Mitarbeiter des Geschäftsbereiches Prävention unserer Berufsgenossenschaft, sollten für das Hauptanliegen der Veranstaltung: Gemeinsam gegen Muskel- und Skeletterkrankungen motiviert werden.
In seiner Eröffnungsrede stellte der Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium Herr Dr. Tegtmeier fest, dass Muskel- und Skeletterkrankungen mit knapp 29 Prozent den größten Anteil an Ausfalltagen infolge Erkrankungen in der Bundesrepublik Deutschland ausmachen. Beschäftigte leisten nach seinen Worten einen hohen Tribut, wenn sie arbeitsbedingt erkranken, aber auch für das einzelne Unternehmen und die gesamte europäische Wirtschaft bedeuten Arbeitsunfälle, Berufskrankheiten und Ausfalltage einen hohen Preis. Schlechte Arbeitsbedingungen und mangelnder Arbeitsschutz führen zu hohen Kosten für Arbeitsausfälle, Produktionsverlusten und verminderter Produktqualität. Die Kosten für die Kompensation dieser Arbeitsunfälle werden von EUROSTAT, dem Statistischen Amt der Europäischen Union, auf 20 Milliarden Euro jährlich geschätzt. Als Sozialpolitiker fügte er noch hinzu: Die Verhütung von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten, die Erhaltung von Gesundheit und Leistungsfähigkeit entlasten zudem die sozialen Sicherungssysteme. Sie verringern die Lohnnebenkosten und tragen zu einem störungsfreien Betriebsablauf bei. Das zeigt: Der Unternehmer selbst zieht großen Nutzen aus allen Präventionsmaßnahmen.

Foyer der Veranstaltung zur Europäischen Woche, im Hintergrund Stehwände zur Ausstellung 75 Jahre Arbeitsmedizin in Berlin In den Vorträgen der Experten aus Wissenschaft, Verwaltung sowie der betrieblichen Praxis wurde das Hauptaugenmerk auf Methoden zur Analyse und Bewertung der beruflichen/außerberuflichen Belastung und Beanspruchung und auf Präventionsstrategien gelegt. Einig war man sich, dass die Prävention von Muskel- und Skeletterkrankungen als gesamtgesellschaftliche Aufgabe begriffen werden muss. Jedoch bestehen keine ernsthaften Zweifel, dass arbeitsbedingte Einflüsse an der Verursachung und Ausprägung beteiligt und Muskel- und Skeletterkrankungen daher einer Verhältnisprävention zugänglich sind. Die Ausarbeitung gezielter Präventionsprogramme muss unter Berücksichtigung der konkreten Arbeitsbedingungen erfolgen. Dieses gehört zu den erstrangigen Aufgaben des fachkundigen Betriebsarztes. Eine erfolgreiche Prävention von Muskel- und Skeletterkrankungen erfordert eine lebensbegleitende Verhaltensprävention, eine gezielte Verhältnisprävention (Stichwort: Ergonomie), Beginn der Maßnahmen schon im Kindesalter und ein zielgerichtetes Zusammenwirken von Eltern, Ärzten, Arbeitswissenschaftlern, Ergonomen, Arbeitsmittelherstellern sowie von Arbeitnehmern und Unternehmern. Weiterleben sollen die europaweit zusammengetragenen Informationen auf der Website der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz in Bilbao. Die Adresse lautet: http://osha.eu.int/ew2000.

Klaus Schlingplässer, StBG,
Geschäftsstelle Berlin, Tel. 0 30/5 46 00-0, Fax -3 05




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