Arbeitssicherheit

Unfälle an Kreissägen ... ein Klassiker!

Bei der Holzbearbeitung zählen Kreissägen zu den gefährlichsten Maschinen, deren Risiken Neulinge genauso wie erfahrene Mitarbeiter sehr häufig unterschätzen. Die Folge sind oft Verletzungen, deren Schwere vom leichten Anritzen der Haut über den Verlust von Fingern bis hin zu tödlichen Verletzungen, z. B. durch zurück geschleuderte Werkstücke, reichen kann.

Ein Unfall in einem Mitgliedsbetrieb der BG RCI verdeutlicht die Gefahr an Kreissägen. Ein Mitarbeiter verletzte sich beim Sägen einer Schaltafel mit einer Formatkreissäge an der linken Hand. Er hatte die Absicht, von einem etwa 20 cm breiten und etwa 30 bis 40 cm langen Streifen einer Schaltafel auf einer Formatkreissäge mehrere wenige Zentimeter breite Streifen entlang der kurzen Seite des Werkstückes abzusägen.

Er führte das Werkstück mit beiden Händen haltend zum Sägeblatt. Dabei wurde das gesamte Werkstück plötzlich vom rotierenden Sägeblatt nach oben gerissen. Der Mitarbeiter rutschte daraufhin mit der linken Hand vom Holzstück ab, geriet in das Sägeblatt und zog sich eine Schnittverletzung an der linken Hand zu.

So oder so ähnlich passieren viele Unfälle an Kreissägen. Laut Unfallstatistik ereignen sich Jahr für Jahr in Deutschland rund 14.500 meldepflichtige Unfälle mit Tisch- und Baukreissägen.

Hauptursachen für diese Unfälle sind:

Leider zeigen die Unfälle an Kreissägen, dass nicht jeder, der diese Maschinen bedient, den sicheren Umgang auch beherrscht. Wer „nur mal schnell“ eine Kreissäge benötigt, weil er etwas zurechtsägen will, achtet unter Umständen nicht darauf, ob mit deren Zustand ein sicheres Arbeiten möglich ist.

Unfallsituation – nachgestellt
Unfallsituation – nachgestellt

Sicheres Arbeiten an Kreissägen erfordert:

1)        Die Überprüfung des Sägeblatts. Rissige und verbogene Sägeblätter dürfen nicht verwendet werden. Je nach Material und Arbeitsgang sind ein geeignetes Kreissägeblatt und die richtige Drehzahl auszuwählen.

2)        Die Überprüfung des Spaltkeils. Spaltkeile sind so konstruiert, dass – bei richtiger Einstellung – eine Berührung des Materiales mit dem aufsteigenden Teil des Sägeblatts verhindert wird (Werkstückrückschlag). Richtig montiert ist seine Oberkante zwei Millimeter unter der höchsten Zahnspitze und der Abstand zum Sägeblatt beträgt etwa acht bis zehn Millimeter.

3)        Die Überprüfung der Schutzhaube.

Vor dem Sägen ist die Schutzhaube bis auf das Werkstück abzusenken.

4)        Die Überprüfung, ob Hilfsmittel für das sichere Führen des Werkstücks vorhanden sind. Eine ganze Reihe von Hilfsmitteln und Einrichtungen für das sichere Führen des Werkstücks verringern das Unfallrisiko an der Kreissäge erheblich. Dazu gehören beispielsweise Parallelanschlag, Queranschlag, Tischverlängerung, Schiebestock und Keilschneidelehren.

Grundsätzlich sind in den meisten Betrieben geeignete Kreissägen mit den erforderlichen „Basis-Hilfseinrichtungen“ vorhanden und können auch eingesetzt werden. Welche Ursachen tragen dann dazu bei, dass sich immer wieder Unfälle ereignen?

Ein Beispiel für den falschen Umgang mit einer Kreissäge: Schneiden von Styrodur
Ein Beispiel für den falschen Umgang mit einer Kreissäge: Schneiden von Styrodur

Welche Maßnahmen verbessern die Arbeitssicherheit beim Umgang mit Kreissägen?

Jeder Vorgesetzte muss im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung der Tätigkeiten klare Regeln für die sichere Durchführung der Arbeitsgänge an Kreissägen in Form von Betriebsanweisungen aufstellen. Diese sollten neben den Maßnahmen für den Unfallschutz auch Maßnahmen für den Gesundheitsschutz beinhalten (z. B. Lärm, Staub). Beispiele für Betriebsanweisungen beim Umgang mit Holzbearbeitungsmaschinen sind auf der Homepage der BG Rohstoffe und chemische Industrie (www.bgrci.de) zu finden.

Klare Festlegungen zur Verantwortlichkeit für den sicherheitsgerechten Zustand der Säge sowie Ordnung und Sauberkeit im Arbeitsbereich erhöhen die Arbeitssicherheit.

Die alljährliche Unterweisung der Mitarbeiter, regelmäßiges Beobachten und korrigierendes Eingreifen erleichtern es jedem Vorgesetzten, eine sichere Arbeitsweise in seinem Verantwortungsbereich dauerhaft zu garantieren. Praktische Unterweisungen vor Ort an der Säge unter Einbeziehung der Mitarbeiter sind einprägsam und fördern Wissen und Motivation der Mitarbeiter zum konkreten sicherheitsgerechten Umgang. Einen schnellen Überblick über das sichere Arbeiten an Tisch- und Formatkreissägen zeigen ein Plakat sowie die Broschüre „Holzbearbeitungsmaschinen – Handhabung und sicheres Arbeiten“. Beides kann als pdf – Datei auf der Internetseite der BG Holz und Metall (www.bghm.de unter BG 5.3.1 und BG 96.18) heruntergeladen oder in Papierform bestellt werden. Nicht zuletzt sollte sich ein Vorgesetzter an seine Vorbildfunktion erinnern, wenn er selbst an einer Säge arbeitet.

Jürgen Pester und Petra Begander, BG RCI

Merkblatt
BG 5.3.1 – BGHM