Arbeitssicherheit

Symposium zur globalen Strategie für mehr Sicherheit im Bergbau

Die Vision Zero fest im Blick

Im Rahmen des XX. Weltkongresses für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit widmete sich ein international besetztes Symposium der Frage, welche Strategien für besseren Arbeitsschutz im Bergbau angewandt werden können.

Unter dem Titel „The Sustainable Global Prevention Strategy for the Mining Indus-try and High-risk Industrial Sectors “ informierten Experten über verschiedene Ansätze, um dem gemeinsamen Ziel, die Zahl der schweren und tödlichen Arbeitsunfälle auf null zu senken, näherzukommen. Geleitet wurde die Veranstaltung von Helmut Ehnes, Generalsekretär der Sektion Bergbau der International Social Security Association Mining, ISSA. In seinem Einführungsvortrag stellte Ehnes den rund 130 Branchenvertretern die Ziele und Zukunftspläne der ISSA Mining vor. Zu Beginn unterstrich er die Bedeutung des Bergbaus und die Unverzichtbarkeit für die Weltwirtschaft. Aus diesem Grund ist es unabdingbar, alle Kraftanstrengungen zu unternehmen, um die Arbeit in diesem Bereich sicherer zu gestalten. Dafür hat die ISSA seit 2012 unter dem Titel „Safety 7.0“ einen Maßnahmenkatalog entwickelt, der sieben Goldene Regeln enthält, mit denen man der Vision Zero näherkommen kann. Die Investition in Arbeitssicherheit zahlt sich für Unternehmen auch wirtschaftlich aus. Helmut Ehnes wies auf Untersuchungen hin, die belegen, dass jeder in Arbeitsschutzmaßnahmen investierte Dollar 2,20 Dollar einbringt.

Helmut Ehnes
Helmut Ehnes führte durch das Symposium.

Gefahrenpotenzial erkennen

Filip Coumans von BST Solutions stellte die Notwendigkeit heraus, Arbeitsunfälle genauer auf ihr Gefahrenpotenzial zu untersuchen. Weltweit ist die absolute Zahl der Arbeitsunfälle rückläufig. Die Anzahl der schweren oder tödlichen Unfälle sinkt hingegen weniger stark. Eine der Ursachen liegt darin, dass oftmals nicht erkannt wird, wann ein kleinerer Unfall das Potenzial besaß, zu einem schweren Unfall zu werden. Als Beispiel führte er zwei Vorfälle an, die jeweils mit einem verstauchten Knöchel endeten. In einem Fall war die Ursache ein Ausrutschen auf ebener Fläche, im anderen ein Ausrutschen auf einer hohen Arbeitsmaschine, bei dem der Arbeiter gerade so noch einen Absturz verhindern konnte. Die Statistik führt oftmals beide als leichte Unfälle. Schwere und tödliche Unfälle kommen nur selten vor. Aus diesem Grund ist es entscheidend, so Coumans, Unfälle genauer als bisher zu analysieren und vorbeugende Maßnahmen nicht ausschließlich anhand der tatsächlichen schweren Unfälle zu entwickeln. Er rief zu einem Paradigmenwechsel auf, Sicherheit im Bergbau soll neu gedacht werden.

Filip Coumans
Filip Coumans zeigte Ansätze, um Arbeitsunfälle besser zu klassifizieren.

Prävention zeigt Erfolge

Fatma Nur Başayar berichtete in ihrem Beitrag über die Anstrengungen der türkischen Regierung, mit dem Projekt IGIP branchenübergreifend sicherere Arbeitsbedingungen durchzusetzen. In einer ersten Phase wurden seit 2010 in einigen Bereichen, darunter Bergbau, OSH-Management-Systeme in ausgesuchten Unternehmen eingeführt. Zuerst bildete man mit Experten Best-Practice-Zentren. Die entwickelten Maßnahmen wurden in den Unternehmen eingeführt und das dortige Personal entsprechend geschult. Die Analyse der Ergebnisse verbessert Schwachstellen. Nach Abschluss der ersten Phase wurde das System in einem nächsten Schritt auf weitere Branchen und Unternehmen ausgeweitet. Im Zuge dessen führte man auch die OSH-Trainings intensiv weiter. Bisherige Auswertungen zeigen, dass dieser Weg erfolgreich ist. Ebenfalls aus der Türkei angereist war Ibrahim Buzkan, der anhand einer Beispielregion die schwierigen geologischen Bedingungen beschrieb, unter denen Kohleunternehmen arbeiten. Umso wichtiger sei es, permanent in die betriebliche Schulung zu investieren, um OSH-Systeme wirkungsvoll einzusetzen.

