Auf jeden kommt es an!

Wolfgang Pichl

In dieser Ausgabe veröffentlichen wir einen Brief, den wir jüngst an die Mitgliedsunternehmen der Betonindustrie verschickt haben. Hintergrund sind drei tödliche Arbeitsunfälle, die sich dort innerhalb weniger Tage im August ereigneten.

Auf die Unfallursachen und Schuldfragen möchte ich an dieser Stelle nicht weiter eingehen, da die Untersuchungen und Ermittlungsverfahren noch laufen. Fakt aber ist: Diese schlimmen Unfälle hätten nicht geschehen müssen, wenn die beteiligten Führungskräfte und Mitarbeiter ihrer persönlichen Verantwortung in dem Maß gerecht geworden wären, wie es der gesunde Menschenverstand lehrt.

Für die Führungskräfte bedeutet dies, das Thema Arbeitssicherheit ernst zu nehmen und in seiner Bedeutung gleichzusetzen mit unternehmerischem Handeln auf anderen Gebieten. Wer hierbei erfolgreich agieren will, muss sich ein Ziel setzen und konsequent handeln, um es zu erreichen.

Nichts anderes gilt für den Arbeitsschutz. Und weil wir gerade beim Thema Konsequenz sind: Es überrascht mich immer wieder, wenn Unternehmer und Führungskräfte von ihren Mitarbeitern erwarten, die Produktionsvorgaben eins zu eins zu befolgen – es aber individuellem Ermessen überlassen, wie man sich sicherheitsgerecht zu verhalten hat.

Mein dringender Rat an alle Unternehmer und Führungskräfte: Seien Sie auf diesem Gebiet genauso konsequent und seien Sie Vorbild. Gerade bei diesem Punkt denken Sie immer daran, dass Ihre Mitarbeiter Sie genau beobachten – ob das, was Sie sagen, und wie Sie selbst handeln, im Einklang miteinander stehen. Ist das nicht der Fall, verlieren Sie innerhalb einer Sekunde an Glaubwürdigkeit und Sie haben bei diesem Thema verloren.

Und mein Appell an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: Befolgen Sie – nicht nur, was die Produktionsvorgaben betrifft – die Anweisungen Ihrer Vorgesetzten zu jeder Zeit. Bedenken Sie, dass Erfahrung und Routine auch oftmals das Falsche lehren: Vielleicht haben Sie in der Vergangenheit einfach nur Glück gehabt. Deswegen ist es wichtig, insbesondere vor der Beseitigung von Produktionsstörungen, vor akuten Instandhaltungsarbeiten kurz innezuhalten und die geplanten Arbeitsabläufe noch einmal durchzusprechen. Und ganz wichtig: Manipulieren Sie keine Sicherheitseinrichtungen. Sie dienen Ihrem Schutz. Sollten Sie Manipulationen feststellen, teilen Sie sie sofort Ihrem Vorgesetzten mit und drängen Sie darauf, dass das sofort abgestellt wird.

Erfolgreiche Unternehmen haben eines gemeinsam: Unternehmer, Führungskräfte und Mitarbeiter ziehen an einem Strang – in dieselbe Richtung. Das gilt auch bei Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz. Das Ziel der betrieblichen Bemühungen auf diesem Gebiet lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Jeder, der morgens gesund in seinen Betrieb kommt, soll abends unversehrt und gesund zu seiner Familie zurückkehren.

In den besagten drei Fällen blieb das auf dramatische Weise unerfüllt.

Was mag wohl jetzt in den Köpfen und Herzen der Angehörigen vorgehen?

Herzlichst Ihr

Wolfgang Pichl