Industrienachrichten

Wegweisendes Top-Event: der XX. Weltkongress für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit in Frankfurt

Bühne frei für die Sicherheit

Eine Welt ohne tödliche oder schwere Arbeitsunfälle ist möglich. Mit dieser Botschaft begann in Frankfurt am Main der XX. Weltkongress für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit – Globales Forum Prävention. Vom 24. bis zum 27. August diskutierten rund 4.000 Arbeitsschutzexperten, Politiker und Wissenschaftler aus über 140 Ländern über Wege, die Arbeit sicher und gesund zu machen. Innovative Produkte dafür präsentierte die parallel stattfindende Messe „Arbeitsschutz Aktuell“.

Veranstaltet wird der Weltkongress alle drei Jahre von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und der Internationalen Vereinigung für Soziale Sicherheit (ISSA) – Gastgeberin war in diesem Jahr die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV). Die 3.980 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus 143 Ländern erlebten in Frankfurt am Main einen innovativen und nachhaltigen Weltkongress, bei dem es ganz um den interaktiven Austausch und lebendige Diskussionen ging. Dies verdeutlichte auch der neue Untertitel, den der größte internationale Kongress im Arbeitsschutz zu seinem 20. Jubiläum erhielt: Globales Forum Prävention. Ziel war es, gemeinsam im Dialog die besten Lösungen für die Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit weltweit zu finden.

Durch die Auftaktveranstaltung führten TV-Moderatorin Claudia Kleinert und Karl-Josef Thielen
Der XX. Weltkongress zündete ein wahres Feuerwerk aus Präsentationen, Symposien und Multimedia-Beiträgen. Durch die Auftaktveranstaltung führten TV-Moderatorin Claudia Kleinert und Karl-Josef Thielen.

Hochrangige nationale und internationale Gäste

An den vier Kongresstagen besuchten hochrangige internationale und nationale Gäste die Veranstaltung, darunter die deutsche Arbeitsministerin Andrea Nahles, der Generalsekretär der Internationalen Arbeitsorganisation ILO Guy Ryder, der Präsident der Internationalen Vereinigung für Soziale Sicherheit ISSA Errol Frank Stoové, die finnische Sozialminis-terin Laura Räty, der Erste Parlamentarische Staatssekretär vom Ministerium für Arbeit in Singapur Hawazi Daipi sowie Xu Shaochuan, der Vize-Minister der Staatlichen Behörde für Arbeitssicherheit aus China. Ihr Kommen zeigte, wie wichtig das Thema Arbeitsschutz mittlerweile für die politische Arbeit geworden ist.

Filmprojektion auf Großbildleinwand

Dokumentationsplattform: Der Weltkongress auf einen Klick

Eine besondere Neuerung des Weltkongresses 2014 ist die umfangreiche technische Aufbereitung und Begleitung: Redakteure und Kameraleute dokumentierten Diskussionen, Ereignisse und Atmosphäre in Echtzeit. Von der Special Media Session über die DUNDUs bei der Eröffnungsfeier bis hin zum neuen Forum for Prevention: Sämtliche Highlights des Weltkongresses 2014 stellt dessen Website unter www.safety2014germany.com auf einer Dokumentationsplattform als Berichte, Fotos und Videos zur Verfügung. Auch eine Fülle von Postern, Vorträgen und Reden sind dort abgelegt und für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Weltkongresses 2014 zugänglich. Darüber hinaus stehen in einer neuen Online-Mediathek alle Einreichungen des Internationalen Media Festivals für Prävention zum Abruf bereit. Damit sind die Inhalte und Ergebnisse eines Weltkongresses für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit erstmals in der Geschichte für die Nachwelt konserviert. In den kommenden Jahren werden dies Präventionsfachleute rund um den Globus konkret nutzen können, um die Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit weiterzuentwickeln.

Preisverleihung auf Bühne
Immer mehr Unternehmen haben begriffen, dass sie ihre Mitarbeiter für die Prävention gewinnen müssen – etwa mit informativ-unterhaltsamen Filmen, Animationen, Websites und anderen Medienproduktionen. Besonders gelungene Best-Practice-Beispiele wurden in einer Multimedia-Session mit Preisen ausgezeichnet.

