Importierte Gefahr? Gefahrenschwerpunkt Frachtcontainer

Der globale Warenhandel erfolgt heute großteils mit Hilfe von Frachtcontainern. Allein in den deutschen Seehäfen werden jährlich rund 15 Millionen Container umgeschlagen und auf dem Landweg in der ganzen Republik verschickt. Das Öffnen und Entladen der Container ist mit vielfältigen Gefährdungen und Gesundheitsrisiken verbunden. Im Vordergrund stehen:

Betroffen sind alle, die Container öffnen oder entladen:

Die Betroffenen entlang der gesamten Lieferkette wissen oft nichts oder nur wenig über die Gefahren beim Umgang mit Containern, was immer wieder zu gefährlichen Situationen und Unfällen führt. Auch Rettungsdienste, Hilfsorganisationen und Ärzte sind in der Regel unzureichend informiert.

Hintergrund

Nahezu 20 Prozent der aus Übersee eintreffenden Container wurden – den Vorschriften entsprechend – vor dem Verschiffen mit sehr gefährlichen Begasungsmitteln beaufschlagt. Dies soll verhindern, dass sich Schimmel bildet, die Ware verdirbt oder Krankheitserreger und Schädlinge übertragen werden. Betroffen sind praktisch alle Naturstoffe wie Holz oder auch Textilien. Begast sind aber auch z. B. in Holzkisten verpackte oder mit Holzpaletten verladene Maschinen, Natursteine, Fliesen etc.

Begasungsmittelrückstände oder auch giftige Industriechemikalien aus dem Herstellungsprozess der Waren können sich in der Containerluft anreichern, so dass es beim Öffnen der Container zu erheblichen Belastungen durch toxische Stoffe kommen kann. Vorsicht ist vor allen Dingen bei in Folien verpackten Waren gegeben. Hier können sich erhebliche Begasungsrückstände unter der Folie sammeln.

Begaste Container müssen mit Warnhinweisen gekennzeichnet sein. Häufig fehlen diese Kennzeichnungen jedoch oder weisen Mängel auf.

Neben toxischen Gasen zählen auch Infektionen oder allergische Reaktionen durch Schimmelpilze und andere Mikroorganismen sowie Verletzungen durch herausfallende oder umstürzende Ladung zu den Ursachen von Gefährdungen und Verletzungen.

Information als Voraussetzung für erhöhtes Gefahrenbewusstsein

Um alle Beteiligten und Betroffenen über die im Zusammenhang mit Frachtcontainern auftretenden vielfältigen Gefährdungen besser als bisher zu informieren, wurden beim Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) alle relevanten Informationen zusammengetragen und für ein Internetportal aufbereitet.

Das neue Internetportal „Gefahrenschwerpunkt Frachtcontainer“ (www.dguv.de/bgia, webcode d25041 oder www.dguv.de/bgia/frachtcontainer) informiert über die beim Öffnen und Entladen von Containern zu beachtenden mechanischen, biologischen und chemischen Gefährdungen.

Es führt wirksame Schutzmaßnahmen auf und gibt praxisbezogene Handlungshilfen für den sicheren Umgang mit Containern. Diese umfassen u. a. Muster-Betriebsanweisungen, Checklisten für die Bestellung und Entladung von Containern, Hinweise dazu, wie eine Gefährdungsbeurteilung erstellt werden kann und wie sich die Container messtechnisch überprüfen lassen. Darüber hinaus liefern die Internetseiten Informationen für Ärzte, Rettungsdienste und Feuerwehren sowie über die wichtigsten Erste-Hilfe-Maßnahmen nach einem Unfall.

Weitere Informationen können auch bei der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft abgerufen werden. Im Praxishandbuch und unter www.stbg.de befinden sich Musterbetriebsanweisungen, Checklisten, Unterweisungshilfen und wichtige Hinweise um die Mitarbeiter in den Unternehmen zu informieren.

Christof Göbel, StBG, Leitender Sicherheitsingenieur, und
Matthias Bradatsch, StBG, Arzt für Arbeitsmedizin

Containerentladung
Vorsicht beim Entladen von Containern, die einen langen Seeweg hinter sich haben!