Technik | IAA Nutzfahrzeuge

Raus aus der Nische bei der Nordbau:Nutzfahrzeuge auf neuem Gelände

Nutzfahrzeuge für die Baubranche führten auf der Nordbau in Neumünster bislang ein Nischendasein. In diesem Jahr standen den schweren Lkw, Anhängern und Werkstattwagen 6.000 zusätzliche Quadratmeter auf dem Freigelände Süd zur Verfügung. Diese Chance nutzten renommierte Hersteller wie der Kipperhersteller Dautel, um sich auf der Messe näher am Kunden zu präsentieren. Die Kundennähe ist für viele Aussteller ein ausschlaggebender Punkt, sich bei regionalen Veranstaltungen wie der norddeutschen Baufachmesse zu engagieren. Ein Rundgang von Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen mit Stationen bei Erdbaumaschinenherstellern wie Volvo Construction Equipment unterstrich das persönliche Flair.

Luftaufnahme Messegelände

Rund 68.800 Besucher überzeugten sich von den vielfältigen Exponaten der über 900 Aussteller aus dem In- und Ausland auf rund 69.000 Quadratmetern im Freigelände und 20.000 Quadratmetern Hallenfläche. „Die NordBau hat für uns als Leit-Messe mit einem zunehmend größerem Einzugsgebiet und dennoch nach wie vor familiäre Atmosphäre eine ganz besondere Bedeutung“, sagte auch Zeppelin- Geschäfts­führer Michael Heidemann.

Weitere interessante Diskussionsthemen auf der Nordbau waren in diesem Jahr die anstehenden Verkehrs- und Bauprojekte wie die Fehmarnbelt-Querung oder der neue Containerumschlagplatz in Wilhelmshaven. Auch neue Autobahnanbindungen wie die  A20 mit  integrierter Elbquerung zeigen die Bedeutung des Nordens für eine zukunftweisende Verkehrsinfrastruktur. „Nicht nur der Straßenbau, die gesamte Baukonjunktur hat stark angezogen“, bekräftigt Jürgen Martiens, LeiterVertrieb der Bomag GmbH, „somit ist auch die Investitionsbereitschaft unserer Kunden deutlich gestiegen.“ Bemerkenswert sei, ergänzte Martiens, die hohe Zahl der Fachbesucher.

Unmengen an Beton für Fehmarnbelt-Querung

Den Bedarf  von „Unmengen an Beton und Stahl“ prophezeite Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Jost de Jager während der Messe-Eröffnung für den Bau der geplanten Fehrmarnbelt-Querung. Für die Branchen Beton und Zement der Baustoffindustrie könnte deshalb interessant sein, wo nach dem Ende der Planungsphase die sogenannten Bauhäfen für das Projekt eingerichtet werden. Jost de Jager präferiert die Standorte Kiel und Lübeck, sieht aber innerdeutsch Rostock auch als Mitbewerber. 300 Arbeitsplätze könnten an den Standorten entstehen, wo die Betonteile für eine Brücke oder einen Tunnel  gegossen werden sollen.

Sollten sich die deutschen Vorschriften, Gesetze und Genehmigungsverfahren jedoch als so widerspenstig erweisen, wie sie der Direktor der Fehmarnbelt-Querung, Peter Lundhus aus Kopenhagen, beschrieb, müssten die deutschen Bewerber wohl mit einem Standortnachteil kämpfen. „Der Bau der Brücke oder des Tunnels wird dagegen die einfachste Sache”, sagte Lundhus. „In Deutschland ist es ein administrativer, in Dänemark nur ein politischer Prozess“, kommentierte er ironisch das Herangehen an die Entscheidungen für das wichtigste nordeuropäische Verkehrsprojekt. „Ohne A20 macht die Querung keinen Sinn“, bekräftigte der Berliner Verkehrsstaatssekretär Jan Mücke ein weiteres Bauvorhaben. „Der Bund steht hinter der A20, auch finanziell.“