Recht auf Sicherheit und Gesundheit

Die DGUV legte anlässlich des Weltkongresses die Jahresbilanz der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen für 2013 vor. Demnach ereigneten sich in Deutschland im vergangenen Jahr 874.514 meldepflichtige Arbeitsunfälle; 455 davon endeten tödlich. Die Rate der meldepflichtigen Unfälle je 1.000 Vollarbeiter betrug 22,5. Insgesamt gaben Berufsgenossenschaften und Unfallkassen 9,6 Mrd. Euro für Rehabilitation und Renten aus.

Weltweit verlieren laut ILO jedes Jahr 2,3 Millionen Menschen ihr Leben durch arbeitsbedingte Krankheiten und Arbeitsunfälle. Hinzu kommen rund 860.000 Arbeitsunfälle mit Verletzungsfolgen – jeden Tag. Die direkten und indirekten Folgekosten von Arbeitsunfällen und arbeitsbedingten Erkrankungen schätzt die ILO auf 2,8 Billionen Dollar weltweit. „Diese Zahlen sind nicht hinnehmbar, trotzdem nimmt die Welt die Tragödien kaum wahr, die sich jeden Tag am Arbeitsplatz ereignen. Es bleibt viel zu tun. Schwere Arbeitsunfälle sind vor allem menschliche Tragödien, aber auch Wirtschaft und Gesellschaft zahlen einen hohen Preis dafür“, sagte ILO-Generaldirektor Guy Ryder. „Das Recht auf Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz ist ein grundlegendes Menschenrecht – ein Recht, das auf jedem Niveau der Entwicklung und unter unterschiedlichen wirtschaftlichen Bedingungen zu achten ist.“ Dieses Menschenrecht zu achten, sei eine Pflicht – und eine Voraussetzung für nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung. Prävention sei möglich, notwendig und lohne sich, so Ryder.

Andrea Nahles
Arbeit sicherer und gesünder zu machen, hat auch Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles auf ihre Agenda gesetzt. In ihrer Begrüßungsrede erläuterte sie die Initiativen der Bundesregierung und betonte die Bedeutung internationaler Kooperation und Gremienarbeit.

Nicht weltfremd, sondern machbar

„Investitionen in Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit haben zu bemerkenswerten wirtschaftlichen Fortschritten geführt“, erklärte ISSA-Präsident Errol Frank Stoové. Er wies auf eine ISSA-Studie hin, die zu dem Ergebnis kommt, dass der Erfolg von Investitionen in die Prävention sich im Schnitt auf mehr als das Doppelte der investierten Summe beläuft. „Angesichts dramatischer Veränderungen in der Arbeitswelt geben die Gesundheit und das Wohlbefinden jedoch weiterhin Anlass zur Besorgnis, insbesondere aufgrund psychischer und ergonomischer Belastungen. Wir müssen neue, umfassende Strategien für die Prävention entwickeln, die die Sicherheit, Gesundheit und das Wohlbefinden des Einzelnen miteinander verbinden.“

Eine Welt ohne tödliche Arbeitsunfälle – die Vision Zero – sei keine weltfremde Idee, sondern machbar, sagte Dr. Joachim Breuer. Der Präsident des Weltkongresses 2014, Dr. Walter Eichendorf, fügte hinzu: „Weltweit werden Lösungen für Arbeitsschutzprobleme entwickelt. In unterschiedlichsten Ländern gibt es Best-Practice-Beispiele, sind Maßnahmen erprobt und evaluiert. Der Austausch auf dem Weltkongress verhindert, dass jeder wieder bei Null beginnt.“

OrgaCheck der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie (GDA) als Plakat präsentiert von Dr. Andreas Grimmeiß (BG RCI)
Was klappt, was muss besser werden? Mit dem OrgaCheck der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie (GDA) – hier als Plakat präsentiert von Dr. Andreas Grimmeiß (BG RCI) – können Betriebe ihren Status quo analysieren.
Show auf der Bühne
Auch für Unterhaltung war beim Weltkongress bestens gesorgt.

