Neue Wege gehen!

Helmut Ehnes

Am 1. Januar 2010 beginnt für die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft eine neue Zeitrechnung. Nach fast 125 Jahren (gegründet am 21. Mai 1885) geht eine Ära zu Ende, die bis dahin alle Wirren der Zeit überstanden hatte. Ob Wirtschaftskrisen oder Kriege, ob Währungsreform oder Wiedervereinigung, ob Monarchie oder Weimarer Republik, ob Diktatur oder Demokratie – die von den Arbeitgebern und Arbeitnehmern der Steine und Erden-Industrie eigenverantwortlich gelenkte Steinbruchs-BG hat bis heute alles überlebt. Aus Krisen ist sie gestärkt hervorgegangen. Nur der Reformeifer der großen Politik war in der Lage, mit dem Modernisierungsgesetz für die Unfallversicherung diese erfolgreiche Ära jetzt zu beenden. Da sind wohl ein wenig Wehmut und eine Träne erlaubt.

Aber die „gute alte Dame Steinbruchs-Berufsgenossenschaft“ wäre nicht das, was sie war, hätte sie nicht immer auch neue Wege beschritten. Besonders in der Prävention wurde Innovation immer groß geschrieben. Gemeinsam mit den StBG-Mitarbeitern sind die Sozialpartner ihrer großen Verantwortung, alles Menschenmögliche zu tun, um das Leben und die Gesundheit der Beschäftigten in der Steine und Erden-Industrie zu schützen, stets mit unternehmerischem Denken nachgekommen. Es ließen sich viele Präventionsinitiativen an dieser Stelle nennen, von denen ich nur einige hier in Erinnerung rufen will:

Durch gemeinsame Anstrengungen aller ist die Sprengarbeit heute nahezu unfallfrei. Auch die früher so zahlreichen, schweren Förderbandunfälle sind nach der Kampagne ‚Sicherheit am laufenden Band’ – der ersten Aufklärungs-Kampagne, die diese Bezeichnung wirklich verdiente und sich eben nicht ausschließlich auf Vorschriften stützte – auf wenige neue Fälle zurückgegangen. Die mobile arbeitsmedizinische Vorsorge mit Röntgen- und Audiomobil nützt Arbeitgebern und Versicherten zugleich: Sie ist effektiv und kostengünstig und hat zu einem bemerkenswerten Rückgang bei den Lärm- und Staub-Berufskrankheiten geführt.

Das ‚Unternehmermodell’ der StBG für kleine und mittelständische Betriebe war Wegbereiter und Vorbild für die ganze deutsche Wirtschaft. Aus dem ‚Förderpreis ‚Arbeit – Sicherheit – Gesundheit’ sind nicht nur viele innovative Ideen bei den Unternehmen hervorgegangen, er ist auch die „Blaupause“ für den Deutschen Arbeitsschutzpreis. ‚Bauz-Zeitung’ und ‚Praxishandbuch’ stehen für zielgruppengerechte Informationen. Konsequent wurden Unfallverhütungsvorschriften im Sinne eines wirklichen Bürokratieabbaus durch derartige Arbeitshilfen ersetzt.

Das Gütesiegel ‚Sicher mit System’ steht für systematischen Arbeitsschutz und wird heute von vielen BG’en und bald auch von der öffentlichen Hand angeboten. Das ‚Prämienmodell’ bietet den Mitgliedern finanzielle Anreize bei Investitionen in zukunftsweisende Prävention und ist in Deutschland einmalig. Aus- und Weiterbildung bedeutet bei der StBG heute nicht nur ihre qualitätsgesicherten Seminarangebote sondern auch abwechslungsreiche Großveranstaltungen, wie beispielsweise die ‚protecT’-Reihe zu aktuell bewegenden unternehmerischen Themen. Und das Fundament für all dies ist die branchenspezifische Beratung unserer TAB’en, Sicherheits-ingenieure und Betriebsärzte.

Ich möchte an dieser Stelle all denen, die diesen Weg für eine erfolgreiche innovative Prävention mitgegangen sind und durch ihre unternehmerischen Entscheidungen erst ermöglicht haben, danken. Die Statistik über Unfälle und Berufskrankheiten belegt, das der Weg zurecht beschritten wurde.

Abschließend noch ein Blick nach vorn: Neue Wege liegen auch jetzt wieder vor uns. Mit starken Partnern werden wir unter dem Dach der neuen fusionierten Berufsgenossenschaft, der BG Rohstoffe und chemische Industrie, alles daran setzen, Bewährtes zu erhalten und neue Serviceangebote für Sie zu erschließen.

Die Voraussetzungen hierfür sind günstig, denn alle Partner verbindet in der Prävention schon jetzt ein gemeinsames Grundverständnis. Jeder bringt erprobte Kompetenzen ein, die wechselseitig genutzt werden können. Die Organisation stellt sicher, dass in der
Prävention die branchennahe Betriebsberatung und damit die bewährten Ansprechpartner erhalten bleiben. Deshalb werden wir zwar den Namen ändern, nicht aber unsere erfolgreiche Präventionsstrategie. Auch in Zukunft wollen wir in Prävention investieren, um „mit allen geeigneten Mitteln“ menschliches Leid zu verhindern und die Mitgliedsunternehmen der BG RCI zu unterstützen, wirtschaftlich erfolgreich im Wettbewerb zu bestehen.

Ihr
Helmut Ehnes