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Erneut tödlicher Unfall mit einer Auto-Betonpumpe

Dipl-Ing. W. Starke


Von einem Mitgliedsunternehmen wurden für eine Baufirma Arbeiten mit einer Betonpumpe in der Nähe einer Eisenbahnstrecke ausgeführt. Ausgelöst durch das Berühren einer Hochspannungsleitung mit dem Verteilermast der Pumpe ereignete sich dabei ein folgenschwerer Unfall.


Baustellensituation und Unfallhergang

Durch eine Baufirma wurde an einer befahrenen ICE-Strecke eine Brücke errichtet. Während der Bauarbeiten lief der Zugverkehr über eine Behelfsbrücke weiter. Zum Betonieren der Stützwände für die neue Brücke dienten ca. 5 m hohe Holzschalungen. Zum Unfallzeitpunkt war bereits eine Stützwand errichtet (Abb. 1).


Erneut tödlicher Unfall mit einer Auto-Betonpumpe

An einer Seite der Wandschalung befand sich eine Rüstung. Da sich der oberste Gerüstbelag aber ca. 2 m unterhalb der Schalungsoberkante befand, war dieser als Arbeitspodest für die Betonierarbeiten und die Bedienung der Betonpumpe nicht geeignet. Als Standplatz diente z. T. die Oberkante der Schalung bzw. ein auf die Anschlußbewehrung gelegtes Brett (Abb. 2).

Erneut tödlicher Unfall mit einer Auto-Betonpumpe

Etwa 1,50 m oberhalb der Schalung verlief vor der Behelfsbrücke ein Stahlträger (Abb. 3). Dieser Träger diente dem Pumpenmaschinisten als Standplatz.


Erneut tödlicher Unfall mit einer Auto-Betonpumpe

Erneut tödlicher Unfall mit einer Auto-Betonpumpe

Für den Pumpvorgang hatte man an den am Pumpenmast angebrachten Endschlauch (Länge 4 m, Durchmesser 125 mm) über ein Reduzierstück einen weiteren Endschlauch (Länge 5 m, Durchmesser 100 mm) angebracht. Damit war es möglich, den Endschlauch in die mit Bewehrung versehene Wandschalung zu führen und an die unterhalb der Behelfsbrücke liegenden Betonierbereiche zu gelangen. Durch diese Verlängerung mußte der Mast allerdings wesentlich weiter aufgerichtet werden, um den Endschlauch aus der Schalung zu ziehen. Beim Bewegen des Verteilermastes geriet dieser mit der Spitze an die Versorgungsleitung des Fahrdrahtes (15 KV), der sich ca. 10 m oberhalb der Schalung befand (Abb. 4). Dabei kam es sofort zum Stromfluß über die Maschine und den Endschlauch. Durch den Stromschlag wurde der Bauarbeiter, der den Endschlauch führte, zur Seite geschleudert und stürzte auf den ca. 2 m unterhalb der Schalungsoberkante befindlichen Gerüstbelag, wo er zwar verletzt aber lebend liegenblieb. Der Pumpenmaschinist, der offensichtlich auch Berührung mit dem Endverteilerschlauch gehabt haben muß, stürzte von dem Stahlträger auf die Schalungsoberkante und von hier zur anderen Seite durch die Bewehrungseisen auf den Erdboden (Fallhöhe ca. 5 m). Erwiesenermaßen trat letztendlich durch diesen Sturz der Tod ein.



Hinweise zur Arbeitssicherheit


Vor Beginn von Bauarbeiten sind bei Arbeiten an Anlagen, durch die Personen gefährdet werden können, Sicherheitsmaßnahmen festzulegen und durchzuführen (UVV "Bauarbeiten", 16). Auf diese Forderung, die insbesondere für Arbeiten in der Nähe von Hochspannungsleitungen gilt, wird konkret auch in der Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz auf Baustellen (Baustellen VO) hingewiesen.

In der Nähe von Freileitungen darf nur gearbeitet werden, wenn

-- diese für die Dauer der Arbeiten freigeschaltet sind,

-- ein Berühren der Leitungen durch Abschrankung bzw. Abdeckung verhindert ist

oder

-- zulässige Annäherungen (Sicherheitsabstände) nach VDE 0105 nicht unterschritten werden.

Hierauf wird ständig in Ausarbeitungen zum Betonpumpeneinsatz hingewiesen, z. B. Schriftenreihe der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft "Auto-Betonpumpen - ZH1/653".

Da die visuelle Abschätzung eines Sicherheitsabstandes zu Freileitungen äußerst problematisch ist, insbesondere wenn man schräg nach oben blickt, sollte die Bemessung des Sicherheitsabstandes nach der maximalen Reichweite des Verteilermastes erfolgen (Abb. 5).


Erneut tödlicher Unfall mit einer Auto-Betonpumpe

Ein Einschwenken des Verteilermastes in den Gefährdungsbereich hätte auch durch die Verlegung fester Betonierleitungen an der Wandschalung verhindert werden können.

Die Verlängerung des Endschlauches in der hier praktizierten Weise ist unstatthaft. Werden Endschläuche verlängert, ist nach den Angaben der Pumpenhersteller zu verfahren. So hat z. B. ein Hersteller auf speziellen Zusatzblättern zu den Betriebsanleitungen für Betonpumpen eine detaillierte Vorgehensweise für die Verlängerung von Endschläuchen festgelegt.

Ausgesprochen mangelhaft war die Gestaltung der Arbeitsplätze. Nach 7 der UVV "Bauarbeiten" müssen Arbeitsplätze so eingerichtet und beschaffen sein, daß sie ein sicheres Arbeiten gewährleisten. Nach 12 der vorgenannten UVV müssen Einrichtungen vorhanden sein, die ein Abstürzen von Personen verhindern. Beides wurde für die Betonierarbeiten nicht gewährleistet. Ein Aufenthalt auf der Behelfsbrücke, von wo aus der Pumpvorgang hätte auch gesteuert und beobachtet werden können, war wegen des Zugverkehrs untersagt.

Abschließend ist noch hinzuzufügen, daß der Beitrag dadurch eine zusätzliche traurige Aktualität erhält, daß in jüngster Zeit ein weiterer Tödlicher Arbeitsunfall durch das Berühren einer Hochspannungsleitung mit einer Betonpumpe eingetreten ist.


Anschrift des Verfassers:
Steinbruchs-Berufsgenossenschaft, Theodor-Heuss-Str. 160, 30853 Langenhagen

 

Abb. 1: Brückenbaustelle mit weiterlaufendem Zugverkehr

Abb. 2: Schalungsoberkante und lose auf der Bewehrung liegendes Brett

Abb. 3: Stahlträger vor der Behelfsbrücke, der als Standplatz für den Pumpenmaschinisten diente

Abb. 4: Der Verteilermast der Betonpumpe berührt die Hochspannungsleitung

Abb. 5: Bemessung des Sicherheitsabstandes "S" zu den Freileitungen





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