Arbeitssicherheit

Sicherheitsbeauftragte – Ein Gewinn fürs Unternehmen

Das Bild des Sicherheitsbeauftragten ist durch den Kollegen unter Kollegen geprägt, der vor Ort auf sicheres Handeln hinwirkt und hilft, Unfälle zu vermeiden. Wann wirkt er aber besonders gut und was macht ihn zum Erfolgsmodell und damit zum Gewinn fürs Unternehmen?

Im vergangenem Jahr fand eine Fachveranstaltung zum Thema „Sicherheitsbeauftragte“ in der DGUV-Akademie Dresden statt. 120 Teilnehmer aus den unterschiedlichsten Branchen der deutschen Wirtschaft befassten sich mit den Chancen und Möglichkeiten der Sicherheitsbeauftragten, positive Akzente in den Betrieben zu setzen.

Die betriebliche Wirklichkeit zeigt, dass keine allgemeingültigen Lösungen für den effektiven Einsatz der Sicherheitsbeauftragten über alle Branchen und Betriebsstrukturen vorhanden sind. Grund hierfür ist, dass es nicht „den“ Sicherheitsbeauftragten gibt. Gemeinsam haben die circa 610.000 Sicherheitsbeauftragten in Deutschland aber ihre Präsenz vor Ort, die unmittelbare Einbindung in ihre Arbeitsbereiche und Arbeitsabläufe sowie meist die fachliche Nähe zu den Kollegen. Dabei zeigt sich, dass eine erfolgreiche Präventionsarbeit der Sicherheitsbeauftragten nicht zuerst von deren Anzahl, sondern vielmehr von der Auswahl, Bestellung, Schulung, Fort- beziehungsweise Weiterbildung und der geeigneten Einbindung in die betriebliche Organisation abhängt.

Welchen Aufwand bedeutet es aber für ein Unternehmen, Sicherheitsbeauftragte zu bestellen? Wie kann der Aufwand sinnvoll minimiert werden? Welche Vorteile und welchen Gewinn können die Sicherheitsbeauftragten den Unternehmen bringen? Überwiegen die Vorteile den notwendigen Aufwand? Diese Fragen werden in den Betrieben zunehmend diskutiert.

Wirksamer Transfer im Arbeitsschutz

Positive Antworten im Sinne von „Sicherheitsbeauftragte – ein Gewinn fürs Unternehmen!“ sind nur zu erzielen, wenn durch die räumliche, zeitliche und fachliche Nähe der Sicherheitsbeauftragten zu den Beschäftigten ein Arbeitsschutztransfer in Gang gesetzt werden kann. Dieser Arbeitsschutztransfer muss in zwei Richtungen wirken:

Gelingt dieser Transfer in den Unternehmen, so wird der Sicherheitsbeauftragte als Erfolgsmodell für einen störungsfreieren Betrieb und letztendlich auch für eine Minimierung der Unfallzahlen sorgen.

Risiken beim Einsatz der Sicherheitsbeauftragten

Während der Tagung wurde mit den anwesenden Führungskräften, Betriebsräten, Fachkräften für Arbeitssicherheit, externen Dienstleistern und Sicherheitsbeauftragten intensiv diskutiert, wie die Sicherheitsbeauftragten im Ergebnis ihrer Tätigkeit zu einem erkennbaren Gewinn fürs Unternehmen werden können.

Dabei wurden auch die Risiken bewertet, die ein ungeeigneter Einsatz von Sicherheitsbeauftragten mit sich bringen kann. Diese bestehen hauptsächlich durch:

Den Unternehmern entstehen hierdurch nicht nur unnötige Kosten durch den Schulungsaufwand, letztendlich leidet darunter auch die Akzeptanz aller erfolgreichen Sicherheitsbeauftragten.

Während der Tagung beleuchteten einzelne Vorträge die Möglichkeiten der Sicherheitsbeauftragten bei unterschied­lichsten Betriebsstrukturen und anhand von Beispielen „Guter Praxis“ aus erfolgreichen Unternehmen. Darüber hinaus kamen die Themen „Personal­auswahl“ und „Arbeitsschutzausschuss“ zur Sprache und wurden am zweiten Tag in Workshops vertieft.

Sicherheitsbeauftragte in Betrieben der alternativen Betreuung

In Betrieben mit alternativer Betreuung (ehemals Unternehmermodell) sind Sicherheitsbeauftragte neben dem Unternehmer meist die einzigen „Arbeitsschützer“ mit einem gewissen Fachwissen. Für eine erfolgreiche Tätigkeit kommt der geeigneten Qualifizierung von Sicherheitsbeauftragten in derartigen Betrieben daher eine besonders hohe Bedeutung zu.

Zusammenarbeit zwischen Sicherheitsbeauftragten und externen Fachkräften für Arbeitssicherheit

In kleinen und mittleren Betrieben sind im Normalfall weder die Fachkräfte für Arbeitssicherheit noch die Betriebsärzte ständig anwesend. Ein Beispiel guter Praxis ist hier die Etablierung des Sicherheitsbeauftragten als aktive Kontaktperson zwischen den Beschäftigten und den externen Beratern. Mit diesem Modell können Sicherheitsbeauftragte die Führungskräfte besonders wirksam unterstützen.

Sicherheitsbeauftragte und Arbeitsschutzausschuss

Der Arbeitsschutzausschuss ist das entscheidende Gremium für eine erfolgreiche Tätigkeit und Zusammenarbeit der betrieblichen Arbeitsschutzakteure. Die Sicherheitsbeauftragten müssen die Möglichkeit erhalten, alle relevanten Arbeitsschutzthemen aus ihren Arbeitsbereichen dort zu besprechen. Auf der anderen Seite müssen relevante Informationen aus dem Arbeitsschutzausschuss alle Sicherheitsbeauftragten erreichen. In großen Unternehmen kann nicht jeder Sicherheitsbeauftragte direkt in den Ausschusssitzungen anwesend sein, hier muss für einen indirekten Informationsfluss gesorgt werden.

Modelle zur Personalauswahl

Motivierte und geeignete Kandidaten für das Amt des Sicherheitsbeauftragten zu finden, ist Grundvoraussetzung für deren erfolgreiche Tätigkeit. Beispiele guter Praxis für die Personalauswahl sind die Bestellung zukünftiger Führungskräfte oder an der Betriebsratstätigkeit interessierte Beschäftigte.

Schlüsselrolle Gefährdungsbeurteilung

Die Gefährdungsbeurteilung spielt auch bei der Wirksamkeit von Sicherheitsbeauftragten eine entscheidende Rolle. Durch das Einbinden der Sicherheitsbeauftragten in die Erstellung und Aktualisierung der Gefährdungsbeurteilung wird die erfolgreiche Unterstützung des Sicherheitsbeauftragten in allen Arbeitsschutzfragen vor Ort erst möglich.

Die Ergebnisse der Tagung wurden in die Gremien der DGUV eingebracht, um über die einzelnen Unfallversicherungsträger einen möglichst umfangreichen Praxistransfer zu erreichen. Die Teilnehmer bewerteten die Fachtagung durchweg sehr positiv, wodurch davon auszugehen ist, dass sie als Multiplikatoren wirken und den angestrebten Praxistransfer damit verstärken.

Gerhard Kuntzemann, BGHM

Dominik Buschardt
Foto: Dominik Buschardt