Industrienachrichten

EU-Vorschläge zum Emissionshandel nach 2020

Zementindustrie lehnt Flatrate-Reduzierung ab

Die Klimaschutzziele der EU sehen bis 2030 eine Kürzung der Treibhausgasemissionen um mindestens 40 Prozent gegenüber 1990 vor. Die EU-Kommission hat nun ihren Vorschlag für eine Reform des Handels mit Emissions-Zertifikaten nach 2020 vorgestellt.

„Die im Vorschlag der EU-Kommission vorgesehene jährliche, pauschale Reduzierung der für die Zuteilung von CO2-Zertifikaten maßgeblichen Benchmark-Werte ist für die deutsche Zementindustrie nicht tragbar“, sagt Gerhard Hirth, Präsident des Vereins Deutscher Zementwerke e.V. (VDZ). „Wir fordern daher neue Benchmarks für die neue Handelsperiode nach 2020 und eine Zertifikatszuteilung, die den tatsächlichen, aktuellen Stand der Technik berücksichtigt.“

Hintergrund

Industrieanlagen erhalten auf Basis von Benchmarks eine kostenlose Zuteilung von CO2-Zertifikaten. Stößt ein Werk – unter Berücksichtigung der jeweiligen Produktionsmengen – mehr oder weniger CO2 aus, muss es weitere Zertifikate erwerben oder kann einen Teil der Zertifikate weiterverkaufen. Der Vorschlag der EU-Kommission sieht eine pauschale Reduzierung dieser Benchmark-Werte um ein Prozent pro Jahr von 2008 bis 2025 vor. Je nach tatsächlicher Emissionsentwicklung des jeweiligen Industriesektors, soll diese pauschale Reduzierung um +/- 0,5 Prozent angepasst werden. Dies hebelt aus Sicht der Zementindustrie das Benchmark-Prinzip und den tatsächlichen Vergleich mit den effizientesten Anlagen aus. Der VDZ und die deutsche Zementindustrie fordern deshalb eine erneute Ermittlung der Benchmarks für die neue Handelsperiode ab 2020 anstelle der vorgeschlagenen pauschalen CO2-Flatrate-Reduzierung.

Keine Reduzierung möglich

Rund zwei Drittel der CO2-Emissionen der Zementherstellung werden bei der Umwandlung von Kalkstein zu Zementklinker freigesetzt. „Dieses CO2 stammt aus dem Rohmaterial und lässt sich durch bessere Technik oder verminderten Brennstoffeinsatz gar nicht reduzieren“, so Hirth weiter. Träte die von der EU-Kommission vorgeschlagene Flatrate-Reduzierung von einem Prozent pro Jahr in Kraft, blieben für die energiebedingten CO2-Emissionen der Zementhersteller im Jahr 2030 keine der zugeteilten Zertifikate mehr übrig. Eine kostenfreie Zuteilung von CO2-Zertifikaten für nicht minderbare prozessbedingte Emissionen müsse daher in einem überarbeiteten Vorschlag konstant bleiben, so Hirth. Die Forderung der EU zur weiteren Reduzierung der CO2-Emissionen dürfe lediglich den energiebedingten CO2-Ausstoß betreffen.