Arbeitssicherheit

Hinweise zum richtigen Verhalten auf Steiggeräten

Leiterunfälle mit schwerwiegenden Folgen

„Herr A. hat auf einer Anlegeleiter stehend, Reinigungsarbeiten an der Mischanlage vorgenommen. Dabei rutschte er von der Leiter ab und verletzte sich das linke Sprunggelenk."

„Bei Reparaturarbeiten am Elevator rutschte Herr B. in einer Höhe von einem Meter auf der Leiter stehend aus und stürzte zu Boden. Dabei brach er sich das rechte Fersenbein."

Das sind Schilderungen aus Unfallanzeigen, wie sie unsere Berufsgenossenschaft fast täglich erreichen. In beiden Fällen wurde von den Ärzten eine geschlossene Fraktur diagnostiziert und die voraussichtliche Arbeitsunfähigkeit bei der Sprunggelenkfraktur mit rund 8 bis 10 Wochen und bei der Fersenbeinfraktur mit etwa 26 Wochen angegeben.

Jährlich gibt es rund 26.000 Arbeitsunfälle mit Leitern in der gewerblichen Wirtschaft. Diese sind bezogen auf die Gesamtheit aller Arbeitsunfälle zwar nur rund drei Prozent. Betrachtet man jedoch die durchschnittlichen Unfallfolgen, so erscheint der geringe Prozentsatz in einem anderen Licht: Denn bei rund jedem elften Leiterunfall sind die Unfallfolgen so schwerwiegend, dass dem Verletzten eine Unfallrente zugesprochen wurde. Etwa 20 Leiterunfälle hatten sogar tödliche Verletzungen zur Folge. Insgesamt stehen Leiterunfälle in der gewerblichen Wirtschaft auf Platz 1 der Absturzunfälle.

Auch in der Branche Baustoffe - Steine - Erden gibt es immer wieder schwere Leiterunfälle. So waren im letzten Jahr bei 20 Leiterunfällen die Verletzungsfolgen so schwerwiegend, dass befristet oder dauerhaft eine Verletztenrente gewährt werden musste. 2007 war sogar ein tödlicher Leiterunfall zu beklagen.

Was sind die Ursachen?

Die Unfälle sind zu über 95 Prozent auf die Benutzung von Anlege- und Stehleitern zurückzuführen. Das Versagen von Leiterteilen, beispielsweise Brechen eines Holmes, einer Sprosse oder anderer Bauteile, spielt eine eher untergeordnete Rolle. Häufige Unfallursachen dagegen sind:

Leitern werden unterschätzt

Viele denken, dass Personen aus großen Höhen mit der Leiter umkippen oder ab¬stürzen. Das ist eher seltener der Fall. Die meisten Unfälle – auch mit schwerwiegendsten Verletzungsfolgen – sind Stürze aus ein bis zwei Metern Höhe. Von vielen werden diese vermeintlichen geringen Höhen nicht ernst genommen. Sie sind der Meinung, man könne im Fall eines Falles abspringen. Bei großen Höhen fühlt man sich dagegen selbst schnell unsicher und passt automatisch besser auf. Die vermeintlich geringe Absturzhöhe wird dagegen einfach unterschätzt. Ein Irrturm mit häufig fatalen Folgen.

13 Regeln für einen sicheren Umgang mit Leitern

Zunächst gelten diese grundsätzlichen Festlegungen:

Bevor eine Anlege- oder Stehleiter als Verkehrsweg zu einem hochgelegenen Arbeitsplatz oder als Arbeitsplatz bereit gestellt und benutzt werden kann, muss der Unternehmer mit einer Gefährdungsbeurteilung ermitteln, ob nicht ein anderes Arbeitsmittel für den Zweck und den Verkehrsweg sicherer ist (Gerüst, fahrbare Hubarbeitsbühne, Treppen, Rampen, Aufzüge). Nur bei Tätigkeiten, die nicht länger als zwei Stunden dauern, können Leitern Gerüste oder Arbeitsbühnen ersetzen. Arbeiten auf Anlegeleitern sind nur ausnahmsweise erlaubt, wenn sich der Standplatz nicht höher als sieben Meter über dem Boden befindet.

  1. Nur geeignete Leitern benutzen! (Keine beschädigten Leitern oder Tritte oder Leitern mit verschmutzten Sprossen oder Tritten einsetzen).
  2. Leitern nur auf ebenen, tragfähigen und rutschsicheren Böden aufstellen.
  3. Auf weichen, gewachsenen Böden Erdspitzen zur Sicherung verwenden, auf harten Böden rutschsichere Leiterfüße, wie Gummifüße.
  4. Leitern im richtigen Winkel anlegen, 65 bis 75 Grad. (Den richtigen Anstellwinkel bei Anlegeleitern kann man einfach mit der „Ellenbogenmethode" überprüfen. Dazu stellt man sich seitlich mit einem Bein gegen die unterste Sprosse und streckt zur gleichen Seite den angewinkelten Arm aus. Berührt nun die Ellenbogenspitze den Leiterholm oder eine Sprosse, ist der Anlegewinkel in Ordnung.)
  5. Anlegeleitern müssen mindestens einen Meter höher sein als die zu besteigende Fläche.
  6. Von Stehleitern aus nicht auf Bühnen oder andere höher gelegene Plätze übersteigen. (Durch das Übersteigen wirken seitliche Kräfte auf die Leiter, wodurch die Stehleiter leicht umkippen kann.)
  7. Bei Mehrzweckleitern ist die fünfte Sprosse von oben die höchste zulässige Standsprosse, bei Anlegeleitern die vierte.
  8. Bei Arbeiten auf der Leiter nicht seitlich hinauslehnen.
  9. Maximale Belastung laut Herstellerangaben beachten. Bei Überlastung könnte die Leiter wegrutschen oder brechen.
  10. Bei Stehleitern müssen die Spreizsicherungen (Ketten, Gurt) immer gespannt sein. Stehleitern wegen der Kippgefahr nie als Anlegeleitern benutzen.
  11. Bei mehrteiligen Leitern müssen die Einrastvorrichtungen vorhanden sein und verwendet werden.
  12. Bei beidseitig begehbaren Stehleitern darf die oberste Sprosse nicht bestiegen werden.
  13. Anlegeleiter nicht an unsichere Punkte wie Stangen, Drähte oder Glasscheiben anlegen.

Wolfgang Pichl, BG RCI

Den richtigen Anstellwinkel bei Anlegeleitern kann man einfach mit der „Ellenbogenmethode" überprüfen.
Den richtigen Anstellwinkel bei Anlegeleitern kann man einfach mit der „Ellenbogenmethode" überprüfen.
 
Weitere Informationen

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Weitere Informationen erhalten Sie in unserem Praxishandbuch Baustoffe - Steine - Erden in Kapitel A 3.3 sowie in der DIN EN 131-1 und 2 „Leitern“.

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