Arbeitssicherheit

Wenigstens, es wird gecremt? Hautschutz einmal anders betrachtet!

Beruflich bedingte Hauterkrankungen bilden die Spitze der bestätigten Berufskrankheiten. Dabei handelt es sich größtenteils um sogenannte Abnutzungsekzeme, die insbesondere an Arbeitsplätzen mit wiederkehrenden Einwirkungen gegenüber irritierend wirkenden Arbeitsstoffen entstehen. Genannt seien hier Tenside (waschaktive Substanzen) oder Kühlschmierstoffe sowie die Feuchtarbeit. Speziell für diese Tätigkeiten wird der Einsatz von Hautschutzmittel empfohlen, die den Anwender vor der Entstehung von Hauterkrankungen schützen sollen.

Grundlage zur Auswahl eines Hautschutzmittels bildet die Gefährdungsermittlung, in der Arbeitsstoffe, Tätigkeitsbereiche, das Arbeitsumfeld und vieles mehr Berücksichtigung finden. Kommt als Schutzmaßnahme ein Hautschutzmittel in Frage, erfolgt oft noch die Auswahl nach der Löslichkeit des Arbeitsstoffs. Ist er beispielsweise wasserlöslich, so wird ein Hautschutzmittel ausgewählt, das als „Schutz vor wasserlöslichen Stoffen“ ausgelobt wird. Zum einen werden durch diese Klassifizierung die Eigenschaften der Arbeitsstoffe und deren Auswirkungen auf die Haut völlig unzureichend erfasst. Zum anderen bleiben in diesem „Auswahlmodell“ die Haut selbst und deren Wechselwirkung mit dem Hautschutzmittel unberücksichtigt. Trotzdem das seit vielen Jahren bekannt ist, wird dieses Auswahlschema bedauerlicherweise auch heute noch breit verwendet. Das ist sicher einer der Gründe, warum Hautschutzmaßnahmen in der Praxis oft nicht so greifen, wie erwartet wird und trotz häufiger Anwendung von Hautschutzmitteln weiterhin Hauterkrankungen entstehen.

Bei der Auswahl von Hautschutzmitteln standen bisher der Arbeitsstoff und die Hautoberfläche im Mittelpunkt der Überlegungen. Ein Denkansatz, der bisher beim Thema Hautschutz unbeachtet blieb, geht etwas tiefer: Reicht ein stabiler Eigenschutz der Haut aus, um den wiederkehrenden Irritationen am Arbeitsplatz standzuhalten? Ob und wie kann die individuelle Reizschwelle der Haut positiv beeinflusst werden, so dass ihre Eigenschutzfunktion auch bei Belastung weitestehend aufrechterhalten wird? Dazu sollten die Schutzmechanismen der Haut näher betrachtet werden.

Emulgatorwirkung (schematisch)
Abb. 1: Emulgatorwirkung (schematisch)

„Eigenschutz“ der Haut

Die gesunde menschliche Haut selbst verfügt über beeindruckende Schutz- und

Reparaturmechanismen, jedoch können diese abhängig von der Dauer,der Intensität und der Häufigkeit von Reizungen sowie von angeborenen und erworbenen Faktoren, Alter, Geschlecht und Rasse auch überlastet werden, so dass die Haut mit einer Entzündung reagiert.

An der Erhaltung der Schutzfunktion sind in der Haut verschiedene Abwehrsysteme und Komponenten beteiligt. Die wichtigste Aufgabe spielt dabei die in der Oberhaut liegende Hornschicht, die die Austrocknung der Haut und des Körpers sowie das Eindringen von Fremdstoffen verhindert.

Die Hornschicht besteht im Wesentlichen aus Hornzellen, die von einer Lipidmatrix umgeben sind. Dabei handelt es sich vor allem um Ceramide, freie Fettsäuren und Cholesterin, die zusammen eine schichtförmige, lamellenartige Struktur bilden. Man spricht von einer multilamellaren Anordnung der Hornschichtlipide. Diese spezielle Anordnung reguliert den Wasserhaushalt durch Steuerung der Wasserverdunstung aus der Haut. Dies wird als „transepidermaler Wasserverlust“ (TEWL) bezeichnet und dient als wichtigstes Maß zur objektiven Beurteilung des Hautzustands.

Eine Störung dieses speziellen Aufbaus führt zu einer Verringerung des Wasserbindungsvermögens, einer Erhöhung des TEWL und zu einer Erleichterung des Eindringens von Fremdstoffen. Es resultiert eine trockene Haut mit verstärkter Entzündungsbereitschaft und hoher Empfindlichkeit.

Der oft erwähnte Hydrolipidfilm der Haut, wegen seines schwach sauren pH-Wertes (pH 5-6) auch „Säureschutzmantel“ genannt, dient als weitere Barriere zur Gesunderhaltung der Haut. Er befindet sich auf der Hautoberfläche und wird vor allem aus den Sekreten der Talg- und Schweißdrüsen gebildet. Seine Aufgabe besteht im Wesentlichen in der Abwehr pathogener Keime. Hinsichtlich des Schutzes vor Wasserverlust spielt er jedoch kaum eine Rolle.

