Helmut Ehnes

Neue Wege braucht das Land

Die Krise scheint überstanden. Deutschland ist gut aus den Startblöcken des Nachkrise-Rennens gekommen. Die Konjunkturprogramme haben gewirkt. Aus vielen Bereichen der Wirtschaft häufen sich die positiven Nachrichten über volle Auftragsbücher. Die Straßen sind wieder voll. Die Megaliner kommen. Die IAA Nutzfahrzeug-Messe verkündet Aufbruchstimmung. Die Globalisierung schreitet voran. An vielen Stellen im Land wird gebaut – es wird in Infrastruktur investiert. Es entstehen neue Jobs, die Bundesagentur für Arbeit braucht weniger Steuermittel. Fachkräfte und Ingenieure werden knapp. Sogar die Bauindustrie wird einmal wieder als Konjunkturmotor bezeichnet. Es geht aufwärts! Ist also alles in Butter?

Ein Blick auf unsere Unfallstatistik des ersten Halbjahres 2010 legt den Verdacht nahe, dass nicht alles in Ordnung ist. Die Unfallzahlen im ersten Halbjahr sind angestiegen. Unsere Mitarbeiter müssen viel zu oft schwere oder gar tödliche Unfälle untersuchen. Bleibt also der Arbeitsschutz im Aufschwung auf der Strecke? Gewiss – wir haben in den letzten Jahren viel erreicht. Das sollten wir nicht aufs Spiel setzen, indem wir jetzt nachlassen in unseren gemeinsamen Anstrengungen für sichere Arbeitsplätze.

Es ist menschlich, Problematisches zu verdrängen und sich wieder den positiven Dingen zuzuwenden. Es ist aber auch gefährlich. Wir alle wissen, dass ein „Weiter so“ riskant ist. Wir erwarten, dass alles getan wird, um eine Neuauflage dieser dramatischsten Wirtschaftskrise der neueren Geschichte zu verhindern – dass also die Lehren und die Konsequenzen daraus gezogen werden. Aber sind wir eigentlich selbst bereit, neue Wege zu beschreiten oder erwarten wir es immer nur von den anderen?

Wir alle sollen für Neues offen sein. Lebenslanges Lernen ist gefordert. Wir müssen flexibel sein und mobil. Wir müssen über die Grenzen blicken. Auch die Unfallversicherung verändert sich: aus 35 werden neun große Berufsgenossenschaften entstehen. Veränderungsprozesse müssen gestaltet werden. Und auch in den Betrieben gilt es, sich krisenfest aufzustellen. Doch hat man dafür Zeit oder überlagert wieder einmal das Tagesgeschäft die strategische Erneuerung, von der man genau weiß, dass sie eigentlich notwendig ist?

Ich appelliere heute an uns alle: Nehmen wir uns die Zeit für neue Wege! Verändern wir gemeinsam das Notwendige. Nehmen wir unsere Verantwortung für die Sicherheit der Arbeitsplätze und für sichere Arbeitsplätze gemeinsam wahr. Die Erkenntnis, dass Qualität, Wirtschaftlichkeit und Sicherheit keine Gegensätze sind, sondern untrennbar zusammengehören, ist heute nicht mehr bestreitbar. Auch in der neuen Berufsgenossenschaft BG RCI wollen wir ihnen mit Bewährtem und Neuem helfen, ihrer verantwortungsvollen Aufgabe gerecht zu werden. Wir bieten ihnen ein umfassendes Beratungs- und Serviceangebot: vom Gütesiegel „Sicher mit System“ bis zum Prämiensystem, vom Förderpreis für Innovationen bis zum Mittelstands-Check, vom passgenauen Seminarangebot bis zur individuellen Beratung. Wenn sie diese Angebote nutzen, die notwendigen Entscheidungen treffen und gemeinsam mit uns die Veränderungsprozesse gestalten, werden wir die Früchte gemeinsam ernten: weniger Unfälle, bessere wirtschaftliche Ergebnisse und eine krisensichere Zukunft. Lassen sie uns also die neuen Wege gemeinsam gehen.

Ihr
Helmut Ehnes