Industrienachrichten

KfW-ifo-Mittelstandsbarometer mit Herbstprognose

Mittelstand erwartet bessere Geschäfte

Die mittelständischen Unternehmen sehen zuversichtlich dem Herbst entgegen. In die Eurozone ist vorerst wieder Ruhe eingekehrt. Dass die Turbulenzen an den Finanzmärkten die Konjunktur abwürgen könnten, erwartet der Mittelstand nicht.

Das ergibt das aktuelle KfW-ifo-Mittelstandsbarometer. Seit zwei Monaten setzt die Stimmung im Mittelstand den positiven Trend wieder fort, der im Herbst vergangenen Jahres begann. Im August steigt das mittelständische Geschäftsklima um weitere 0,7 Zähler auf 17,9 Saldenpunkte. Besonders die Erwartungen hellen sich weiter auf: Ihre aktuelle Geschäftslage schätzen die Mittelständler mit 26,4 Saldenpunkten leicht positiver ein als im Juli. Damit bestätigen sie die sehr deutliche Verbesserung des Vormonats. Ihre Erwartungen verbessern sich deutlicher, um 1,3 Zähler auf 9,3 Saldenpunkte. Die Mittelständler rechnen also mit einer Fortsetzung des Konjunkturaufschwungs.

Export- und konsumnaher Mittelstand besonders zuversichtlich

Die gute Stimmung zieht sich durch den ganzen Mittelstand. Besonders ausgeprägt ist sie im Einzelhandel, dem die steigende Beschäftigung und die spürbaren Einkommenszuwächse zugutekommen. Kleider- und Schuhgeschäfte konnten sich über einen regen Sommerschlussverkauf freuen. Aber auch in den anderen Hauptwirtschaftsbereichen hat sich das Geschäftsklima seit dem Frühjahr deutlich verbessert: Der Großhandel und das Verarbeitende Gewerbe profitieren von der verbesserten preislichen Wettbewerbsfähigkeit, die im zweiten Quartal den Export in Länder außerhalb der Eurozone angekurbelt hat. Die Halbierung des Ölpreises entlastet Unternehmen und Konsumenten gleichermaßen. Die Verbesserung des Geschäftsklimas im Baugewerbe kommt vor allem vom Wohnungsbau, der von niedrigen Zinsen, steigender Kaufkraft und hoher Zuwanderung profitiert.

KfW-ifo-Geschäftsklima (Diagramm)

Großunternehmen durch internationale Turbulenzen verunsichert

Die Großunternehmen sind mit Blick auf die Zukunft weniger gelassen. Schon im April sind ihre Geschäftserwartungen deutlich abgesackt. Im August verschlechterten sie sich erneut im Vergleich zum Vormonat um 1,7 Zähler auf 3,2 Saldenpunkte. Hier dürften zu Beginn des Befragungszeitraums die Unsicherheit über den Verbleib Griechenlands in der Eurozone und gegen Ende die Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten maßgeblich gewesen sein. Doch die Lageurteile fallen nach wie vor gut aus: Im August bewerteten die Großunternehmen ihre Geschäftslage mit 25,9 Saldenpunkten um einen ganzen Zähler besser als im Juli. Damit schätzen sie ihre Lage auch deutlich positiver ein als noch im März. Das Geschäftsklima insgesamt ging im August leicht zurück, um 0,4 Zähler auf 14,5 Saldenpunkte. Erheblich verschlechtert hat sich seit dem Frühjahr allerdings die Lage der großen Bauunternehmen. Sie sind stärker als ihre mittelständischen Kollegen auf große Bauvorhaben angewiesen. Daher macht ihnen zu schaffen, dass die Bauinvestitionen der Unternehmen und des Staates auf ein alarmierend niedriges Volumen gesunken sind. Die großen Einzelhandelsunternehmen dagegen strotzen wie die mittelständischen vor Optimismus.

„Die kleinen und mittleren Unternehmen bauen auf eine Fortsetzung des Aufschwungs in Deutschland. Auch die Perspektiven für Europa haben sich aufgehellt. Das belebt die Geschäfte des Mittelstands, der vor allem im Inland und grenznah tätig ist“, sagt Dr. Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW Bankengruppe.

Schönwetterfront setzt sich durch

Trotz aller berechtigten Befürchtungen haben sich die Geschäfte in diesem Jahr bislang gut entwickelt. Die konjunkturelle Schönwetterfront hat sich gegen heraufziehende Sturmtiefs durchgesetzt. Das signalisiert das KfW-ifo-Mittelstandsbarometer im August und bestätigt damit die Prognose des realen BIP-Wachstums für Deutschland von 1,8 Prozent in diesem und 2 Prozent im nächsten Jahr. Allerdings ist die Schlechtwetterfront nicht gebannt: Insbesondere ein stärker als erwarteter Konjunktureinbruch in China mit Ansteckungseffekten auf andere Schwellenländer oder auch neue Unwägbarkeiten in Europa, z. B. im Zuge der Neuwahlen in Griechenland, könnten den Export spürbar beeinträchtigen und die Belebung der Investitionen ausbleiben lassen. „Das beeinträchtigt die Wachstumsaussichten der stärker international ausgerichteten Großunternehmen. Übernervöse Finanzmärkte verstärken deren Skepsis“, so Dr. Jörg Zeuner.

KfW-ifo-Klimakomponenten (Diagramm)
 
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