Erstes Ziel zur Gesunderhaltung der Haut und des Körpers sollte die Aufrechterhaltung der Eigenschutzfunktion der Haut, d.h. die Erhaltung der Schutzbarriere in der obersten Hautschicht sein.

Erhaltung der körpereigenen Hautschutzbarriere

Hautschutzmittel basieren meistens auf Emulsionssystemen mit spezifischen Inhaltsstoffen, die mit der Hautbarriere wechselwirken sollen. Dabei kommen hauptsächlich adstringierende Wirkstoffe (wie organische Gerbstoffe), anorganische Aluminiumsalze, Pigmente oder spezielle filmbildende Substanzen zum Einsatz.

Das Grundgerüst von klassischen Emulsionen besteht aus Öl und Wasser. Man unterscheidet die Wasser-in-Öl- (W/O, fettend) von den Öl-in-Wasser- (O/W, nicht-fettend) Emulsionen.

Um eine stabile Emulsion herstellen zu können, müssen deren Hauptkomponenten mit einem Emulgator versetzt werden, der aufgrund seines speziellen Aufbaus die beiden nicht mischbaren Komponenten miteinander verbindet (Abb. 1).

So können sich mit Hilfe eines Emulgators die öligen Bestandteile fein in der wässrigen Phase (O/W-Emulsion, Abb. 2 a) oder umgekehrt die wässrigen Bestandteile in der öligen Phase verteilen (W/O-Emulsion, Abb. 2 b).

Die klassischen Emulgatoren zählen entsprechend ihrer Struktur und ihrem physikalisch-chemischen Verhalten zur Stoffklasse der Tenside, d.h. zu den waschaktiven Substanzen. Beide bestehen aus einem lipophilen (fettliebenden) und einem hydrophilen (wasserliebenden) Teil. Je nachdem, welcher dieser Anteile überwiegt, variieren ihre Eigenschaften und Einsatzgebiete.

Insbesondere nichtfettende O/W-Emulsionen, die aufgrund ihres raschen Eindringvermögens in die Haut sehr gerne verwendet werden, können Emulgatoren enthalten, deren Eigenschaften denen der waschaktiven Substanzen sehr nahe kommen. Wird die Haut mit derartigen Cremes behandelt, so werden deren Emulgatoren in die oberen Hautschichten eingeschleust.

Dort können sie die hauteigenen Lipide binden und sie bei Wasserkontakt aus der Haut auswaschen. Als Resultat wird die multilamellare Anordnung der Hornschichtlipide und damit die Barrierefunktion der Haut gestört. Sie verliert verstärkt Wasser, so dass die Hautfeuchtigkeit sinkt.

Auf Dauer wird die Eigenschutzfunktion der Haut geschwächt, so dass sie leichter und schneller auf Reizungen, wie Arbeitsstoffe reagiert. Dieser Effekt kann in den üblichen Wirksamkeitstest, die meistens nur über 1-2 Wochen laufen, sicher nicht erfasst werden. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass Hautschutzmittel auf Basis von Emulgatoren mit Tensideigenschaften die Hautbarriere nicht unbedingt stärken.


Abb. 2: Schematischer Aufbau von a) Öl-in-Wasser (O/W) (links) und b) Wasser-in-Öl (W/O)-Emulsionen (rechts).

Emulgatorfreie Systeme auf Dermamembranlipid-Basis

Durch die Entwicklungen neuer Technologien und Verfahren ist es heutzutage möglich, emulgatorfreie Cremes mit sehr guten kosmetischen Eigenschaften herzustellen. In einem neuartigen Verfahren können Wasser und hautverwandte Lipide ohne die Verwendung herkömmlicher Hilfsstoffe, wie klassische Emulgatoren, Mineralöle oder Silikone zu einer stabilen Zubereitung zusammengeführt werden. Dabei entsteht keine klassische Emulsion. Vielmehr ordnen sich die Bestandteile der Creme ähnlich wie die Hornschichtlipide lamellenartig an, d.h. sie haben eine hautähnliche Struktur. Untersuchungen zeigen, dass dieser Aufbau zu einer besonders intensiven Wechselwirkung mit den Hornschichtlipiden führt .

Die enge Verbindung zwischen der Struktur einer Creme auf Basis von Dermamembranlipiden und den Hornschichtlipiden bewirkt eine Erhaltung bzw. eine rasche Normalisierung der Wasserbindungskapazität und damit die natürliche Regulierung des transepidermalen Wasserverlustes. Die Eigenschutzfunktion der Haut wird durch Anwendung von Cremes auf Basis von Dermamembranlipiden nachhaltig unterstützt.