Niedersachsens Verkehrsminister Jörg Bode schloss sich  der Zustimmung seiner Kollegen zu den überregionalen Verkehrsprojekten inklusive der nach den Worten von Mücke schon sicheren Elbvertiefung an. Nur beim geplanten niedersächsischen Tiefwasserhafen JadeWeserPort in Wilhelmshaven fehlt wohl momentan der richtige Schub. Der US-Ölkonzern ConocoPhillips erwäge den Verkauf seiner Raffinerie, anstatt die nicht mehr wettbewerbsfähige Anlage zu modernisieren. Die Raffinerie, eine der größten in Deutschland, ist seit Oktober 2009 geschlossen, nachdem die Nachfrage gesunken war. Für Wilhelmshaven geht es mit der Raffinerie um etwa ein Drittel des Ölumschlages.

Norddeutsche Baustoffe für das „Wohlfühlhaus“

Traditionell nahmen bei der 55. Nordbau Produkte rund um den Hausbau von der Heizung bis zum Dachziegel einen großen Raum ein. Bei der Sonderschau „Das Wohlfühlhaus“ spielten Baustoffe wie norddeutscher Backstein oder Kalksandstein eine wichtige Rolle für das Wohlbehagen in neuen oder modernisierten Häusern. Der Clou: Von der Energietechnik bis zur Fassadengestaltung konnte der Besucher alles an einem Schnitt durch ein Haus in Originalgröße bewundern.

Detectino: Leitungssuche leicht gemacht

Verborgenes sichtbar machen, das ist die Aufgabe des Detectino. Während der Bauma in München stand das auf einen Mini-Lkw montierten Leitungsortungsgerät am Gemeinschaftsstand der Berufsgenossenschaften.  In Neumünster wurde nun der praxisreife Prototyp als erstes Produkt während des Ausstellungsrundgangs den Politikern präsentiert. Jahr für Jahr entstehen Millionen Versicherungsschäden durch die versehent-

liche Zerstörung von unterirdischen Leitungssystemen und Kanälen bei Tiefbauarbeiten aller Art. Der von mehreren Firmen und Forschungseinrichtungen entwickelte und für den Bauma Innovationspreis nominierte Detectino hilft präventiv. Das Sys-

tem besitzt ein Georadarsystem, das von einer herkömmlichen elektromagnetischen Sensorplattform unterstützt, ein „Röntgenbild“ des Untergrunds liefert. Kunststoff-, Beton- oder Steinzeugleitungen werden so zentimetergenau geortet. Der Hannoversche Bauspezialversicherer VHV unterstützt aus gutem Grund das Projekt.

Ackermann Fahrzeugbau mit Messeidee

„Vor einem Jahr kam der Kunde mit seinem Wunsch während der NordBau zu uns, jetzt steht das Produkt als Weltpremiere hier.“ Thomas Maasberg präsentiert auf dem Südgelände einen Tieflader für die Bauwirtschaft, der ohne Zugmaschine be- und entladen werden kann: Statt der sonst üblichen vom Zugfahrzeug versorgten Hydraulik sorgen Elektromotoren über Planetengetriebe für die Bewegung der Auffahrrampen. Maasberg spricht von der Geld- und Zeitersparnis der Konstruktion. „Niemand muss mehr auf das Zugfahrzeug warten, bis aufgeladen werden kann. Andererseits ist der Lkw schon wieder beim nächsten Auftrag, während an der Baustelle noch abgeladen wird“, sagte der geschäftsführende Gesellschafter. Ein Freilauf sorgt dafür, dass die Rampen nach der stabilen Auflage auf dem Boden das Fahrzeug nicht anheben. Die Spezialisten für Anhänger und Aufbauten zeigten bei der Nordbau auch clevere Detaillösungen zur Ladungssicherung und dem ergonomischen und verschleißsicheren Transport von Zurrmaterial.

