Kalkbrennofen Synthesis 85 bei Kalkwerke H. Oetelshofen

Die Kalkwerke H. Oetelshofen GmbH & Co. KG in Wuppertal bieten seit mehr als 100 Jahren gebrannte und ungebrannte Kalksteinprodukte für den Umweltschutz, Rohstoffe für die Eisen- und Stahl-, Baustoff- und Zuckerindustrie sowie Kalk als Rohstoff für verschiedene Branchen an.

Im Jahre 1900 war es zunächst ein Ringofen, der die hochwertigen Kalksteinvorkommen zu gebranntem Kalk veredelte. 1937 folgte ein koksbefeuerter Schachtofen, und 1972 ging dann der erste umweltfreundliche erdgasbefeuerte Ringschachtofen in Betrieb, der erste einer nun aus drei Ringschachtöfen bestehenden Gruppe. Seit Anfang dieses Jahres ist ein weiteres erstaunliches Brennaggregat hinzugekommen. Hinter dem offiziellen Namen „Synthesis 85“ der italienischen Ofenbaufirma Qualical aus Bergamo verbirgt sich der neueste Stand der Technik auf Basis des bekannten Gleichstrom-Gegenstrom-Regenerativ Ofensystems. Für das mittelständische Familienunternehmen Oetelshofen stellte sich die Investition mit einem Volumen von neun Millionen Euro als größte in der Firmengeschichte dar.

Dies war aber nicht die einzige Herausforderung. Die Umsetzung des Projekts war quasi eine Operation „am offenen Herzen“, da die bestehenden Anlagen durchlaufen sowie Transportwege für Kundenfahrzeuge freigehalten werden mussten. Bei dem vorgesehenen Standort in der Mitte des Werkes eine Rahmenbedingung, die eine Planung erforderte, die nicht auf Metern, sondern auf Zentimetern beruhte.

Da neben dem eigentlichen Ofen auch die Infrastruktur, bestehend aus 3.000 Tonnen fassenden Steinbunkern, der Strom- und Gasversorgung sowie Zu- und Abförderwege errichtet werden mussten, wimmelte es geradezu an allen Ecken von Menschen. Bis zu 100 Mitarbeiter einer Vielzahl beteiligter Unternehmen wirkten an der Umsetzung mit. Hier war nicht nur ein hohes Maß an Organisation gefordert, sondern auch eine intensive übergreifende Kommunikation. Dies war neben einem detaillierten Arbeitssicherheits- und Gesundheitsplan Voraussetzung dafür, dass die Gesamtmaßnahme ohne einen Arbeitsunfall beendet werden konnte. Als vorteilhaft erwies sich hierbei, dass das Projekt in Einzelgewerken vergeben wurde. Das erforderte zwar die intensive Beschäftigung mit jeder einzelnen Schnittstelle, bot aber auch die Chance der jeweiligen Optimierung – und anschließend kennt man die Anlage wie aus der Westentasche.

Das Spannendste war aber sicherlich der enge Zeitplan, da die Investition durch den Abschluss eines neuen Liefervertrages ermöglicht wurde, der auch eingehalten werden sollte. Vom ersten Spatenstich an standen nur 12 Monate bis zur Fertigstellung zur Verfügung. Nach Abarbeiten der üblichen Kinderkrankheiten konnte der Ofen aber rechtzeitig in Betrieb gehen und bereits nach vier Wochen Kalk in der geforderten Qualität produzieren.

Nun ist der Ofen ein halbes Jahr in Betrieb, und die ersten Betriebsergebnisse bestätigen die hohen Anforderungen an das neue Aggregat. Die Leistung stimmt, die Qualität überzeugt, und der Energieverbrauch hat sogar die Erwartungen übertroffen. Ein wichtiger Beitrag also auch für den Emissionshandel, wenngleich dieser Aspekt auch seine Schattenseiten hat: Geschäftsführer Moritz Iseke: „Als wir die Investitionsentscheidung getroffen haben, vertrauten wir den Gesetzen, die uns eine kostenlose Zuteilung an CO2-Zertifikaten für die nächsten 14 Jahre zusicherten, sofern wir einen modernen und energiesparenden Ofen bauen. Wir haben unseren Part erfüllt, aber zwischenzeitlich sieht der Emissionshandel vor, dass wir deutlich weniger bekommen als notwendig. Bereits im nächsten Jahr werden wir den Durchsatz des neuen Ofens um 10 – 15 % reduzieren müssen. Damit sinkt unser Beitrag zum Klimaschutz. Ob das so gewollt war?“

Inzwischen hat sich mit nahezu wöchentlichen Besuchern aus allen Ländern der Welt ein regelrechter Ofentourismus bei Oetelshofen eingestellt. Moritz Iseke freut sich zusammen mit seinem Bruder Jörg über die erfolgreiche Umsetzung: „Es hat alles geklappt, niemand ist zu Schaden gekommen, und unser Ofen macht uns viel Freude.“

Dreidimensionale Darstellung des Ofens mit rundem Schlauchfilter
Dreidimensionale Darstellung des Ofens mit rundem Schlauchfilter
Halbzeit bei der Hochmontage
Halbzeit bei der Hochmontage
Hermann Iseke sen. beim Anstecken des Ofens
Hermann Iseke sen. beim Anstecken des Ofens