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Präventionsausschuss besichtigt neues Labor bei SCHAEFER KALK

Dipl.-Ing. W. Horten

Abb. 1: Schaefer Kalk - Neubau des Laborgebäudes in Hahnstätten Anlässlich der letzten Sitzung der Präventionsausschüsse von Vertreterversammlung und Vorstand der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft am 10. August 1999 in Limburg erfolgte eine Besichtigung der Fa. SCHAEFER KALK in Hahnstätten. Die Mitglieder der Präventionsausschüsse informierten sich dabei insbesondere über die wegweisende Firmenphilosophie des Unternehmens sowie über das am 12. April d. Js. eingeweihte neue Zentrallabor (Abb. 1) der Mitgliedsfirma.Das 1906 von Johann Schaefer gegründete Unternehmen, welches sich bis heute in Familienbesitz befindet, produziert jährlich ca. 800.000 t Kalksteine in eigenen Betriebsstellen. Das Kalkgestein aus Hahnstätten wird in der Bauindustrie und anderen Industriezweigen verwendet. Aufgrund der hohen Qualität des Ausgangsmaterials und der Veredelungstechnik liefert das Unternehmen seine Produkte überall dorthin, wo Reinheit, weiße Farbe und hohes Reaktionsvermögen verlangt werden. So werden die Produkte unter anderem im Bereich der Kosmetik-, Lebensmittel-, Stahl- und Kunststoffindustrie, in der Pharmazie, der Trink- und Brauchwasseraufbereitung und der Reinigung von Rauch- und anderen Abgasen eingesetzt. Zur optimalen Steuerung und Entwicklung wurden drei Sparten mit den Bereichen Kalk, Füllstoffe/Pigmente und Fertigputz gebildet. Mit den Sparten wird ein Umsatzvolumen von 100 Mio. DM erreicht. Das Unternehmen investierte 12 Mio. DM in den Neubau eines zentralen Labors. Nach Aussage des technischen Geschäftsführers, Dr. Ing. Gernot Schaefer (Abb. 2) wurden die ersten Überlegungen zum Neubau dieses Zentrallabors vor ca. 2 Jahren angestellt. Die Anforderungen an Qualitätssicherung und -überwachung machten den Neubau ebenso notwendig wie die Anforderung hinsichtlich Forschung und Entwicklung. Die 30 Mitarbeiter in diesem Unternehmensbereich entwickeln oft in enger Zusammenarbeit mit Kunden neue Anwendungsgebiete und neue Einsatzbereiche für Kalkprodukte. Über dieses neue "Denk-Zentrum" wird die Wettbewerbsfähigkeit von SCHAEFER KALK im internationalen Wettbewerb garantiert.Das Labor unterstützt unter anderem auch das Werk in Malaysia und dient mit Cross-Check-Analysen dem hohen Qualitätsniveau. Während der zweijährigen Planung des neuen Laborgebäudes wurde durch externe und interne Anregungen ein Optimum an räumlicher Ausgestaltung, apparativer Ausstattung sowie ergonomischen und effizienten Arbeitsbedingungen geschaffen.Aus den drei Sparten des Unternehmens werden täglich ca. 150 bis 200 Proben analysiert. Die Proben werden über eine moderne Rohrpostanlage, die eine Gesamtlänge von 500 m aufweist, zu einer zentralen Empfangsstation im Labor verschickt. Von hier werden die Proben labormäßig aufgearbeitet und überprüft.Im neuen Laborgebäude gibt es eigene Räume für das Verpacken und Versenden von Proben. Zudem ist ein Klimaraum vorhanden, in dem Umwelteinflüsse simuliert und deren Auswirkungen auf bestimmte Produkte überprüft werden können .Großer Wert wurde auf die Funktionalität der Laboreinrichtungen gelegt. So befinden sich im Deckenbereich der Laborräume ovale "Medienträger". Hierin sind Leitungen verlegt, mit denen verschiedene Gase, Wasser, Strom, Druckluft, Vakuum, Absaugungen usw. an jede Arbeitsstelle gebracht werden können. Daraus ergibt sich eine größtmögliche Flexibilität für den Fall, dass neue Bereiche eingerichtet oder umstrukturiert werden müssen. Außerdem wird durch die Versorgung von oben erreicht, dass im Arbeits- und Verkehrsbereich keine Installationen vorhanden sind bzw. vorgenommen werden, die zu Unfallgefahren führen können.Dem Arbeits- und Gesundheitsschutz wurde ein hoher Stellenwert eingeräumt. So sind alle staubbelasteten Arbeitsplätze mit Absaugungen versehen. Prüfeinrichtungen, die gesundheitsschädlichen Lärm erzeugen, sind in schallgedämmten Schränken untergebracht. Damit die Mitarbeiter nicht schwer heben und tragen müssen, wurde ein Aufzug im Laborgebäude installiert und die Türen bzw. Durchgänge so angeordnet, dass alle Arbeitsplätze mit Rollwagen erreicht werden können. Die Arbeitsplätze, an denen Auswertungen vorgenommen und Berichte erstellt werden, sind in separaten, vom eigentlichen Laborraum getrennten Büroräumen untergebracht.An den Absaugeschränken im Chemielabor wird der Zugangsbereich durch Sensoren überwacht. Wird festgestellt, dass über einen bestimmten Zeitraum keine Tätigkeit am oder im Laborschrank durchgeführt wurde, so wird der Schrank automatisch geschlossen.Das Labor und die Produktionsstätten sind über ein Netzwerk miteinander verbunden. Alle Daten, die aus den Analysen ermittelt werden, sind sofort im gesamten Werksbereich abzurufen. Den Abteilungen Qualitätssicherung, Forschung und Entwicklung steht ein Raster-Elektronenmikroskop zur Verfügung, das bis zu einer 100.000fachen Vergrößerung Strukturen darstellen kann. Als Besonderheit ist hervorzuheben, dass der gewählte Bildschirmausschnitt über eine Zusatzeinheit markiert werden kann und chemische Analysen bis zum einzelnen Kristall möglich sind. Die gesamte Ausstattung des Labors mit seinen vielfältigen Möglichkeiten wird nicht nur betriebsintern genutzt, sondern weitestgehend auch eingesetzt, um Fragestellungen von Kunden zu lösen und mit diesen gemeinsame Entwicklungen zu betreiben. Das Unternehmen SCHAEFER KALK ist von der Unternehmensphilosophie so angelegt, dass Innovationen und Weiterentwicklungen gemeinsam mit den Kunden im Werkslabor durchgeführt werden können.

Die Mitglieder der Präventionsausschüsse waren sowohl von der Produktvielfalt und -qualität als auch von den bemerkenswerten Sicherheitsstandards beeindruckt.


Abb. 2: Dr.-Ing. Gernot Schaefer
Dr.-Ing. Gernot Schaefer

Anschrift des Verfassers:
Steinbruchs-Berufsgenossenschaft, Theodor-Heuss-Str. 160, 30853 Langenhagen





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