Zementindustrie: Mitgliederversammlung von BDZ und VDZ in Baden-Baden

Auf der diesjährigen Mitgliederversammlung des Bundesverbandes der Deutschen Zementindustrie (BDZ) und des Vereins Deutscher Zementwerke (VDZ) am 14. Mai 2009 in Baden-Baden berichtete Hauptgeschäftsführer Dr. Martin Schneider über die aktuelle Lage und die spektiven des Zementmarktes/vor/ dem Hintergrund der derzeitigen Wirtschaftskrise sowie über die energie- und umweltpolitischen Herausforderungen der Branche.

Baunachfrage und Marktpotenziale

Im Jahresrückblick zeigt sich, dass der Zementverbrauch im Jahre 2008 entgegen der Erwartungen nicht zugenommen hat. Bedingt durch die Wirtschaftskrise stagnierte er bei 27,3 Millionen Tonnen. Die Prognose für 2009 geht von einem deutlichen Rückgang aus. Insbesondere dämpft die Krise im Wohnungs- und Wirtschaftsbau den Zementabsatz. Inwiefern Infrastrukturmaßnahmen in den jeweiligen Konjunkturpaketen den Zementabsatz stützen, bleibt abzuwarten. Auch wenn die beiden Konjunkturpakete der Bundesregierung insgesamt ein Volumen von 82 Milliarden Euro aufweisen, bleiben hiervon letztlich nur 13,8 Milliarden für 2009 und 2010 an zementrelevanten Investitionen. Hieraus sollten sich Zusatzmengen von 1,5 Millionen Tonnen Zementverbrauch pro Jahr ergeben. Für 2009 wird allenfalls mit einer Zusatzmenge von 750 000 Tonnen gerechnet.

Für die Zementstandorte wird sich in 2009 der Rückgang der Zementexporte als Belastung auswirken. Mit 8,3 Millionen Tonnen wurde in 2008 beim Export der Rekordwert aus dem Vorjahr leicht unterschritten. Im Vergleich der Marktsegmente erweist sich der Wohnungsbau zunehmend als Wachstumsbremse. Die Fertigstellungen im Neu- und Bestandsbau stagnieren bei unter 200.000 Wohneinheiten pro Jahr. Der mittelfristige Bedarf von etwa 250.000 Wohneinheiten pro Jahr wird nicht gedeckt. Impulse durch die „Immobilien für die Altersvorsorge“ sind erst zu einem späteren Zeitpunkt zu erwarten. Bei den Infrastrukturmaßnahmen erhöhen sich die Investitionen des Bundes auf 12 Milliarden Euro in den Folgejahren. Es wird darauf ankommen, dieses Investitionsvolumen zu verstetigen und auch nach Ablauf der jetzigen Konjunkturpakete auf ein vergleichbares Niveau hinzuwirken.

Architektur und Marketing

Die Zementindustrie hat sich auch im vergangenen Jahr in den Bereichen Architektur und Marketing engagiert. Der Architekturpreis Beton wurde erstmalig in Partnerschaft mit dem Bund Deutscher Architekten (BDA) vergeben. Die Förderung junger Studenten erfolgt im Wettbewerb „Concrete Design Competition“ und spricht europaweit junge Studenten an, die Interesse haben, mit Beton als Baustoff umzugehen.

Energiepreise und Emissionshandel

Im Hinblick auf die Standortbedingungen für die deutsche Zementindustrie wird es auch zukünftig darauf ankommen, staatlich induzierte Kosten der Zementherstellung im Auge zu behalten. Von den umfangreichen Steuern, die insgesamt zu einem erheblichen Kostenblock führen (Brennstoffsteuer, Stromsteuer, KWKG-Umlage und EEG-Umlage) konnte zuletzt die Höhe der EEG-Umlage stabilisiert werden. Die Ausgleichsregelung kann für die Unternehmen weiterhin in Anspruch genommen werden, wenn sie ihre Anstrengungen zur Minimierung des Energieverbrauchs durch ein Energiemanagement mit entsprechendem Zertifikat nachweisen.

Weltzementmenge – Entwicklung bis 2050

Weltweit wird die Zementindustrie mit der weiterhin starken Zunahme der Zementproduktion konfrontiert sein. Bis zum Jahre 2050 ist mit einer Weltzementmenge von mehr als 4 Milliarden Tonnen pro Jahr zu rechnen. Offen bleibt die Frage, wie die absoluten C02-Emissionen, die hiermit einhergehen, begrenzt bzw. vermindert werden können. Im Hinblick auf die C02-Emissionen entlang der Wertschöpfungskette wurde der spezifische C02-Ausstoß pro Tonne Klinker in den letzten 50 Jahren deutlich reduziert. Über die Verringerung des Zementklinkerfaktors hat es eine darüber hinausgehende Verminderung im Zement und letztlich auch pro Kubikmeter Beton gegeben. Offen bleibt die Frage, inwieweit der Klinkerfaktor auch zukünftig weiter abgesenkt werden kann. Vordem Hintergrund begrenzter Hüttensandmengen kommt ohne Frage der Steinkohlenflugasche Bedeutung zu. In aktuellen Forschungsvorhaben im Forschungsinstitut werden beispielsweise die Leistungspotenziale von Flugasche als Zementhauptbestandteil weiter untersucht.

Inwiefern die Abscheidung von C02 und die unterirdische Verbringung zukünftig eine Lösung der C02-Frage darstellt, bleibt offen. Fest steht, dass es auf europäischer Ebene mittlerweile eine Richtlinie gibt, die die geologische Speicherung von C02 regelt, indem Genehmigungsverfahren, Betrieb und Überwachung und auch die spätere Still-legung von C02-Speichern angesprochen werden. Der VDZ hat gemeinsam mit den Mitgliedern der European Cement Research Academy (ECRA) ein Projekt über CCS (Carbon Capture and Storage) ins Leben gerufen. Noch ungeklärt ist die Frage, ob die Zementindustrie in der nun folgenden Phase auch eine Pilot- bzw. Demonstrationsanlage für die CO2-Abspeicherung in Angriff nehmen soll.

www.bdzement.de

BDZ-Präsident Andreas Kern (Mitte), VDZ-Vorsitzender Gerhard Hirth (r.) und Hauptgeschäftsführer Dr. Martin Schneider (I.) leiteten die Mitgliederversammlung
BDZ-Präsident Andreas Kern (Mitte), VDZ-Vorsitzender Gerhard Hirth (r.) und Hauptgeschäftsführer Dr. Martin Schneider (I.) leiteten die Mitgliederversammlung