Arbeitssicherheit

Gefahrstoffmanagement in der Zementherstellung

In der Produktion von Portlandzementen ist die Verwendung von Gefahrstoffen unverzichtbar. Dabei reicht die Spanne vom Einsatz von Sekundärbrennstoffen in der Klinkerproduktion über Ammoniakwasser zur Stickoxidreduzierung bis zu den Laborchemikalien für die Zementanalytik. Weiterhin handelt es sich bei den hergestellten Portlandzementen aufgrund deren augenschädigenden sowie haut- und atemwegsreizenden Wirkung selbst um kennzeichnungspflichtige Gefahrstoffe. Zum Schutz des Menschen und der Umwelt vor den verwendeten und erzeugten gefährlichen Stoffen wurden entsprechende gesetzliche Grundlagen geschaffen, die insbesondere in der Gefahrstoffverordnung enthalten sind.

Zur Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben wurde bei der Dyckerhoff AG eine zentrale Gefahrstoffbewertungsstelle geschaffen, deren wesentliches Werkzeug eine für alle Beschäftigten zugängliche Gefahrstoffdatenbank ist. In diesem Artikel wird das Gefahrstoffmanagement von der Beschaffung gefährlicher Stoffe bis zum Erstellen von Gefahrstoffbetriebsanweisungen erläutert.

Hintergrund

Die Dyckerhoff AG betreibt in Deutschland sieben Zementwerke, davon fünf mit eigener Klinkerherstellung, sowie etwa 120 Transportbetonwerke. Weiterhin unterhält sie das Wilhelm Dyckerhoff Institut, welches als zentrale Forschungs- und Entwicklungsabteilung dient und mit der Durchführung der Norm- und Güteüberwachung beauftragt ist. Da an allen Standorten gefährliche Stoffe eingesetzt und hergestellt werden, muss zum Schutz des Menschen und der Umwelt vor schädlichen Einwirkungen die Gefahrstoffverordnung umgesetzt werden. Dies beinhaltet insbesondere die folgenden Aspekte:

In den letzten Jahren haben die Mengen gefährlicher Stoffe, die zur Zementherstellung verwendet werden, deutlich zugenommen. Insbesondere der Einsatz von Abfällen aus der chemischen Industrie als Energieträger in der Klinkerproduktion führt zu Gefährdungen, die in den Zementwerken bis dato nicht existierten. Häufig gestaltet sich die Umsetzung der oben erwähnten Aspekte aufgrund fehlender Erfahrung und Fachwissen für den Umgang mit diesen neuen Stoffströmen als schwierig.

Da sich die Prozesse in den Zement- bzw. Betonwerken nicht signifikant voneinander unterscheiden, sind auch die von den Gefahrstoffen ausgehenden Gefährdungen an den einzelnen Standorten miteinander vergleichbar. So kann die Erfahrung, die beim Umgang mit einem bestimmten Gefahrstoff in einem Werk gesammelt wurde in ein anderes Werk übertragen werden, wenn dieser Stoff auch dort eingesetzt wird. Aus diesen Gründen bietet es sich an, die mit der Gefahrstoffverordnung einhergehenden Verpflichtungen zentral durchzuführen.

Zu diesem Zweck wurde eine Gefahrstoffbewertungsstelle geschaffen, die die Werke von der Gefahrstoffbeschaffung bis zur Unterweisung der Beschäftigten für den Umgang mit gefährlichen Stoffen unterstützt. Als zentrales Instrument dient hierzu die eigens für diesen Zweck entwickelte Gefahrstoffdatenbank.

Tabelle Beispiele für in der Zementherstellung vorkommende Gefahrstoffe
Tab. 1:  Beispiele für in der Zementherstellung vorkommende Gefahrstoffe

Umsetzung

Vor der Beschaffung von bisher im Unternehmen nicht eingesetzten Arbeits- und Betriebsstoffen sowie von Gefahrstoffen definiert der Anforderer die Einsatzkriterien für den Stoff mit einem Formblatt (Abb. 1) und stimmt diese mit der zuständigen Sicherheitsfachkraft ab. Vorher sind grundsätzlich die Sicherheitsdatenblätter beim Lieferanten anzufordern. Die zu beschaffenden Stoffe werden nach Vorlage des Sicherheitsdatenblattes bei der Gefahrstoffbewertungsstelle auf dem jeweiligen Formblatt freigegeben bzw. gesperrt.

