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Stippvisite auf der CeMAT 2014 in Hannover

Custom-made statt Schema F

Intralogistik und Automatisierung, die Hauptthemen der CeMAT in Hannover, streifen unsere Branchen eigentlich nur am Rande. Dennoch begegneten uns auf der internationalen Fachmesse bekannte Unternehmen, deren Produkte sich seit vielen Jahren auch in der Baustoff-Industrie bewähren. Wie sind sie im Geschäft, was gibt es Neues? Das fragten wir stellvertretend die Gurtförderer-Experten von Beumer, den Hebezeug-Hersteller Kuli und den Staplersitz-Entwickler Grammer.

Horst Vesper
Steigender Bedarf an Systemlösungen: Horst Vesper, Verkaufsleiter Inland bei KULI Hebezeuge, schaut optimistisch in die Zukunft.

Ein Schuhkarton flitzt vorbei, gefolgt von einem eingetüteten Poloshirt, einem Lego-Eimer und einer Palette Getränkedosen. Beumer hat auf seinem Stand ein High-Tech-Karussell errichtet, das die Blicke auf sich zieht: ein weitgehend automatisch arbeitendes Transportband aus Aluminium-Segmenten für Warensortierung und -versand. Die intelligente Steuerelektronik sorgt dafür, dass jedes Teil auf die richtige Bahn gelangt; leichtes Gewicht ermöglicht flottes Tempo und spart zugleich Energie. Letzteres kann man übrigens noch toppen, wenn man das Band mit dem optional erhältlichen neuen Motor bestellt. Laut Beumer arbeitet er viermal energieeffizienter als der klassische Antrieb.

Die Wahlmöglichkeit sei ganz typisch für die Entwicklung der letzten zwei Jahre, so Firmensprecherin Regina Schnathmann: Beumer habe sich auf den Wunsch von immer mehr Kunden nach einer individuellen Systemlösung eingestellt. Und das war goldrichtig, denn die Beumer-Gruppe ist gut im Geschäft. Vor allem die steigende Zahl von Webshops lässt den Bedarf an intelligenter Intralogistik anwachsen.

Der Custom-made-Trend ist auch im Schüttgut-Transport zu spüren, wo Beumer mit seinen Gurtförderern seit vielen Jahren einen Spitzenplatz belegt. Revolutionäre Neuerungen gibt es bei diesen Anlagen zwar nicht, aber immerhin können die Kunden nun zwischen klassischen und energieeffizienteren Antrieben wählen – „das Thema Strom sparen wird überall wichtiger“, sagt Schnathmann. Damit der Kunde auch Zeit- und Planungsaufwand reduzieren kann, präsentiert sich Beumer als Komplettanbieter, der die Hardware für ganze Produktionsketten liefert – etwa neu entwickelte automatische Abfüllanlagen, die den Schüttgut-Förderern nachgeschaltet werden können.

Messestand
Leichtbau und neue Motoren: Beumer-Kunden können ihre Förderanlagen wahlweise mit energieeffizienten Antrieben ausstatten lassen. Das gilt im Warentransport ebenso wie für die Schüttgutförderer, die auf der CeMAT freilich außen vor blieben.

Gute Kunden am Haken

Als „Systemlöser“ versteht sich mittlerweile auch die Helmut Kempkes GmbH. Deren Produkte, Hebezeuge Marke KULI, sind in Steinbrüchen und im Betonfertigteilebau vielfach im Einsatz. „Die Kunden denken immer mehr in ganzen Prozessen“, berichtet Verkaufsleiter Horst Vesper. „Es geht heute nicht mehr darum, eine Maschine zu kaufen, die dieses oder jenes kann, sondern darum, was eine Maschine können muss, um dem gesamten Herstellungsprozess zu dienen.“ Ein Nachhaltigkeitsgedanke also, auf den sich Kempkes eingestellt hat. So kommt der Forschung und Entwicklung eine wichtigere Rolle zu als früher – da ist es bei Kempkes wie bei Beumer. Damit die Wege kurz und Reibungsverluste ausgeschaltet werden, macht Kempkes alles von A bis Z selbst, und zwar in Deutschland. Outsourcing in Billiglohnländer kommt nicht in Frage. „Eine Geschäftsbeziehung zu einem Kunden basiert auf einem Qualitätsversprechen“, sagt Vesper. „Damit wir es halten können, bleibt alles in unserer Hand.“ Am Firmensitz in Remscheid entwickelt Kempkes seine Produkte beständig weiter; wirklich Neues kommt nur selten hinzu. So geht es für Kempkes bei der CeMAT vor allem darum, „Präsenz zu zeigen“, sagt Vesper.

Staplersitz
Macht jede Drehbewegung des Fahrers mit: Grammers neuer Staplersitz mit adaptiver Rückenunterstützung „Dualmotion“.

Bequemer stapeln

Beim Sitz-Spezialisten Grammer hingegen gibt es sehr wohl einige Innovationen zu sehen. Sogar echte Erlkönige sind dabei, die das Licht des Marktes erst noch erblicken werden. Besonders stolz ist man im bayerischen Amberg auf eine Neuentwicklung namens „Dualmotion“. Marketing-Leiter Michael Gissibl lädt ein, auf einem Staplersitz mit dieser adaptiven Rü-ckenunterstützung Platz zu nehmen. Und die Wirkung ist in der Tat verblüffend: Indem der Staplerfahrer sich zum Rückwärtsfahren nach hinten wendet – eine Position, in der er fast 50 Prozent seiner Cockpit-Zeit verbringt  –, schwenkt der obere separate Teil der Rückenlehne mit herum. Das erleichtert das Rangieren enorm, erweitert den Blickradius und bewahrt den Fahrer vor Verspannungen.

Eine weitere Novität ist die Multifunktionsarmlehne. Es ist ein bisschen so wie der Kommandosessel von Captain Kirk auf der Enterprise: In der rechten Armlehne befindet sich ein Tastenfeld, mit dem der Fahrer wichtige Funktionen seines Staplers und des Sitzes steuern kann, ohne sich zu verrenken oder das Lenkrad zu verreißen.

Die neu präsentierten Sitze verfügen über Grammer-typische Features wie Einstellung der Federung aufs Fahrergewicht sowie auf individuelle Vorlieben und Bedürfnisse. Eine weitere beachtenswerte Neuentwicklung wirkt beim Sitz-Flaggschiff „Primo Evolution“ im Verborgenen: Seine Lordosenstütze im unteren Rückenbereich ist mittels Luftdruck einstellbar.

Markus Hofmann
Redaktion STEINE+ERDEN

STEINE + ERDEN / Markus Hofmann (4)

Staplersitz
In nächster Nähe: Mit der Multifunktionsarmlehne kann der Staplerfahrer wichtige Funktionen steuern, ohne sich verrenken zu müssen. Auch die elektrischen und elektronischen Sitz-Komponenten fertigt Grammer mittlerweile selbst.
 
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