Unternehmensführung

Demografischer Wandel: ein Thema der Offensive Mittelstand

Alle mitnehmen – auch die Älteren

Etwa 96 Prozent der deutschen Unternehmen sind klein- und mittelständisch. Diese KMU schaffen ca. 52 Prozent der Wertschöpfung, und nahezu 80 Prozent der Beschäftigten sind in KMU tätig. Diese sind bereits heute erheblich durch den demografischen Wandel gefordert. Und im Vergleich zu Großunternehmen können KMU nur auf einen sehr begrenzten Mitarbeiterpool zurückgreifen, um die Herausforderungen des demografischen Wandels anzugehen.

Der Erforschung neuer Modelle, Strategien und Instrumente um die Innovationskraft der KMU vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und diese in den KMU einzusetzen, ist der Ansatz, den das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) verfolgt. Mit seiner Förderung von Forschungs- und Entwicklungs- (F&E) Verbundprojekten, bestehend aus Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Verbänden, bietet das BMBF hier gezielte Unterstützung an. Neben dem Erhalt der Innovationsfähigkeit ist die Gewinnung und Bindung von Fachkräften im demografischen Wandel von großer Bedeutung. Wie können gute Ideen entwickelt werden, auch wenn es immer schwerer wird, Fachkräfte zu bekommen und zu binden? Die Aufgabe, gute Auszubildende sowie Fachkräfte zu finden und dauerhaft an das Unternehmen zu binden, hat fast alle kleinen Unternehmen heute bereits erreicht. Wie dies geschehen kann, zeigen die 27 Verbundprojekte des F&E Förderschwerpunkts „Innovationsfähigkeit im demografischen Wandel“, in denen über 80 Unternehmen, wissenschaftliche Institute, Verbände und weitere Einrichtungen zusammenarbeiten.

Neue Modelle, um weiter innovativ zu bleiben

In diesen Projekten wurden und werden Modelle, Strategien und Instrumente entwickelt, wie Unternehmen - und insbesondere KMU - ihre Innovationsfähigkeit unter den Bedingungen des demografischen Wandels erhalten und ausbauen. Mit dem Thema „KMU: Verlierer oder Gewinner im demografischen Wandel?“ stand auf dem Hauptstadtkongress der „Offensive Mittelstand – Gut für Deutschland“ eine Frage im Mittelpunkt, die unsere Gesellschaft seit Jahren bewegt. Die vielen Aktivitäten, die von den Bundes- und Landesministerien, aber auch von vielen Stiftungen und anderen Einrichtungen gefördert und unterstützt wurden und werden, haben alle ein gemeinsames Ziel: die Chancen, die der demografische Wandel für die Unternehmen und die ganze Gesellschaft bietet, zu erkennen und sie so zu nutzen, dass die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft gestärkt und die Arbeitsbedingungen den Anforderungen an gute Arbeit und den sich wandelnden Bedürfnissen der Beschäftigten Rechnung tragen. Zusätzlich zu den bisher aufgezeigten Herausforderungen haben wir es mit einer weiter zunehmenden Beschleunigung des technologischen Wandels und der Digitalisierung in der Arbeitswelt zu tun.

Neue Kommunikation und Verknüpfung

Um die sich ändernden Rahmenbedingungen gestalten und entsprechend handeln zu können, hat das BMBF gemeinsam mit Betriebspraktikern und Wissenschaftlern das Zukunftsprojekt Industrie 4.0 entwickelt. Dieses Konzept geht davon aus, dass es zu einer ganz neuen Art von Kommunikation und digitalen Verknüpfung oder besser Interaktion zwischen Menschen, Maschinen und anderen Dingen über digitale Schnittstellen kommt und auch kommen muss, um die Innovationskraft weiter zu stärken. Die Prozesse der Industrie 4.0 werden die Betriebe vor große Herausforderungen stellen, die nur dann bewältigt werden können, wenn die Betriebe ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Beginn an auf diesem Weg mitnehmen. Nur die Unternehmen, die diese Entwicklungen offensiv aufgreifen, werden Wettbewerbsvorteile erzielen können. Wenn also KMU rechtzeitig und richtig agieren, können sie die Chancen, die Industrie 4.0 bietet, auch wirklich nutzen. Voraussichtlich Ende dieses Jahres wird das BMBF eine Förderbekanntmachung „Arbeiten in einer digitalisierten Welt“ veröffentlichen. Die daraus entstehenden F&E Verbundprojekte und deren Ergebnisse unterstützen die KMU bei der Transformation zur Industrie 4.0.

Ergonomie im Blickpunkt

Die Digitalisierung, aber auch die Globalisierung und Technisierung der Arbeitswelt und der demografische Wandel werden für das BMBF auch in den nächsten Jahren wichtige Themen sein. Denn eine zunehmend dynamischer werdende Arbeitswelt und das Erfordernis einer neuen Balance von Arbeit und Privatleben machen auch veränderte Anforderungen an die Kompetenzentwicklung und den präventiven Arbeits- und Gesundheitsschutz notwendig. Eine neue Herausforderung für den Erhalt und die Sicherung der Arbeitsfähigkeit in diesem Zusammenhang sind die Anforderungen an eine optimierte Ergonomie insbesondere im Hinblick auf die kommenden virtuellen Arbeitswelten. Psychischen Beanspruchungen aufgrund multimedialer Reizüberflutung wird präventiv vorzubeugen sein. Dazu hat das BMBF eine neue Förderbekanntmachung mit dem Titel „Präventive Maßnahmen für die sichere und gesunde Arbeit von morgen“ veröffentlicht, zu der noch bis zum 1. Dezember 2014 Skizzen eingereicht werden können. Im Sinne einer erfolgreichen nachhaltigen Forschungsförderung legt das BMBF großen Wert darauf, dass die Forschungsergebnisse in der Praxis ankommen und über das Ende der Förderung der einzelnen Projekte hinaus genutzt werden. Daher ist es besonders zu begrüßen, dass auf dem Hauptstadtkongress sichtbar wurde, dass die Ergebnisse der vom BMBF geförderten Projekte auch von der „Initiative Neue Qualität der Arbeit“ und der „Offensive Mittelstand“ wahrgenommen und genutzt werden. Wichtig ist auch die aktive Rolle des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, der für die vielen hunderttausend kleineren Betriebe steht, in denen reale Werte geschaffen und ein großer Teil der Arbeitsplätze in Deutschland gesichert werden und in denen viele gute neue Ideen, Produkte und Dienstleistungen entstehen. Die bestehenden Transferstrukturen mit regionalen Netzwerken und den großen intermediären Organisationen sind eine hervorragende Möglichkeit für die Projekte, damit ihre Ergebnisse nachhaltig in die Betriebe gelangen. Auf dem Hauptstadtkongress wurden viele gute Beispiele für eine erfolgreiche Zusammenarbeit vorgestellt. In diesem Sinne war er auch ein Aufbruch in eine zukünftig engere Zusammenarbeit, von der alle nur profitieren können.

Rudolf Leisen
Bundesministerium für Bildung und Forschung

Neun Personen mit Helm im Kreis, von oben gezeigt
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