Fatma Nur Başayar
Fatma Nur Başayar berichtete über die Anstrengungen der türkischen Regierung für besseren Arbeitsschutz.

Auch in Südafrika starteten umfangreiche Maßnahmen, um die Zahl der Unfälle zu senken. Leigh McMaster stellte einen Katalog vor, der elf Punkte enthält, mit denen mehr Sicherheit erreicht wird. Neben technischen Faktoren setzte man dabei auch weichere Schwerpunkte. So ist das Ausschalten von Rassismus ein Baustein für eine sicherere Arbeitswelt. 2013 erreichte Südafrika einen ersten Meilenstein, erstmals starben weniger als 100 Beschäftige in der Bergbauindustrie durch Arbeitsunfälle.

Mit dem vermutlich gefährlichsten Job der Welt, nämlich dem der Rettungskräfte im Bergbau, beschäftigte sich der Vortrag von Alex Gryska aus Kanada. Durch die Gründung des International Mines Rescue Body im Jahr 1998 wurde eine Organisation ins Leben gerufen, deren Aufgabe es ist, Wissen zu bündeln, um dadurch die Arbeit der Rettungskräfte sicherer zu machen. Mittlerweile sind 22 Nationen Mitglied; im Austausch von Vorgehensweisen, Technologien und Ausbildungsmethoden sieht Gryska einen Katalysator, der für mehr Sicherheit im gesamten Bergbau Vorbild ist.

Besucher
Fachleute aus aller Welt besuchten das Symposium.

Hersteller in der Pflicht

Dass auch die Hersteller von Erdbaumaschinen ihren Beitrag zur Vermeidung von schweren Unfällen leisten müssen, stellte Martin Isles heraus. Mit drastischen Beispielen erläuterte er, dass etwa fehlende Rundumkameras zu tödlichen Unfällen führen, weil Hersteller auf den serienmäßigen Einbau verzichten. Unter dem Motto „safer by design“ will die Mineral Products Association erreichen, dass im Dialog zwischen Anwendern und Herstellern Sicherheitsaspekte bei der Konstruktion schwerer Maschinen stärker in den Vordergrund rücken.

Dass die Vision Zero erreichbar ist, bewies Dieter Mantwill, Leiter Arbeits-, Gesundheits- und Umweltschutz von RAG Mining Solutions. Durch permanente Anstrengungen und fortlaufende Verbesserung der Arbeitsschutzmaßnahmen ist es gelungen, die Zahl der tödlichen Unfälle in der deutschen Steinkohleindustrie von mehreren Hundert noch vor 50 Jahren auf bisher null im Jahr 2014 zu senken. Eine erfreuliche Entwicklung, die, so ergänzte Helmut Ehnes abschließend, auch in Ländern wie Chile oder Kanada zu finden ist. Schlussendlich sei es nicht so entscheidend, in wie viele Module man Arbeitsschutzmaßnahmen teilt, entscheidend sei, dass sie Wirkung zeigen.

Stefan Möller
Redaktion STEINE+ERDEN

Dieter Mantwill
Dieter Mantwill zeigte, dass die Vision Zero erreichbar ist.
 
Weitere Informationen

Ausführliche Informationen zur Strategie „Safety 7.0“ finden Sie im Steine+Erden-Sonderheft zum XX: Weltkongress oder im Internet unter http://tinyurl.com/ISSA-Vision-Zero.