www.steine-und-erden.net > 1999 > Ausgabe 5/99 > Leere Heizölfässer explodiert

[Die Industrie der Steine + Erden]






Leere Heizölfässer explodiert

Dr.-Ing. U. Mörters

In einem Kieswerk gab es einen Brand am Stromaggregat. Dabei wurden drei im Feuer stehende leere Heizölfässer derart deformiert, dass sie der Heizöllieferant nicht mehr zurücknahm. Deshalb wollte der Unternehmer die Fässer anderweitig verwenden - und zwar als Abfallbehälter bzw. mit Sand gefüllt als Wegbegrenzung. Hierzu mussten die Deckel abgetrennt werden. Der Unternehmer entschloss sich, diese Arbeit mit einem Winkelschleifer selbst auszuführen. Bereits beim Eindringen der Flex in das erste Fass (siehe Abbildung) kam es zur Entzündung der im Fass vorhandenen Gase. Die ausgelöste Explosion schleuderte beide Deckel davon und fügte dem Unternehmer schwere Verbrennungen zu. Glücklicherweise stand er nicht in der Flugrichtung der davonfliegenden Teile.



Abb.: Durch Flexarbeit zur Detonation gebracht - der Einschnitt ist dicht unter der Oberkante des Fasses zu sehen

Abb.: Durch Flexarbeit zur Detonation
gebracht - der Einschnitt ist dicht
unter der Oberkante des Fasses zu sehen


Hinweis zur Arbeitssicherheit

Der Flammpunkt für Heizöl beträgt 55 C, d. h. oberhalb dieser Temperatur bildet sich ein brennbares Gas-Luft-Gemisch.

Nachdem die leeren Heizölfässer im offenen Feuer gestanden hatten, musste man davon ausgehen, dass sich aus den Heizölresten in den Fässern ein brennbares Gas-Luft-Gemisch gebildet hatte - hiermit ist auch zu rechnen, wenn derartige Fässer bei entsprechenden klimatischen Bedingungen ungeschützt in der Sonne stehen. Die Arbeit mit sogenannten "funkenreißenden Werkzeugen", wie z. B. der Flex, kann zur Entzündung brennbarer Stoffe und Gase führen und ist damit dem Umgang mit offenem Feuer ("Feuerarbeiten") gleichzusetzen. Werden solche Arbeiten an geschlossenen Hohlkörpern, die brennbare Stoffe enthalten können durchgeführt, handelt es sich um gefährliche Arbeiten im Sinne des 36 der BGV "Allgemeine Vorschriften", die nur von geeigneten Personen ausgeführt werden dürfen, denen die damit verbundenen Gefahren bekannt sind. Gemäß BGV "Schleif- und Bürstwerkzeuge", 9 (2) sind bei Auftreten zusätzlicher Gefährdungen - und diese lagen zweifelsfrei vor - entsprechende Maßnahmen zu treffen. Im vorliegenden Fall hätte das Fass vor Aufnahme der Flexarbeiten - analog, wie es bei Schweißarbeiten durchzuführen wäre - mit Wasser oder einem nicht brennbaren Gas gefüllt werden müssen.

Der Unfall zeigt:

  • dass das unter normalen Bedingungen harmlos erscheinende Heizöl bei Hitzeeinwirkung (ab 55C) ein zündfähiges Gas-Luft-Gemisch bildet und
  • dass bei Flexarbeiten aufgrund der hohen Zündenergie der wegfliegenden Metallspäne analoge Sicherheitsmaßnahmen zu treffen sind, wie dies bei Schweiß- und Schneidarbeiten gefordert wird.

Anschrift des Verfassers:
Steinbruchs-Berufsgenossenschaft, Theodor-Heuss-Str. 160, 30853 Langenhagen





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