Wecken Sie den schlafenden Riesen

Wolfgang Pichl

Es ist überliefert: Wilhelm II. war von der Zukunft des Automobils nicht überzeugt. Doch der Kaiser irrte. Als Carl Benz 1886 das Patent für sein „Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb“ erhielt, war das die Geburtsstunde einer der größten Erfindungen überhaupt. Nicht zuletzt seit diesem Zeitpunkt gelten die Deutschen als geniale Tüftler. Buchdruck, Fahrrad, Fernsprecher – Ideen aus unserem Land haben die Welt verändert. Darunter sind auch unzählige kleine Innovationen mit großer Wirkung. So wissen Fußballexperten, dass ohne die Schraubstollen für Fußballschuhe, die Adi Dassler 1953 erfand, das Wunder auf dem regennassen Rasen von Bern 1954 kaum möglich gewesen wäre.

Längst haben viele Unternehmer erkannt, dass man nicht jede für das Unternehmen gute Idee selbst haben muss, sondern dass auch in den Köpfen der Mitarbeiter viel Innovationspotential steckt. Wer also wissen will, wie man seinen Betrieb mit pfiffigen kleinen Einfällen in der Summe ein großes Stück voranbringt, muss die fragen, die das am besten wissen – die Mitarbeiter. Wirtschaftsinstitute sprechen in diesem Zusammenhang von einem schlafenden Riesen, da nach deren Schätzungen nur etwa 5.000 Unternehmen in Deutschland ein betriebliches Vorschlagswesen, oder neudeutsch „Institutionalisiertes Ideenmanagement“ haben. Das deutsche Institut für Betriebswirtschaft (DIB) veranschlagt den Nutzen aller eingereichter Ideen für die deutsche Wirtschaft im Jahr 2008 mit 28 Mrd. Euro. Dabei sieht das Institut durchaus noch Spielraum nach oben.

Vermutlich wusste das auch Alfred Krupp, der als erster Unternehmer ein betriebliches Vorschlagswesen einführte. Krupp fragte bereits 1877 seine Mitarbeiter gezielt nach Verbesserungsvorschlägen, die sie zu Papier bringen sollten.

Ganz so alt ist unser Förderpreis Arbeit - Sicherheit - Gesundheit nicht. Er wurde erstmals 1997 ausgelobt. Aber er verfolgt für den Bereich des Arbeitsschutzes genau die gleichen Ziele: gute Ideen sammeln, auszeichnen, bekannt machen, umsetzen und im Ergebnis einen wichtigen Beitrag für sichere und gesunde Arbeitsplätze leisten.

Insbesondere für die vielen kleinen und mittelständigen Unternehmen, die sich erfahrungsgemäß schwer mit der Einrichtung eines betrieblichen Vorschlagswesens tun, soll der Förderpreis Arbeit - Sicherheit - Gesundheit eine Plattform bieten, das in den Köpfen ihrer Beschäftigten bestehende Potential auszuschöpfen. Denn: gute Ideen sind beileibe kein Vorrecht für Beschäftigte aus großen Unternehmen.

Daher mein Appell an Sie: Machen Sie die Initiative bei Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bekannt und nutzen Sie die Unterlagen um gute Ideen zu sammeln und beim Förderpreis einzureichen. Um es deutlich zu sagen: Wir suchen keine nobelpreisverdächtigen Entwicklungen oder Patente. Die Erfahrung der vergangenen 15 Jahre zeigt, dass es oftmals die pfiffigen, einfachen Dinge sind, die unsere Arbeitswelt sicherer und gesünder machen.

Also: Wecken Sie den schlafenden Riesen in Ihrem Unternehmen und machen Sie mit beim Förderpreis Arbeit - Sicherheit - Gesundheit!

Herzlichst Ihr
Wolfgang Pichl