Arbeitssicherheit

Besuch der UEPG-Delegierten im „Rudus Safety Park“ in Espoo Finnland

Die auf Granitfelsen gebaute Stadt Helsinki bot am 6. und 7. Juni 2013 den angemessenen Tagungsort für die diesjährige Delegiertenversammlung des Europäischen Gesteinsverbandes UEPG. Unter dem Vorsitz von Arnaud Colson und mit dem finnischen INFRA als Gastgeber wurde auch in diesem Jahr ein dichtes Programm von Veranstaltungen und Sitzungen geboten. Ein zentrales Thema der Delegiertenversammlung war die schwierige Situation der Branche in einer Reihe von Ländern wie Irland, Zypern, Griechenland und vor allem Spanien.

Die UEPG beabsichtigt eine sektorübergreifende strategische Analyse vorzunehmen und dabei die wichtigsten Herausforderungen für die Zukunft der Branche zu adressieren.

In alter Tradition findet am Vortag der Sitzung immer ein Rahmenprogramm mit Branchenbezug statt. Auch in diesem Jahr folgten fast alle Teilnehmer einer Einladung der Firma Rudus, einen Granit-Steinbruch in Espoo, in unmittelbarer Nähe zur finnischen Hauptstadt Helsinki, zu besuchen.

Granitsteinbruch in Espoo, Finnland
Granitsteinbruch in Espoo, Finnland

Auf einem abgetrennten Gelände am Rande des Steinbruchs bekamen die Besucher zunächst die Gelegenheit den „Rudus Safety Park“ ausführlich kennen zu lernen. Für Arnaud Colson stellt Sicherheit und Gesundheitsschutz schließlich eine der prioritären Aufgaben seiner Amtszeit als Präsident der UEPG dar, sodass der Besuch in einem „Sicherheitspark“ nur konsequent war. Eine Sicherheitsunterweisung – begleitet von einer Präsentation der unternehmenseigenen Erfolge im Arbeitsschutz – ging der Führung durch das weitläufige Trainings- und Schulungsgelände voraus, denn insbesondere ortsunkundige Besucher unterliegen in einem Steinbruch immer besonderen Gefährdungen.

Das Ziel des „Safety Parks“ ist es, insbesondere neuen Mitarbeitern der Firma Rudus, vor Aufnahme jeglicher Tätigkeit im Unternehmen, die Folgen unbedachter Handlungen in gefahrträchtiger Umgebung so anschaulich wie möglich vor Augen zu führen. So durchläuft der „Schüler“ systematisch eine bestimmte Anzahl von Stationen mit nachgestellten unternehmenstypischen Arbeitssituationen. Ausgemusterte Maschinen, von der Betonpumpe bis hin zu einer raupenmobilen Prallbrecheranlage, sorgen für eine möglichst realitätsnahe Darstellung.

Tunnelblick: Dass hier eine Tunnelbaustelle nur simuliert wird, sieht man erst auf den zweiten Blick.
Tunnelblick: Dass hier eine Tunnelbaustelle nur simuliert wird, sieht man erst auf den zweiten Blick.

Da die Firma Rudus nicht nur mineralische Rohstoffe gewinnt, sondern auch als Bauunternehmen tätig ist, kommt auch das Thema Sicherheit auf Baustellen nicht zu kurz.

An jeder Station des „Safety Parks“ ist ein schwerer Arbeitsunfall nachgestellt, indem ein Dummy in blauem Overall die Position der verletzt aufgefundenen Person einnimmt. Puppen in gelben Overalls zeigen hingegen das richtige Verhalten. Wenn zum Beispiel an einer Station der Dummy von der Teilnehmergruppe mit Bewehrungsstahl durchbohrt aufgefunden wird, ist es durchaus beabsichtigt, Emotionen auszulösen. Jeder Teilnehmer ist so gezwungen, sich in die Situation des Verunfallten hinein und mit der Situation auseinander zu setzen.

Bei der anschließenden Diskussion der Maßnahmen zur Verhinderung eines solchen Unfalls ist von trockener Schulungsraumatmosphäre nichts zu spüren.

Simulation einer Verletzung vor Bewehrungsstahl
Bewehrungsstahl soll den Beton verstärken, den Beschäftigten kann er schwächen.

Natürlich kann angesichts immer komplexer werdender Arbeitsprozesse eine solche praxisnahe Arbeitsschutzunterweisung nur eine Ergänzung des theoretischen Unterrichts sein. Auch können nur Schwerpunkte gesetzt werden. Daher ist das Hauptziel des „Safety Parks“ in der Bewusstseinsbildung für die Notwendigkeit und Pflicht zu sicherem Arbeiten zu sehen. Spezielle Stationen gehen auch auf das ergonomische Arbeiten ein, indem z. B. ganz praktisch die Hebelgesetze erfahren werden können, ergänzt durch Anleitungen zum sicheren Heben von Lasten. Der Rücken der Rudus-Mitarbeiter wird es danken.

Die Firma Rudus betreibt den „Safety Park“ auf ihrem Gelände zusammen mit Partnerunternehmen und wird zudem von Sponsoren unterstützt. Inzwischen ist der „Safety Park“ so erfolgreich, dass auch viele weitere Firmen die Gelegenheit zu einer mindestens eintägigen Schulung nutzen, so dass im Jahr 2011 mehr als 5.000 Personen den Parcours durchliefen. Inzwischen nutzen sogar Rettungshundestaffeln das Gelände zu Übungszwecken.

Unordentlicher Arbeitsplatz im Freien
„Ohne Ordnung keine Sicherheit“ ist das Lernziel dieser Station im Safety Parcours.

Da bei der Darstellung der Unfallsituationen glücklicherweise auf Filmblut verzichtet wurde, schmeckte den UEPG- Delegierten auch das original finnische Mittagessen, ein Gemüseeintopf, serviert mit finnischem Roggenbrot vor sonnig warmer Steinbruchskulisse. Die Firmen Metso und Caterpillar beteiligten sich hier gleichermaßen als Sponsor. Solchermaßen landestypisch verköstigt folgten die Delegierten gerne einer weiteren Einladung der Sponsoren in den benachbarten Steinbruch, um eine aktuelle Demonstration der Leistungsfähigkeit ihrer Technik zu erfahren.

Die Firma Metso stellte jeweils eine raupenmobile Sieb- und Brecheranlage im Einsatz vor, die Beschickung erfolgte durch einen Mobilbagger und einen Radlader neuester Bauart der Firma Caterpillar.

Jost-Peter Sonnenberg, BG RCI

Prallbrecher
Kein Marmorstein und kein Eisen wird hier gebrochen, beides im Prinzip auch kein Problem für einen Prallbrecher, vielmehr geht es um Granit!