Technik

IAA Nutzfahrzeuge schließt mit kräftigem Besucherplus

„Noch nie gab es so viele neue Nutzfahrzeuge – Transporter, schwere Lkw, Busse – zu sehen wie diesmal. „Nutzfahrzeuge – Motor der Zukunft“ lautet das Motto der IAA Nutzfahrzeuge in Hannover. Diesem Anspruch – ein Schaufenster für die Innovationskraft der gesamten Branche zu sein – ist diese weltweit größte Mobilitäts-, Transport- und Logistikmesse vollauf gerecht geworden“, sagte Matthias Wissmann, Präsident des Verbands der Automobilindustrie bei der Abschlusspressekonferenz.

Mit 354 Weltpremieren – davon mehr als zwei Drittel von Zulieferern – gab es einen neuen Rekordstand von Neuheiten. Die Zahl der Aussteller – 1.904 Aussteller aus 46 Ländern – ist um 9 Prozent höher als 2010, die Ausstellungsfläche mit 260.000 Quadratmetern ist um 11 Prozent gewachsen. Diese IAA Nutzfahrzeuge hat die zweitstärkste Beteiligung und die zweitgrößte Ausstellungsfläche seit der Trennung zwischen IAA Pkw und IAA Nutzfahrzeuge, also seit 20 Jahren.

Ein Trend der IAA:  Euro-VI-Norm. Die Nutzfahrzeugindustrie sei bereit, bereits heute die anspruchsvolle Euro-VI zu erfüllen, sagte Wissmann. Die Technik ist da, alle Hersteller haben schwere Euro-VI-Nutzfahrzeuge im Programm. Damit sinken die klassischen Schadstoffemissionen massiv: Bei Stickoxid sind es minus 80 Prozent gegenüber der aktuellen Euro-V-Norm, bei Partikeln sind es mehr als zwei Drittel Reduktion. Die Innovationskraft der Branche wird dadurch unterstrichen, dass es mit vielfältigen Maßnahmen gelungen ist, gleichzeitig den Kraftstoffverbrauch und damit die CO2-Emissionen konstant zu halten oder sogar zu verringern. Erfreulich: Es gibt erste Speditionen, die sich beim Kauf von Neufahrzeugen schon jetzt grundsätzlich und ausschließlich für moderne Euro-VI-Lkw entscheiden.

Aerodynamik war eines der ganz großen Themen hier auf der IAA. Hierzu gab es deutliche Fortschritte bei der Gestaltung der Front eines Lkw zu sehen, bei der Verbindung zwischen Fahrerhaus und Auflieger, an den Seitenverkleidungen sowie am Heck des Trailers. Die Hersteller von Anhängern und Aufbauten sind hier mit pfiffigen Entwicklungen gut unterwegs. Auch die Hersteller von Nutzfahrzeugreifen leisten hier wichtige Beiträge, um den Rollwiderstand zu verringern. Luft- und Rollwiderstand sind für 30 bis 40 Prozent des Verbrauchs verantwortlich. Das zeigt insbesondere das große Potenzial von Verbesserungen der Aerodynamik.

„Wir haben die Politik aus Berlin, den Ländern und aus Brüssel darauf aufmerksam gemacht: Diese Chance sollte auch sie nutzen und die bislang starren Vorgaben bei Länge und Maß von Nutzfahrzeugen flexibilisieren“, sagte Matthias Wissmann dazu. Wie ein Sattelzug der Zukunft aussehen könnte, war im Freigelände zu sehen – mit CO2-Einsparungen von bis zu 15 Prozent. Ein so hohes Potenzial gibt es derzeit an keiner anderen Stelle zu heben, bei vergleichsweise geringen Kosten.

Alternative Antriebe/Elektromobilität: Ein Rundgang über diese IAA machte es deutlich: Es gibt für jeden Einsatzzweck heute schon den passenden Antrieb! Die Palette ist so umfangreich wie noch nie: Da gibt es den Erdgasantrieb im Verteilerverkehr. Er ist in Fahrzeugen bis hin zum schweren Lkw präsent. Diese Antriebsart hat den Vorteil, dass so gut wie keine Feinstaub-Emission mehr stattfindet – gasförmiger Kraftstoff sorgt für saubere Verbrennung.

Nahezu jeder Hersteller hatte Hybrid-Fahrzeuge im Angebot – vom kleinen Lkw für den Verteilerverkehr bis hin zum Fern-Lkw. Dies betrifft also nicht nur die 7,5-Tonner. Selbst im 40-Tonner kann sich Hybrid-Technologie rechnen: Bei einer Jahreslaufleistung von 150.000 Kilometern addieren sich kleine Einsparungen von wenigen Prozent zu hohen CO2-Minderungen.

Sicherheit war einer der wesentlichen Schwerpunkte dieser IAA. Die Zahl der „Assistenten“, die den „Chef“, den Lkw-Fahrer, unterstützen, nimmt stetig zu: Notbremsassistent, ESP, Spurverlassenswarner, automatische Abstands- und Geschwindigkeitsregelung sind hierfür nur Stichworte. Die Nutzfahrzeughersteller sind auch hier schneller unterwegs und haben ihre neuen Modelle bereits heute – lange vor dem Inkrafttreten der EU-Vorgaben zu ESP und Fahrerassistenzsystemen im Jahr 2014 – mit den intelligenten Helfern ausgestattet. Natürlich braucht es Zeit, bis die Marktdurchdringung umfassend ist. Doch war in Hannover zu spüren, dass die Nachfrage nach Assistenzsystemen im Nutzfahrzeug weiter steigt.

Zum einem in der Öffentlichkeit kontrovers diskutierten Thema äußerste sich VDA-Präsident Wissmann eindeutig: „Der Lang-Lkw ist auf dieser IAA bereits eine Selbstverständlichkeit. Der Feldversuch läuft, immer mehr Unternehmen beteiligen sich daran, die ersten Zwischenergebnisse sind sehr erfreulich: Die Fahrzeuge sind sicher und unfallfrei unterwegs, der Verbrauch pro Tonnenkilometer deutlich niedriger. Die Praxis bestätigt die Vorteile, auf die wir stets und auf dieser IAA hingewiesen haben.“

Die IAA Nutzfahrzeuge war im Rahmen der Nachwuchsförderung auch Anlass, das Thema Güterverkehr für Schüler im Unterricht lebensnah zu vermitteln. Der VDA hatte Lehrer eingeladen, die Themen Transport und Logistik mit einer Exkursion zur IAA praxistauglich vor Augen zu führen. Diese Einladung haben rund 4.750 Lehrer und Schüler angenommen, das sind knapp 200 Schüler mehr als vor zwei Jahren.

In weiteren zwei Jahren ist die 65. IAA Nutzfahrzeuge vom 25.9. bis 2.10. wieder in Hannover zu sehen.

Lang-Lkw
Neben Neuerungen bei Sicherheitssystemen warb die Nutzfahrzeugindustrie auch um die Akzeptanz der Lang-Lkw.