Arbeitssicherheit

International Mines Rescue Body 2015 in Hannover

„It’s the mining world!“

Die internationale Kooperation der Verantwortlichen für Grubenrettung (englischer Kurztitel: IMRB) fand am 8. und 9. September in Hannover ihre Fortsetzung und Weiterentwicklung. Im Schloss Herrenhausen trafen sich mehr als 260 Experten für Grubenrettung und Notfallmanagement aus fünf Kontinenten, um sich über Erkenntnisse und neue Entwicklungen auszutauschen. Die Stimmen der Teilnehmer waren unisono lobend: Deutschland habe eine exzellente Visitenkarte hinterlassen.

Logo IMRB Germany 2015

Grubenretter besetzen eine Nische, deren Funktion überlebenswichtig ist. Und es geht nicht allein um die Sicherheit verschütteter Bergleute, sondern auch der Retter selbst, die in engen Räumen, bei großer Hitze, in Dunkelheit und kritischer Atmosphäre große physische und mentale Leistungen erbringen. Wie gefährlich das sein kann, zeigte 1998 ein Unglück im polnischen Kohlebergwerk Niwka-Modrejow: Dort starben sechs Retter. Dieses Ereignis führte 2000 zu einer Konferenz im polnischen Bytom unweit des Unglücksorts. Neben der Diskussion zu Forschungsergebnissen und Grubenrettungsstrategien erkannten die Experten, dass vermehrte internationale Kooperation erforderlich ist. Ein Jahr später begründete die Konferenz in Ustron-Jaszowiec, Polen, den Auftakt des International Mines Rescue Body (IMRB), der inzwischen mehr als 20 Bergbauländer zu seinen Mitgliedern zählt. Die Verantwortlichen für die Grubenrettung aus mehreren Ländern tauschen sich regelmäßig zur technischen Entwicklung der Ausrüstung, zu Forschungsergebnissen, Strategien und praktischen Erfahrungen aus. Flankiert werden die zweijährlichen Konferenzen von Grubenrettungs-Wettbewerben in den Jahren dazwischen.

Redner und Zuhörer im Auditorium
Mehr als 260 Experten aus allen Kontinenten machten Hannover im September zur Hauptstadt der Grubenrettung. // Armin Plöger

Vorträge und Workshops zu drei aktuellen Themengebieten

Nach Südafrika, Australien, den USA, der Tschechien, China und Kanada war nun Deutschland Gastgeber der IMRB-Konferenz. Am 8. und 9. September trafen sich mehr als 260 Experten für Grubenrettung und Notfallmanagement im hannoverschen Schloss Herrenhausen, um sich über neue Entwicklungen und Erkenntnisse aus Notfallereignissen auszutauschen. Ausrichter waren die BG RCI sowie die Internationale Sektion für Prävention im Bergbau der IVSS mit Unterstützung des Hauptsponsors Dräger. Im Fokus standen Themen wie wirksames Notfallmanagement, Technik, Strategie und Organisation. Weitere Fachvorträge gingen auf wichtige flankierende Aspekte wie den Umgang mit Stress während eines Rettungswerks und posttraumatische Belastungsstörungen ein.

Neben zahlreichen Vorträgen im Auditorium fanden drei parallele Workshops zu den Themen „Mine Rescue Management System and Effective Operations“, „Emergency Preparedness“ und „Future Trends“ statt. Die Anbieter interessanter technischer Lösungen präsentierten in einer begleitenden Ausstellung ihre Produkte und Lösungen. Darunter befand sich auch eine Weltpremiere: das MRV 9000, ein Fahrzeug, das IMRB-Hauptsponsor Dräger gemeinsam mit dem Fahrzeughersteller Paus und der kanadischen Goldcorp entwickelte, um Rettungskräfte über lange Strecken schnell und sicher zum Einsatzort zu bringen und Verletzte zu transportieren.

