Arbeitssicherheit

Sicherer Umgang mit Höchstdruck-Technik

Arbeiten mit 4.000 bar und fast 100°C - Respekt!

Die Anwendungsgebiete für Höchstdruck-Technik sind sehr vielfältig. Doch so vielfältig wie die Einsatzbereiche dieser Technik sind auch ihre Gefahren. Zahlreiche Unfälle jedes Jahr belegen, dass das Thema Sicherheit im Handling solcher Hochleistungsmaschinen immer wieder ins Hintertreffen gerät. Dies darf nicht passieren – zum Schutz von Mensch, Maschine und Arbeitsumfeld.

Wer mit Ultrahochdruck-Technik arbeitet – ganz gleich, ob es sich um ein Modell mit 250 oder 4.000 bar handelt – sollte vor der Inbetriebnahme die Bedienungsanleitung sorgfältig lesen und die darin enthaltenen Hinweise beachten. Darüber hinaus ist es wichtig, dass die Arbeiter körperlich fit sind und regelmäßig geschult werden. In der Arbeitsvorbereitung sollte sichergestellt werden, dass elektrisch betriebene Geräte prinzipiell nur an Spannungsquellen mit Fehlerstromschutzschalter (FI-Schalter) angeschlossen werden. So ist gewährleistet, dass es keine Fehlerströme und damit verbundene Unfälle gibt. Bei Modellen mit Verbrennungsmotor oder Ölbrenner zur Erhitzung des Wassers ist es wichtig, auf eine gute Belüftung zu achten. Wenn in geschlossenen Räumen gearbeitet wird, müssen die Abgase über einen Kamin abgeleitet werden. Um Unfälle Dritter zu vermeiden, ist ein Sicherheitsradius von zehn Metern um den Einsatzort einzurichten. Der Arbeiter sollte hierzu eindeutige Markierungen oder Absperrungen anbringen, die sicherstellen, dass niemand diesen Bereich aus Versehen betreten kann. Muss die Arbeit unterbrochen werden, ist das Gerät auszuschalten und gegen unbeabsichtigte Inbetriebnahme zu sichern.

Betonsanierung, bei der Betonschichten mittels Höchstdruck-Technik abgetragen werden
Die Anwendungsgebiete für Höchstdruck-Technik sind sehr vielfältig – hier ein Beispiel aus der Betonsanierung, bei der Betonschichten mittels Höchstdruck-Technik abgetragen werden.

Der Zustand der Maschine

Vor jedem Einsatz gilt es, sich vom einwandfreien Zustand der verwendeten Ausrüstung zu überzeugen. Auf Schadensfreiheit und Funktionsfähigkeit zu prüfen sind: das Netzkabel, die Düsenlanze und Hochdruckpistole, die Schlauchleitungen sowie Sicherheitssysteme wie Druck- oder Temperaturanzeige. Generell gilt, dass alle Komponenten für den maximalen Betriebsdruck und die maximale Betriebstemperatur ausgelegt sein müssen. Es gibt festgelegte Zeitintervalle, nach denen Schläuche ausgetauscht werden müssen, auch wenn äußerlich keine Schäden erkennbar sind. Daher ist es wichtig, neben dem Zustand auch das Herstellungsdatum der Schläuche zu prüfen. Auch der unversehrte Zustand der sogenannten Fangvorrichtung und ihr Austausch nach Vorschrift sind wichtig. Die Vorrichtung ist eine Hülle aus Drahtgeflecht, die den Hochdruckschlauch an seinem Anschluss fixiert und ihn auch dann festhält, wenn sich der Schlauch aus seiner Einbindung lösen sollte. So wird vermieden, dass dieser durch unkontrollierte Bewegungen Schaden verursacht. Außerdem ist es wichtig, die Schläuche stolperfrei zu verlegen. Sie dürfen auf keinen Fall eingeklemmt, über scharfe Kanten geführt oder von Fahrzeugen überfahren werden. Schlingenbildung, Zug- oder Biegebeanspruchung sind ebenso zu vermeiden wie das versehentliche Aufbringen aggressiver Chemikalien oder Lacke. Wird auf einem Gerüst gearbeitet, ist eine Längenreserve einzukalkulieren, da die Schläuche unter Druck kürzer werden.