Thomas Maasberg zeigt den neu konstruierten Antrieb der Rampen am Tieflader von Ackermann Fahrzeugbau.
Thomas Maasberg zeigt den neu konstruierten Antrieb der Rampen am Tieflader von Ackermann Fahrzeugbau.

Mercedes-Benz kommt mit Holcim-Versuchsträger

Süverkrüp+Ahrendt zeigte als lokaler Mercedes-Benz-Partner unter anderem einen Betonmischer-Axor mit leichterem Chassis und so zwei Tonnen mehr Nutzlast. Ein Versuchsträger im Design des Zement- und Transportbetonanbieters Holcim. „Als Messepartner der ersten Stunde sind wir hier als Shop-in-Shop-Anbieter vertreten“, erklärte Geschäftsführer Wolf-Dieter Niemann. So standen neben den großen Lkw unter anderem Werkstattwagen mit den Fahrzeugeinrichtungen von Bott. Hier war zu erfahren, dass Bott während der IAA Nutzfahrzeuge in Hannover Neues zum Thema Ladungssicherung präsentieren werde. Wer mehr zu diesem Thema erfahren wollte, fand nebenan den Stand von StoreVan (Fami) Deutschland, ebenfalls vertreten von einem regionalen Partner, der Nordsysteme Fahrzeugausstattungen.

Fachleute der Deutschen Lehranstalten für Agrartechnik (Deula) demonstrierten auf dem Freigelände einfache Methoden zur richtigen Sicherung von Ladung und boten dazu Bremsproben mit Kleintransportern und Anhängern sowie einen Geländeparcours an.

Dautel das erste Mal dabei

Dautel-Verkaufsleiter Markus Leonhard präsentierte mit seinem Kollegen den neuen Dreiseitenkipper DK 4.56. Der in Längen von 5,60 und 6,10 Meter erhältliche Kipperaufbau verbindet ein Mehr an Nutzlast mit einer höheren Stabilität und Verbesserungen bei Handhabung und Optik. „Für mögliche höhere Anforderungen an die Ladungssicherung haben wir Vorsorge getroffen“, erklärte Leonhard: Die Kipper sind auf Wunsch mit einer aufrollbaren Abdeckplane für den Aufbau sowie beispielsweise in den Boden eingelassene Zurrösen oder eine Auftstiegsleiter erhältlich. Scania und Volvo statten ihre Fahrzeuge ab sofort mit unterschiedlichen Aufbauten von Dautel aus.

Maik Wenker im Lieferwagen mit StoreVan-Einbau, dahinter die Kipper von Dautel.
Maik Wenker im Lieferwagen mit StoreVan-Einbau, dahinter die Kipper von Dautel.

Mercedes Sprinter und Mitsubishi Canter kommen als leichte Lkw ab Werk bereits mit dem Alu-Dreiseitenkipper.

Creditreform mit neuer Warenkreditversicherung

Wer mit der anziehenden Baukonjunktur in neue Erdbaumaschinen investiert, muss auch sicher sein, dass die damit erbrachten Leistungen von den Kunden termingerecht bezahlt werden, damit die Liquidität des Unternehmens erhalten bleibt. Durch ein professionelles Forderungsmanagement wird die Liquidität verbessert und gesichert. „Jetzt neu zur Nordbau können wir mit der Warenkreditversicherung Bau ein passgenaues Instrument zu diesem Zweck anbieten“, sagte Christian Weis von Creditreform, Niederlassung Neumünster.

Mit dem Wirtschaftsdienstleister besteht schon länger eine informative Zusammenarbeit. So wird Jörg Rossen, Mitglied der Geschäftsleitung des Verbandes der Vereine Creditreform, bei den beiden nächsten protecT-Veranstaltungen der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie das Thema Liquidität für Mittelständler ausführlich und zielgenau behandeln

Jörg Nierzwicki, BG RCI

Thomas Weber (Baumaschinen Könicke) nimmt Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (rechts) auf die Volvo-Schippe.
Thomas Weber (Baumaschinen Könicke) nimmt Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (rechts) auf die Volvo-Schippe.