Arbeitssicherheit

Gefährdungsbeurteilung leicht gemacht mit OiRA

Ein innovatives und kostenfreies Online-Werkzeug für kleine Unternehmen wurde nun zum Weltkongress für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit vorgestellt. Das Projekt OiRA ist ein Gemeinschaftsprojekt mehrerer Länder die sich das Ziel gesetzt haben, benutzerfreundliche und kostenfreie webbasierte Werkzeuge für Klein- und Kleinstunternehmen zu entwickeln.

Die Erfahrung zeigt, dass eine sachgemäße Gefährdungsbeurteilung der Schlüssel zu gesunden Arbeitsplätzen ist. Gerade für Klein- und Kleinstunternehmen kann die Durchführung einer Gefährdungsbeurteilung jedoch eine große Herausforderung sein, da dort für eine wirksame Umsetzung oft die Ressourcen oder das Know-how im Bereich Sicherheit und Gesundheitsschutz bei der Arbeit fehlen.

Zur Erleichterung dieses Prozesses hat die EU-OSHA eine umfassende und zugleich benutzerfreundliche und kostenfreie Web-Anwendung entwickelt: OiRA – Online interactive Risk Assessment (Interaktive Gefährdungsbeurteilung online).

Mit OiRA können Klein- und Kleinstunternehmen einen gründlichen, schrittweisen Gefährdungsbeurteilungsprozess einrichten – von der Identifizierung und Evaluierung von Risiken am Arbeitsplatz über die Entscheidungsfindung für Präventionsmaßnahmen und die Durchführung dieser Maßnahmen bis hin zur Überwachung und Berichterstattung.

Europäische Initiative

An dem Projekt beteiligen sich derzeit rund 15 Mitgliedstaaten (nationale Regierungen, Sozialpartner und Forschungsorganisationen). Sie entwickeln sektorbezogene Werkzeuge in ihren eigenen Sprachen und führen Pilotprojekte in Klein- und Kleinstunternehmen durch.

Die OiRA-Projekte wurden sowohl auf EU-Ebene wie auch auf Ebene der Mitgliedstaaten (Zypern, Belgien und Frankreich) eingeleitet, die die Entwicklung und das Verbreitungsmodell anführen und Bereiche wie Friseurdienste und das Transportwesen abdecken.

Auf der Grundlage des Bewertungsinstruments „Dutch Risk Inventory” will das OiRA-Tool an diesen Erfolg in ganz Europa anknüpfen. Seit seiner Errichtung haben insgesamt 1,6 Millionen Besucher die Website des nieder-

ländischen Online-Tools (www.rie.nl) besucht: eine enorme Anzahl, betrachtet man die Größe der Niederlande mit gerade einmal rund 800.000 Unternehmen. Das Tool wird pro Monat durchschnittlich 5000 Mal heruntergeladen.

Screenshot
Die Online-Anwendung führt den Anwender klar strukturiert durch die Gefährdungsbeurteilung und gibt praktische Hinweise zu typischen Gefährdungen.

Start auf dem Weltkongress in Istanbul

Das OiRA-Projekt wurde am 12. September beim XIX. Weltkongress für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz in Istanbul offiziell eingeleitet und ist die erste Initiative auf EU-Ebene zur Erleichterung der Risikobewertung am Arbeitsplatz.

Das innovative Tool wurde von der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU- OSHA) entwickelt und soll die 20 Millionen Kleinst- und Kleinunternehmen in Europa dabei unterstützen, die Sicherheit und Gesundheit ihrer Arbeiter zu verbessern, indem die Risiken mithilfe einer einfachen und kostenlosen Web-Anwendung bewertet werden.

„Die Erfahrung zeigt, dass eine richtig durchgeführte Gefährdungsbeurteilung der Schlüssel für wirklich sichere und gesunde Arbeitsplätze ist" erklärt Dr. Jukka Takala, Direktor der EU-OSHA. „Insbesondere für kleine Unternehmen sind Risikobewertungen allerdings eine Herausforderung, da es ihnen an angemessenen Mitteln fehlt, um diese wirksam durchzuführen. “

Gründe dafür, warum Unternehmen keine Kontrollen durchführen, sind mangelnde Fachkompetenz (41 Prozent) oder die Auffassung, dass Risikobewertungen zu teuer sind oder zu viel Zeit in Anspruch nehmen (38 Prozent). Mit OiRA kann die EU-OSHA mit Stolz ein kostenfreies Online-Tool anbieten, um diese Herausforderungen zu bewältigen. „OiRA trägt zur Beseitigung oder Reduzierung der 168.000 arbeitsbedingten Todesfälle, der 7 Millionen Unfälle und 20 Millionen Fälle arbeitsbedingter Krankheiten pro Jahr in der EU-27 bei“ sagt Dr. Takala.

Jukka Takala
„Die Erfahrung zeigt, dass eine richtig durchgeführte Gefährdungsbeurteilung der Schlüssel für wirklich sichere und gesunde Arbeitsplätze ist“, erklärte Dr. Jukka Takala, Direktor der EU-OSHA.

Ziel des wegweisenden Projekts der EU-OSHA ist die Unterstützung kleiner Unternehmen bei der schrittweisen Umsetzung des Verfahrens zur Gefährdungsbeurteilung – von der Ermittlung und Bewertung der Risiken am Arbeitsplatz über die Findung von Entscheidungen für vorbeugende Maßnahmen, Ermittlung angemessener Maßnahmen bis hin zur ständigen Überwachung und Berichterstattung. Ziel ist die Verringerung der Belastung für kleine Unternehmen, sodass sie in die Lage versetzt werden, ihre Risikobewertung einfach und schnell durchzuführen, ohne an Genauigkeit einzubüßen.

„Die EU-OSHA arbeitet eng mit Behörden und Sozialpartnern auf EU- und nationaler Ebene zusammen, um ihnen den Generator für das Tool zur Verfügung zu stellen", fährt Jukka Takala fort. "Im Gegenzug entwickeln diese Partner ihre eigenen sektorspezifischen und auf ihre Bedürfnisse zuschneidbaren OiRA-Tools und stellen sie den kleinen Unternehmen kostenfrei zur Verfügung.“

Die Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern ermuntert zum allgemeinen Einsatz und zur Verwendung des Tools auf Unternehmensebene und führt zur Entwicklung der OiRA-Gemeinschaft zum Austausch von Wissen und Erfahrungen. Für das endgültige Tool stellt die EU-OSHA den Entwicklern Unterstützung und umfassende Beratung zur Verfügung.

 
Weitere Informationen

oira-Logo

Website des Projekts OiRA:

http://www.oiraproject.eu/about

Informationen der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz:

http://osha.europa.eu/de/topics/riskassessment/OiRA-Online-Risk-Assessment