Formblatt zur Beschaffung von Gefahrstoffen
Abb. 1: Formblatt zur Beschaffung von Gefahrstoffen

Für freigegebene Stoffe werden die entsprechenden Betriebsanweisungen (Abb. 2) unter Mitwirkung eines Arbeitsmediziners erstellt. Die Sicherheitsdatenblätter und die Betriebsanweisungen werden im Portal der Dyckerhoff AG auf der Seite Gefahrstoffe in der Gefahrstoffdatenbank geführt (Abb. 3). Der örtlich zuständige Werksarzt und der Betriebsrat werden durch die jeweilige Sicherheitsfachkraft informiert.

Beispiel für eine Gefahrstoffbetriebsanweisung für den Umgang mit Sekundärbrennstoffen
Abb. 2: Beispiel für eine Gefahrstoffbetriebsanweisung für den Umgang mit Sekundärbrennstoffen

Unter Einhaltung aller relevanten gesetzlichen Anforderungen und im Rahmen der wirtschaftlichen Möglichkeiten des Unternehmens  werden Produkte bevorzugt, die eine geringere Gefährdung aufweisen  und einen besseren Arbeitskomfort bieten, sowie Produkte, die bei Herstellung, Gebrauch und Entsorgung umweltfreundlicher/energieeffizienter sind als andere. Diese nach § 6 (1) 4. GefStoffV geforderte Substitutionsprüfung wird ebenfalls in der Gefahrstoffdatenbank hinterlegt. Da auch das Datum der Sicherheitsdatenblätter, der Betriebsanweisungen und der Substitutionsprüfung hinterlegt wird, lassen sich über eine Abfrage veraltete Daten herausfiltern. Diese Funktion ermöglicht auch die Wirksamkeitsprüfung der ergriffenen Schutzmaßnahmen in regelmäßigen Intervallen.

Vor Beginn der Tätigkeit können somit alle Informationen zum sicheren Umgang mit einem Gefahrstoff über das firmeninterne Portal abgerufen werden. Im Einzelnen enthält die Gefahrstoffdatenbank (Abb. 3) folgende Informationen, die für alle Beschäftigten zugänglich sind:

Maske mit den wichtigsten Informationen zu einem Gefahrstoff
Abb. 3: Maske mit den wichtigsten Informationen zu einem Gefahrstoff

Die wichtigsten Informationen zu einem bestimmten Gefahrstoff werden übersichtlich in einer Maske angezeigt (Abb. 4) Alle Daten können über Excel exportiert werden. So ist es möglich, auf Knopfdruck das aktuelle Gefahrstoffkataster für jeden einzelnen Standort auszudrucken.

Windows-Oberfläche der Gefahrstoffdatenbank
Abb. 4: Windows-Oberfläche der Gefahrstoffdatenbank

Momentan existieren zwei mögliche Kennzeichnungen der Gefahrstoffe: die orangefarbenen Gefahrensymbole nach Richtlinie 67/548/EWG sowie die rotumrandeten Gefahrenpiktogramme nach Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP-Verordnung). Weiterhin werden die bisherigen R- und S-Sätze durch H- und P-Sätze abgelöst. Die Gefahrstoffdatenbank bietet die Möglichkeit, beide Kennzeichnungselemente bis zur kompletten Umstellung auf das global harmonisierte System zur Einstufung und Kennzeichnung von Chemikalien (GHS) aufzunehmen. Somit ist die Rechtskonformität des bei Dyckerhoff eingeführten Gefahrstoffmanagements gewährleistet, was auch durch wiederholte Auditierung bestätigt wurde. Hierbei stößt die Gefahrstoffdatenbank bei den Mitarbeitern auf eine hohe Akzeptanz und wird daher auch intensiv genutzt.

Über die „Gefahrstoffseite“ sind zudem auch Unterweisungshilfen, rechtliche Vorgaben zum Umgang mit Gefahrstoffen und eine Liste der freigegeben bzw. gesperrten Gefahrstoffe abrufbar.

Dr. Marcus Paul, Dyckerhoff AG, Wiesbaden