Hochkarätige Symposien und Vorträge

So stand dann auch das Programm des XX. Weltkongresses im Zeichen des Austauschs und des Teilens von Erfahrungen. In Fachvorträgen und Symposien kamen Fachleute aus aller Welt zu Wort. Das Themenspektrum war dabei breit gefächert. So hatte die Veranstaltung „Vielfalt in der Arbeitswelt“ auf den ersten Blick wenig mit dem Gesundheitsschutz zu tun. Und doch stellten die Referenten, darunter die ehemalige Kandidatin für das Amt der Bundespräsidentin, Gesine Schwan, heraus, dass Vielfalt, Diversity, und der Respekt und die Wertschätzung von Unterschieden sich sehr wohl auf die Sicherheit am Arbeitsplatz auswirken.

„The Sustainable Global Prevention Strategy for the Mining Industry and High-risk Industrial Sectors“ lautete der Titel des international besetzten Symposiums, das sich mit Sicherheitsaspekten im Bergbau auseinandersetzte (siehe auch den ausführlichen Bericht "Die Vision Zero fest im Blick"). Dass sich umfassende Präventionsmaßnahmen für Unternehmen auch wirtschaftlich rentieren, wurde auf dem Symposium „Prävention lohnt sich – Return on Prevention“ deutlich. Hier belegten Ansätze und Beispiele aus aller Welt, dass wirksame Prävention finanziell mehr einbringt als dafür auszugeben ist.

Dr. Annette Icks
Dr. Annette Icks berichtete in einem Symposium über die Präventionsstrategien der Offensive Mittelstand.

Doppelt gut

Parallel zum XX. Weltkongress fand die Messe „Arbeitsschutz aktuell“ statt. Die von der Vereinigung der Fach- und Berufsverbände im Bereich Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit (FASI) organisierte Veranstaltung ist die nationale Kongress- und Messeveranstaltung für Arbeits- und Gesundheitsschutzpraktiker, auf der auch zahlreiche Unternehmen die neuesten Entwicklungen für ein sicheres Arbeiten präsentierten. „Der Kongress widmet sich in diesem Jahr auch den vielen Facetten der Nutzung der Sozialen Netzwerke im Arbeitsschutz. Diskussion und Austausch stehen hierbei klar im Fokus“, so Dr.-Ing. Wolfgang Damberg, Vorstand des Vereins Deutscher Revisionsingenieure (VDRI) und Mitglied im Präsidium der Fachvereinigung Arbeitssicherheit (FASI). Zu den Schlüsselthemen des Kongresses zählten die Vielfalt der Nutzung der Sozialen Netzwerke, ihre Vor- und Nachteile, Fragen unternehmerischer Etikette und des Datenschutzes sowie der Blick in die Zukunft – jeweils mit engem Bezug zum Arbeitsschutz.

Auch die BG RCI war in Frankfurt selbstverständlich präsent. Auf dem Gemeinschaftsstand der Berufsgenossenschaften informierten sich die Besucher über das Präventionsangebot der BG. Großen Raum nahm die Aktion „Denk an mich – Dein Rücken“ ein. An vielen Ständen konnte man sich selbst betätigen und rückenschonende Übungen absolvieren.

Die nächste „Arbeitsschutz aktuell“ findet 2016 in Hamburg statt. Gastgeber für den XXI. Weltkongress wird 2017 Singapur sein.

Stefan Möller, Markus Hofmann
Redaktion STEINE+ERDEN

Mitmach-Stand
Probieren geht über Studieren: Die DGUV präsentierte ihre bundesweit bekannte Kampagne „Denk an mich. Dein Rücken“ auf einem Mitmach-Stand.
Dr. Walter Eichendorf
In der Abschlussveranstaltung ließ Dr. Walter Eichendorf, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der DGUV, den gelungenen Weltkongress noch einmal Revue passieren und dankte auch den Vertretern der Berufsgenossenschaften, darunter Helmut Ehnes, Leiter Prävention der BG RCI (in der Einblendung links, Mitte).

// Alle Fotos dieses Beitrags: BG RCI

 
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