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[Die Industrie der Steine + Erden]






Im Brennpunkt:

Arbeitssicherheit contra Immissionsschutz?

Am fränkischen Dolomitabbaugebiet Schrödlberg wird zur Sicherheit gesprengt



Die Gefährdung


Sprengarbeiten für die Sicherheit – ein Widerspruch? Keineswegs...
Bei einer routinemäßigen Besichtigung eines Mitgliedsunternehmens der Steinbruchs-BG (StBG) am Schrödlberg im fränkischen Neuensorg gemeinsam mit dem Gewerbeaufsichtsamt wurden erhebliche Mängel im Sinne der Unfallverhütungsvorschrift „Steinbrüche, Gräbereien und Halden“ festgestellt. Das Unternehmen betreibt einen Steinbruch zur Gewinnung von Dolomit und die hierfür erforderliche Aufbereitungsanlage zur Herstellung von Zuschlagstoffen für die Glasindustrie sowie Düngekalk für die Landwirtschaft.
Der Abbau des Gesteins erfolgt u. a. am Schrödlberg, der vom Niveau rund 375 m bis 510 m ü. N.N. ansteigt. Die geologischen Verhältnisse dieser Lagerstätte sind für die Gewinnung als äußerst problematisch zu bewerten. Starke Risse, Klüfte und Spalten beeinträchtigen Bohrarbeiten und lassen bei den anschließenden Sprengarbeiten oftmals Überhänge anstehen oder größere Gesteinsmassen abrutschen.
Diese erheblichen Sicherheitsmängel gefährdeten nicht nur die Versicherten des Unternehmens, sondern auch Wanderer auf einem Waldweg, da in einem Teilbereich des Berges starke Risse und Klüfte bestanden. Es drohten Gesteinsmassen abzustürzen. Was war zu tun? Durch gezielte Sprengarbeiten hätten die unmittelbaren Gefährdungen beseitigt werden können. So einfach zeigte sich die weitere Entwicklung aber nicht. Das zuständige Landratsamt, das in Bayern für die Umsetzung des Bundesimmissionsschutzgesetzes verantwortlich zeichnet, hat in Teilbereichen des Steinbruches jegliche weitere Gewinnung oder Abbau verboten. Grund dieser Untersagung war die Intervention einer starken Bürgerinitiative. Sie argumentiert u. a., dass der Dolomitabbau ein Stück Heimat zerstört, da der abzubauende Berg die Ortsansicht präge und damit in der Folge ein Fremdenverkehrsort mit stagnierenden Gästezahlen getroffen werde.




Die Sicherung


Eine Betriebsbesichtigung durch das Landratsamt, das Gewerbeaufsichtsamt und die StBG hatte vor allem auf Drängen der StBG zur Folge, dass rund 300 Tonnen überhängendes Gesteinsmaterial sofort sprengtechnisch beseitigt wurden. Ein Sachverständigengutachten zur weiteren Sanierung der stillgelegten hohen Wände, die geologisch bedingt auch auf Sand und Feinmaterialien gelagert sind, liegt vor. Das Gutachten schlägt eine Sanierung durch Reduzierung der Wandhöhen mit schonendem Sprengverfahren von circa 25 Meter auf zehn bis maximal 15 Meter vor. Zusätzlich müsse der Berg weiter angeschnitten werden, um Platz für die Sohlen schaffen zu können. Das Landratsamt hatte Bedenken hinsichtlich dieses Gutachtens, stimmte aber im Hinblick auf die Forderungen des Bundesimmissionsschutzgesetzes, das die Sicherheit stillgelegter Anlagen fordert, zu.
Nach der letzten Frostperiode waren die angelegten Gipsmarken gebrochen, was die starken Bewegungen des anstehenden Berges dokumentiert. Die Sprengungen zur Sicherung sind also dringend notwendig. Bei einem Gespräch zwischen StBG, Bürgerinitiative und Gewerbeaufsichtsamt diskutierten die Parteien kürzlich die Sanierungsmaßnahmen und zeigten sich damit weitgehend einverstanden. Nicht zufrieden ist die Bürgerinitiative damit, dass auch oberhalb von 500 Metern gesprengt werden muss, um in dieser Höhe eine Sohle verbreitern zu können. Nur so können jedoch die darunter liegenden Wände geteilt werden. Es handelt sich hierbei nicht um zusätzliche Gewinnungsarbeiten, sondern um Maßnahmen, die notwendig sind, um den Berg zu sichern. Viele Steinbrüche haben Nachbarschaftsprobleme. Dieses Beispiel zeigt aber, dass Transparenz, "Aufeinander-Zugehen" und die Bereitschaft zum sachlichen Gespräch die Situation entschärfen und die Arbeitssicherheit ein Stück vorantreiben.

Dipl.-Ing. Ulrich Kretschmer, StBG,
Sektion I, Tel. 09 11/9 29 85-14, Fax -46

Ein Bericht in der folgenden Ausgabe wird die durchgeführte Sanierungsmaßnahme detailliert vorstellen.

Abgerutschtes Wurzelwerk und Abraum am Schrödlberg Schrödlberg
Aus der Wand herausgefallenes Gestein und gebrochene Gipsmarke
Aus der Wand herausgefallenes Gestein und gebrochene Gipsmarke






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