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"Der dritte Mann .... oder ..... gerade nochmal Glück gehabt"!

Zum Thema "Kleine Ursache(n) schwere Folgen" erreichte uns die folgende Schilderung einer wahren Begebenheit. Weil hier die sogenannten "unglücklichen Umstände" besonders deutlich werden, drucken wir den Brief unseres Lesers Michael Korn, Grünenplatzstr., 42899 Remscheid, gerne ab.

Wir meinen, daraus kann man eine ganze Menge lernen:

"Arbeitsunfälle haben viele Ursachen: Mangelnde Vorsicht, eingefahrene Routine und Bequemlichkeit meistens ist es aber die Summe mehrerer Faktoren, die Mitarbeiter gefährden. Und vielfach spielt auch "Pech gehabt" eine Rolle. Noch eine ganze Menge Glück im Unglück hatte der Mitarbeiter einer Brecheranlage für Straßenaufbruch: Während er im Aufgabentrichter des stehenden Brechers lag und die Maschine reinigte, warf ein anderer Mitarbeiter eine Radladerschaufel voller Asphaltschollen in die Aufgabe.

Der Laderfahrer war Vertretung, sollte eigentlich nur die Doseure an der Asphaltmischanlage vollfahren. Doch die Bitte der Kollegen "hilf mal am Brecher" wollte er auch nicht ausschlagen. Während der andere Radladerfahrer mit dem Bagger die dicksten Brocken zerkleinerte, fand er die Gelegenheit günstig; Gesagt, getan nutzte er eine Pause an der Asphaltanlage. Die Schaufel schön voll und ab zum Brecher.

"Der Vorarbeiter krank, der andere Laderfahrer mit dem Bagger beschäftigt wo ist eigentlich der dritte Mann?" dachte sich der Laderfahrer noch, wie er später erzählt. Ein kurzes Stutzen, dann fährt er langsam an den Aufgabetrichter heran. Ein Blick in den Brecher, ein zweiter .... wird wohl mal zur Toilette sein .... Noch während die Schaufel langsam kippt, die dicken Brocken fallen, wächst der "Dritte Mann" plötzlich vor ihm aus dem Brecher heraus. Lautes Geschrei von allen Seiten.

"Ich habe gedacht, daß überlebt der nicht". Der Bechermann hatte im Aufgabetrichter gelegen, die Anlage gereinigt und sich in völliger Sicherheit gewähnt, schließlich wußte sein Kollege, der normalerweise mit ihm im Brecher arbeitet, was er machte.

Er hatte eine Riesenportion Glück: Der Laderfahrer hatte Iangsam gekippt, konnte den Fall der Brocken noch stoppen und entleerte nur einen Teil der Schaufel über seinen Kollegen. Die mehrere hundert Kilo schweren Stollen waren rechts und links und vorne und hinten an ihm vorbeigefallen auf einer Fläche kaum größer als ein Eßtisch und hinterließen nur ein paar Schrammen.

Wie so oft, ereignete sich der Unfall, weil eine Reihe von Faktoren zusammenspielten: Im flachen Aufgabentrichter wäre der Mann selbst knieend nicht zu übersehen gewesen, doch den liegenden Kollegen konnte der Radladerfahrer nicht mehr erkennen. Das eingespielte Team am Brecher kennt jeden Arbeitsablauf, doch ohne Vorarbeiter hatte die Vertretung natürlich auch niemand richtig eingewiesen.

Das Team hat gelernt: "Normalerweise stellen wir immer den Radlader vor dem Aufgabetrichter quer, wenn einer im Brecher ist" und für "normalerweise" gibt es nun auch keine Ausnahmen mehr.





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