Ulrich Meesmann
Die erfolgreiche Zusammenarbeit sollte nicht auf zweijährliche Konferenzen begrenzt bleiben, appellierte Ulrich Meesmann, Mitglied der BG RCI-Geschäftsführung und designierter Präsident von ISSA Mining. // Armin Plöger

Fünf Kontinente, ein gemeinsames Ziel: effiziente Rettung

Internationale Keynotes gaben Einblick in sicheren Bergbau und die Vorbereitung auf Notfälle. Peter Schrimpf erläuterte als stellvertretender Vorstandsvorsitzender der RAG, wie sein Unternehmen die Unfälle drastisch durch das „TOM-Modell“ reduzierte – „TOM“ für die Faktoren Technik, Organisation, Mensch. Die RAG ist mit einer 350 Mann starken Grubenwehr inklusive Reservisten für ihre drei verbliebenen Bergwerke auf Notfälle vorbereitet.

Welche Lösungen für sicheren Bergbau Chile fand, Produzent eines Drittels der Weltkupferproduktion, zeigte Roberto Morrison, Vorstandsmitglied der Mutual de Seguridad. Arbeitsschutz im Bergbau bleibt auch in Chile eine wichtige Aufgabe, so Morrison. Zudem steht das Kriseninterventionsteam „ERIC“ bereit und deckt ein breites Spektrum bis zur Betreuung von Angehörigen ab.

Bergbaukatastrophen bestimmen häufig die öffentliche Wahrnehmung, sagte Hannes Struyweg, Director Health and Safety des International Council on Mining & Metals (ICMM). Mit der Methode des „Critical Control Management“ wolle der ICMM insbesondere aus Vorfällen in Hochrisikobereichen lernen und verspreche sich hier wirkungsvollere Erkenntnisse als bei der Betrachtung aller Unfälle mit resultierender Arbeitsunfähigkeit.

Auf großes Interesse stieß Stefan Dräger, dessen Unternehmen Drägerwerk AG aus Lübeck Hauptsponsor der IMRB 2015 war. In der internationalen Grubenrettung sei Dräger eine feste Größe, die sich im nordamerikanischen Raum auch in der Berufsbezeichnung „Dragerman“ wiederfinde.

Neu gegenüber den bisherigen Konferenzen war die Erweiterung um interdisziplinäre Themen – darunter etwa die Erstversorgung und schnelle Rettung von Verletzten und Erkrankten aus Offshore-Windparks, die multinationale Rettungsaktion in der Riesending-Höhle sowie innovative Notfallkonzepte aus dem europäischen Forschungsprojekt „I2 Mine“.

Die parallelen Workshops bündelten Fachvorträge zu den Themen „Mine Rescue Management System and Effective Operations“, „Emergency Preparedness“ und „Future Trends“. Auch dort wurde deutlich: Die Herausforderungen an Grubenretter sind an unterschiedlichen Orten der Welt oft ähnlich bis identisch, was die Relevanz internationaler Kooperationen unterstreicht. Juristisch gestalte sich die Formulierung der Kooperationsbedingungen aber nicht immer einfach, berichteten Teilnehmer aus Ozeanien, Mitteleuropa und Nordamerika. Dennoch: Falls etwas passiert, helfe man sich trotzdem gegenseitig. Die einfache Begründung lieferte Barrie Simoneau aus Kanada: „It’s the mining world!“.

Fahrzeug Dräger MRV 9000
Das Dräger MRV 9000 feierte seine Weltpremiere auf der IMRB. Entstanden ist das Grubenrettungsfahrzeug, mit dem Retter schneller und sicherer zum Einsatzort kommen sollen, in einer Kooperation zwischen Dräger, Goldcorp Inc., und Paus. // Peter Schrandt

Nächste Konferenz in Russland, Wettbewerb in Kanada

Nach Deutschland wird Russland der nächste IMRB-Gastgeber sein. In zwei Jahren trifft sich die Speerspitze der Grubenretter in Moskau, St. Petersburg und im sibirischen Novokuznetsk zur 8. IMRB-Konferenz vom 2. bis 13. September 2017.

Schon vorher kommen die Grubenretter erneut zusammen: Die „International Mines Rescue Competition“ findet 2016 in Kanada statt (siehe www.imrc2016.ca). Für die anvisierten 30 teilnehmenden Teams aus 20 Ländern werden realistische Einsatzszenarien an unterschiedlichen Orten in Kanada angeboten.

Peter Schrandt
BG RCI

Peter Schrimpf
Wie die Unfälle bei der RAG drastisch mit dem TOM-Modell reduziert wurden, erläuterte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende/Vorstand Belegschaft, Peter Schrimpf. // Armin Plöger
 
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