Sich selbst und andere schützen

Für den Anwender ist der wichtigste Begleiter beim Einsatz von Ultrahochdruck-Technik die persönliche Schutzausrüstung (PSA). Sie besteht – je nach Einsatzzweck – aus einer wasserdichten Spritzschutzkleidung, die für Arbeiten bis mindestens 2.500 bar zugelassen ist. Sicherheitsstiefel müssen üblicherweise EN ISO 20345-konform sein (Kategorie S5), bei einem Druck über 250 bar ist ein zusätzlicher Mittelfußschutz notwendig. Wasserfeste Sicherheitshandschuhe (EN374 oder EN511) sowie ein Gesichtsschutz (beispielsweise Schutzhelm mit Visier) komplettieren die Ausrüstung. Fällt bei der Reinigung oder dem Abriss von Gebäuden silikogener oder asbesthaltiger Staub an, wird ein Atemschutz der Klasse P2 benötigt. Zum Schutz vor Aerosolen ist eine Atemschutzmaske der Klasse FFP2 vorgeschrieben. Für alle anderen Gefahrstoffe gibt es Filter der entsprechenden Schutzklasse. Ein Industrie-Gehörschutz ist darüber hinaus zwingend notwendig. Beim Arbeiten mit Ultrahochdruck-Technik sollten in der Regel zwei Personen im Einsatz sein. Dabei steht der Maschinist in ständigem Augen- oder Funkkontakt mit dem Anwender, um bei Bedarf per Not-Stopp das Gerät ausschalten zu können. Damit der Hochdruckstrahl nie versehentlich auf Menschen gerichtet wird, ist ein sicherer Stand unerlässlich, der unkontrollierte Bewegungen durch den Rückstoß der Sprühlanze verhindert. Damit eine Rückstoßkraft von 150 Newton (N) bei handgeführten Arbeiten respektive 250 Newton bei Arbeiten mit Körperstütze nicht überschritten wird, müssen Größe und Anzahl der Düsen, die den Wasserdruck erzeugen, entsprechend angepasst sein. Wann welche Rückstoßkraft entsteht, hängt von den Parametern Wasserdruck und Wassermenge in der Minute ab, detaillierte Informationen hierzu finden sich in der Gebrauchsanleitung des Geräts. Ist der Druck höher als 250 N, müssen Roboter oder Manipulatoren eingesetzt werden. Während Roboter vollautomatisch arbeiten, funktionieren Manipulatoren stets über eine Fernbedienung, die der Anwender aktiv steuern muss.

Betonsanierung, bei der Betonschichten mittels Höchstdruck-Technik abgetragen werden
ACHTUNG – so sollte es nicht gemacht werden! Der Arbeiter trägt lediglich einen Wasserschutzanzug, der nicht gegen Höchstdruckeinwirkung schützt, zudem fehlt der Spritzschutz an der Düse. Außerdem steht der Arbeiter auf einem Kabel – Stolpergefahr droht!

Transport, Sicherheitsinspektion, Instandhaltung

Da Ultrahochdruck-Systeme ein erhebliches Gewicht haben können, sind sie beim Transport gegen Umkippen, Wegrollen oder Absturz durch Zurrgurte zu sichern. Wo möglich, ist beim Be- und Entladen der Einsatz einer Hebehilfe sinnvoll. Daher sind einige Geräte mit Krananschlägen zum Anheben ausgerüstet. Um den ordnungsgemäßen Zustand von den Maschinen zu prüfen, müssen sie alle zwölf Monate gemäß BGR500 von dafür autorisiertem Personal auditiert werden. Dabei werden gegebenenfalls notwendige Reparaturen oder der Austausch einzelner Wasserwerkzeuge vorgenommen. In der Zwischenzeit gilt: Vor jedem Einsatz sicherstellen, dass das verwendete Gerät keine sichtbaren Schäden aufweist, so dass unfallfreies Arbeiten möglich ist.

Spritzschutz
Der Spritzschutz in Düsennähe ist eine einfache aber wichtige Schutzvorrichtung: Gelöste und durch die Gegend fliegende Steine und Zementstücke werden so abgefangen // (Foto: Kärcher)
 
Weitere Informationen