Zudem belegen Anwendungsuntersuchungen die gute Verträglichkeit selbst auf geschädigter Haut. Beispielsweise führte die Anwendung einer Mikrosilber-haltigen Creme auf Basis von Dermamembranlipiden (Hand Repair, Hans Karrer GmbH) an Atopikern mit beruflich bedingtem Handekzem zu keinen subjektiven Beschwerden, wie Brennen, Juckreiz etc. (Abb. 4) . Atopiker sind Menschen, deren Immunsystem zur Überreaktion neigt. Die getestete Zubereitung überzeugte in dieser Studie nicht nur in ihrer hautstabilisierenden Wirkung, sondern auch in der Anwenderakzeptanz.


Mikroskopische Aufnahme a) einer W/O-Emulsion (links) und b) einer Zubereitung auf Basis von Dermamembranlipiden (rechts)

Erhaltung der Eigenschutzfunktion der Haut = Hautschutz?

Unbestritten haben Cremes auf Basis von Dermamembranlipiden ausgezeichnete Pflegeeigenschaften. Sie bewirken aufgrund ihrer strukturellen Ähnlichkeit mit den Hornschichtlipiden eine Unterstützung der Barrierefunktion der Haut. Reicht das aber aus, um die schädigenden Auswirkungen bei wiederkehrenden Reizungen durch irritierende Stoffe im Arbeitsleben zu  reduzieren?

Zeigt ein Hautmittel mit Dermamembranlipiden neben der regenerativen Wirkung auch einen hautschützenden Effekt und wenn ja: in welcher Größenordnung liegt er?

Zur vergleichenden Prüfung der Schutzwirkung von Hautschutzmitteln gegenüber irritierenden Stoffen hat sich der repetitive Waschtest bewährt, in dem die Haut über einen gewissen Zeitraum mehrmals täglich an geschützten und ungeschützten Stellen mit dem Irritans gereizt wird. Durch die wiederholten Waschungen können kumulativ-irritative Bedingungen praxisnah widergegeben werden. Zudem ist dieser Test unter standardisierten Bedingungen durchführbar, so dass Produktvergleiche möglich sind.

In einer aktuellen Untersuchung  wurden 30 Probanden eine Woche lang diesem Test unterzogen. Als Testprodukte dienten eine lipidarme und eine lipidreichere mikrosilberhaltige Creme auf Basis von Dermamembranlipiden (Hand Repair, bzw. Lipolotion Mikrosilber, Hans Karrer GmbH) sowie um ein Aluminiumchlorohydrat-haltigesHautschutzmittel auf O/W-Basis, das sich bereits in zahlreichen klinischen Studien, wie auch in Anwendungsstudien als effektiv wirksam erwiesen hat.

In diesem Waschtest konnte für alle drei Prüfpräparate ein guter Schutzeffekt gegenüber dem Modellirritans für waschaktive Substanzen nachgewiesen werden. Die Prüfpräparate auf Dermamembranlipid-Basis mit Mikrosilber hoben sich dabei positiv von der klassischen Hautschutzcreme ab, wobei sich insbesondere die lipidarme Creme auf Basis von Dermamembranlipidenals überlegenes Produkt hinsichtlich der Hornschichtfeuchtigkeit erwies.

Durch die Untersuchung konnte gezeigt werden, dass dieses Präparat nicht nur einen hautpflegenden, sondern im repetitiven Waschtest auch einen sehr guten hautschützenden Effekt gegenüber waschaktiven Substanzen hat.

Es kann daher als Hautpflege- und Hautschutzcreme in Arbeitsbereichen eingesetzt werden, die als Hauptverursacher für beruflich bedingte Hauterkrankungen gelten, d.h. an Arbeitsplätzen, an denen wiederkehrend Feuchtarbeit ausgeführt wird sowie Kontakt zu wässrigen Tensidlösungen besteht.

Diagramm Anwendungsbewertung
Abb. 4

Schlussfolgerungen

Das Prinzip des bisher praktizierten Hautschutzes sollte in mehreren Richtungen grundlegend überdacht werden. Beim Einsatz klassischer Hautschutzmittel wird die individuelle Eigenschutzfunktion der Haut bisher zu wenig berücksichtigt. Wirksamkeitstests belegen, dass die Unterstützung der natürlichen Schutzbarriere der Haut durch Zubereitungen auf Basis von Dermamembranlipiden bereits ohne spezielle Schutzstoffe zu einem effektiven Schutzeffekt gegenüber SLS führt.

Daneben zeigen die Untersuchungen, dass im Falle der geprüften Testprodukte auf Basis von Dermamembranlipiden die grundsätzliche Trennung zwischen Hautschutz- und Hautpflegepräparaten nicht mehr aufrechterhalten werden kann. Dies vereinfacht die Umsetzung des betrieblichen Hautschutzes in der Praxis. Derartige Zubereitungen enthalten daneben weniger klassische Hilfsstoffe und sind frei von Emulgatoren, die wie aufgeführt auf Dauer auch hautschädigend wirken können. Dies führt zu einer guten Verträglichkeit auch auf bereits geschädigter Haut.

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