Arbeitssicherheit

Formel-1-Pilot Nico Rosberg setzt auf Fahrerassistenzsysteme am Arbeitsplatz

Sicherheit am Arbeitsplatz bedeutet auch sicher unterwegs zu sein. Auf dem Flughafen Tempelhof in Berlin erlebten rund 100 Fuhrparkmanager, wie man mit Fahrerassistenzsystemen (FAS) die Sicherheit erhöht und Kosten reduziert.

Unter der Schirmherrschaft von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer lud der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) zusammen mit der europäischen Sicherheitsinitiative eSafety Challenge die Teilnehmer ein, die Potenziale der Systeme in Theorie und Praxis zu erfahren.

Formel1-Pilot Nico Rosberg, der die Sys­teme live auf dem Rollfeld vorführte, kennt als Berufsrennfahrer das Potenzial von Fahrerassistenzsystemen: „Ich stelle immer sicher, dass mein Fahrzeug so gut ausgerüstet ist wie möglich. Man weiß nie, was hinter der nächsten Ecke passiert, egal wie sehr ich denke, ein guter Fahrer zu sein.“

60 Prozent aller tödlichen Arbeitsunfälle passieren im Straßenverkehr und Verkehrsunfälle sind die häufigste Todesursache bei Arbeitsunfällen. Da jedes zweite Auto in Deutschland ein Fuhrparkfahrzeug ist, hat der Einsatz von Fahrerassistenzsystemen für Fuhrparkmanager besondere Bedeutung. Für sie gilt: je mehr FAS in der Unternehmensflotte eingesetzt werden, desto sicherer der Arbeitsweg und desto mehr Kosten können eingespart werden.

Dazu führte Dr. Johann Gwehenberger, Leiter der Unfallforschung im Allianz Zentrum für Technik aus: „Fahrerassis­tenzsysteme erhöhen nicht nur die Sicherheit, sondern senken auch Unfallfolgekosten.“ Er sprach davon, dass mit der Fahrdynamikregelung und dem Abstandshalteassistenten jeweils rund sieben bis acht Prozent aller schweren Lkw-Unfälle vermieden werden könnten, mit dem Spurhaltesystem nochmals rund vier Prozent. Bei schweren Lkw mit mehr als 7,5 Tonnen Gesamtgewicht betrügen die durchschnittlichen Unfallkosten pro Schaden, die nicht von der Versicherung gedeckt sind, etwa 2900 Euro. Nach einer Allianzuntersuchung könnten beispielsweise 560.000 Bagatellschäden durch ein Low-speed-Not-bremssystem vermieden werden, wie es Tobias Petri von Continental in einem Volvo vorstellte. Der Abstandsregler (ACC Adaptive Cruise Control) ist auf Geschwindigkeiten um Tempo 25 ausgelegt, hilft im Stop-and-go-Verkehr.

Wenn’s wirklich ernst wird, kennt der von Bosch-Mitarbeiter Christian Niebuhr vorgeführte Notbremsassistent kein Pardon: Bleibt trotz Warnhinweisen eine Reaktion des Fahrers aus, startet er die Notbremsung, aktiviert die Sicherheitssysteme des Fahrzeugs, um die Aufprallgeschwindigkeit zu vermindern. Beeindruckend, wie das Auto bei rund 80 Stundenkilometern auf dem nassen Rollfeld in Tempelhof wenige Zentimeter vor der an einem Ausleger vorherfahrenden Attrappe abbremst. Und Instruktor Mathias Lewandowski von Hyundai führt dem Beifahrer eindringlich vor Augen, wie ein durchschnittlicher Autofahrer mit dem elektronischen Stabilitätsprogramm ESP Gefahrensituationen meistern kann, die ohne nicht mehr beherrschbar wären.

Rainer Bomba, Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, dazu: „Moderne Fahrerassistenzsysteme können in kritischen Situationen einem möglichen Fehlverhalten entgegenwirken. In den nächsten Jahren werden deshalb zahlreiche Assistenzsysteme für Fahrzeuge verpflichtend eingeführt.“

Assistenzsysteme bald Vorschrift in Lkw

Während der Testveranstaltung konnten die Teilnehmer nicht nur das ab 2014 in allen Neuwagen gesetzlich vorgeschriebene ESP in der Praxis testen, sondern auch weitere Systeme der neuen Generation unter die Lupe nehmen. Spurhalte- und Notbremsassistent sind von 2015 in neu zugelassenen Bussen und Nutzfahrzeugen von 3,5 Tonnen an vorgeschrieben. Markus Fach von der Daimler AG brachte auf den Punkt, was die anderen Experten mit Kopfnicken quittierten: „Sicher wäre ein aktives System für die Problematik des toten Sichtwinkels möglich, aber wir dürfen den Fahrer am Ende nicht überfordern, er muss die regelnden Eingriffe noch intuitiv verstehen können.“ Letztlich müsse die Verantwortung beim Fahrer bleiben. Die FAS dürften nicht zu einem überhöhten Sicherheitsgefühl führen.

Bislang sind es meist passive Systeme, die zum Einsatz kommen. Die Zukunft: elektronische Helfer wie der Intelligent Speed Assist (ISA). Intelligente Geschwindigkeitsbegrenzer sollen Informationen aus Schildererkennung oder Karten nutzen, um das Tempo vernünftig anzupassen.

Jörg Nierzwicki, BG RCI

Auf regennassem Rollfeld zeigen die Bremsassistenzsysteme eindrucksvoll, was sie leisten.
Auf regennassem Rollfeld zeigen die Bremsassistenzsysteme eindrucksvoll, was sie leisten.
Schätzt Fahrerassistenzsysteme: Formel 1-Star Nico Rosberg in Tempelhof.
Schätzt Fahrerassistenzsysteme: Formel 1-Star Nico Rosberg in Tempelhof.

Fotos (2): BG RCI, jön

 
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