Unternehmensführung

Im Coaches Camp – ein Selbstversuch

Thomas Wessinghage macht für die Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie betriebliche Gesundheitsmanager fit für den Alltag. Ob ein Gesundheitstag im Unternehmen organisiert werden soll, die Gemeinschaftsverpflegung optimiert oder eine Betriebssportgruppe ins Leben gerufen werden soll, die Seminarteilnehmer wurden mit praktischen Übungen und in informativen Weiterbildungseinheiten auf diese Aufgabe vorbereitet.

Als schwierigste Aufgabe erwies sich für mich das Kofferpacken. Ich verzweifelte weniger an den schwer abwägbaren Wetterverhältnissen des Spätsommers am Tegernsee.  Vielmehr an Gedanken wie „Eine Nordic-Walking-Tour bei strömendem Regen und alles ist pitschnass, also muss trockener Ersatz für weitere Außentrainings mit; Badeanzug und -latschen für die Aquafitness, Klamotten fürs Krafttraining, dann noch für eine abendliche Fackelwanderung in den Bergen …“. Kurzum: Mit meinem Gepäck hätte ich auch vier Wochen statt vier Tage in Bad Wiessee bleiben können.

Wir mussten nicht im Dauerregen joggen, waren nicht mehrmals täglich durchgeschwitzt und es herrschte kein Ausstattungswettbewerb wie häufig bei ambitionierten Sportveranstaltungen – eher ein lässiges „Eine Sporthose geht doch für alles“ (was man auch nicht übertreiben muss). Das liegt vor allem daran, dass Menschen, die sich mit betrieblichem Gesundheitsmanagement  beschäftigen, wie alle anderen sind:  durchschnittlich sportlich, mit Ausschlägen in die eine und in die andere Richtung. So kamen im Coaches Camp der BG RCI ambitionierte Marathonläufer und eher weniger sportliche Menschen zusammen. Trotzdem kam jeder Einzelne des guten Dutzend Teilnehmer auf seine Kosten.

Dieser Spagat gelingt dem sehr professionellen Team um Thomas Wessinghage, das die BG RCI zur Fortbildung der Gesundheitsmanager ihrer Mitgliedsbetriebe gewinnen konnte. Überaus professionell – gepaart mit dem gewissen Promifaktor, den der ehemalige Profi-Langstreckenläufer mitbringt – wird hier jeder Teilnehmer gleichermaßen ernst genommen und individuell beraten: Videoaufnahmen des  Laufstils, eine umfangreiche Erfassung der biometrischen Daten sowie ein sportmotorischer Funktionstest  sorgen bei den Teilnehmern für Aha-Effekte und bei den Sportwissenschaftlern für die Basis individueller Trainingsempfehlungen.  Folgerichtig reicht die Bandbreite der Ratschläge von „Spaziergänge mit dem Hund sind besser als gar keine Bewegung“ bis hin zur detaillierten Vorbereitung auf einen (Halb-)Marathon.

Defizite einfühlsam aufarbeiten

Das Beste daran:  Die selbst ungemein gesund aussehenden Trainer – allesamt in Wessinghages Team am Medical Park Bad Wiessee St. Hubertus beschäftigt – vermitteln einfühlsam, dass jeder individuelle Fitnessgrad in Ordnung ist, aber auch ab sofort verbesserungswürdig. Es muss sich also niemand seiner mangelnden Ausdauer, Kraft oder Beweglichkeit schämen. Es lernt aber auch jeder Einzelne sehr genau, wo seine Defizite liegen. Und was passiert, wenn er daran nichts ändert. Hierzu nun findet insbesondere Wessinghage klare Worte – und viele Fakten. Drastisch stellt er die Folgen mangelnder Bewegung und falscher Ernährung für den Einzelnen und für die Gesellschaft dar. Das Gesagte gilt natürlich auch für Betriebe. Was dort für die Gesundheit der Beschäftigten getan werden kann und muss, ist neben der persönlichen Beratung der zweite rote Faden des Seminars. Aufschlussreich sind hierzu nicht nur Vorträge wie „Stressregulationstechniken“, „Organisation von Gruppenangeboten“, „Motivation“ und „Gesunde Ernährung“, sondern auch der Erfahrungsaustausch unter den Teilnehmern.

Nach vier Tagen habe ich viel über den menschlichen Körper im Allgemeinen gelernt, aber auch im Speziellen: Endlich habe ich den Grund für meine chronischen Kniebeschwerden erfahren und was ich dagegen tun kann. In den Genuss einer so umfassenden sportwissenschaftlichen Beurteilung kommt jenseits des Spitzensports so leicht kein Mensch.

Darüber hinaus nehme ich eine Reihe aktueller, praxistauglicher Empfehlungen für einen gesunden Lebensstil mit, die ich für mich selbst nutzen und als Multiplikator in die Belegschaft tragen kann. Sollte ich damit auf persönlicher oder betrieblicher Ebene scheitern, wäre dafür sicherlich nicht die Qualität des Seminars verantwortlich – die Umsetzung liegt nun in meiner Hand. Der kurzfristige Effekt ist jedenfalls überzeugend: Nach dem Training im Coaches Camp erscheint mir mein mit viel unbenutzter Kleidung vollgestopfter Koffer viel leichter als auf dem Hinweg.

Miriam Becker, Universum Verlag

 
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