Praxis Transportbeton: Branche tagte in Köln

Wirtschaftlicher und betontechnologischer Status Quo der Transportbetonindustrie

Am 6. und 7. September fand in Köln die Jahresveranstaltung der deutschen Transportbetonindustrie statt. Zum vierten Mal hatte der Bundesverband der Deutschen Transportbetonindustrie (BTB) zu der im jährlichen Wechsel mit den Transportbeton-Tagen durchgeführten Fachveranstaltung „Praxis Transportbeton“ eingeladen. Mit rund 300 Teilnehmern unterstrich der Kongress seine Bedeutung als Quelle des Informationsaustausches über aktuelle wirtschaftliche und transportbetontechnologische Entwicklungen der Branche.

Die Veranstaltungshöhepunkte bildeten in den Augen vieler Teilnehmer die Vorträge von Staatssekretär Günther Kozlowski (Bauministerium NRW), Prof. Hans Sievert (Sievert AG) und BDZ-Vizepräsident und Holcim Deutschland-Chef Karl Gernandt. Staatssekretär Kozlowski zeigte einen Investitionsbedarf allein in NRW von rund 35 Milliarden Euro für Straßenbau und rund 33 Milliarden Euro für verschiedene öffentliche Einrichtungen auf. PPP-Modelle böten in Zukunft die Möglichkeit, die öffentliche Hand zu entlasten und der Bauwirtschaft dennoch die nötigen Impulse zu geben. Ein Aspekt, den auch Karl Gernandt betonte. Gleichzeitig kritisierte er jedoch grundlegende strukturelle Defizite in den politischen und administrativen Rahmenbedingungen, die hemmend auf die nötigen infrastrukturellen Maßnahmen wirkten. „Deutschland setzt seinen Standortvorteil als Logistikdrehscheibe unnötigerweise aufs Spiel.“ Prof. Sievert setzte sich mit den Voraussetzungen, Schwierigkeiten und Auswirkungen der Internationalisierung mittelständischer Baustoffunternehmen auseinander. Neben rein wirtschaftlichen Aspekten fanden insbesondere seine Ausführungen zu den interkulturellen Besonderheiten beim Markteintritt in neue Märkte Anklang im Auditorium.

Innovation, F&E, Regelwerk

Im „betontechnologischen Vortragsblock“ wagten die Veranstalter in diesem Jahr den Blick über den Tellerrand. Neben „klassischer Betontechnologie“ wie in Vorträgen zum Hüttensand als Betonzusatzstoff (Prof. Heinz, TU München) und Praxishinweisen zur Alkali-Reaktion von Beton (Eckhard Bohlmann, HeidelbergCement und Dr. Ulrich Gleichmar, Oberrhein Handels-Union) referierte Prof. Manfred Curbach über das Handlungsfeld des Deutschen Ausschusses für Stahlbeton (DAfStb) und gab Einblick in dessen Arbeitsabläufe und Entscheidungswege. Besonderes Interesse fanden auch die Ausführungen von Prof. Peter Grübl (TU Darmstadt), der die Veranstaltungsteilnehmer über den Bachelor- und Masterabschluss informierte.

Betonprodukte im Markt

Die Anwendungsmöglichkeiten von Beton sind nahezu unerschöpflich. Immer wieder bringt der Baustoff durch neue Verfahren traditionelle Bauausführungen in die Diskussion oder ersetzt diese. „Praxis Transportbeton“ demonstrierte einige aktuelle Beispiele aus unterschiedlichen Segmenten. Ulrich Sasse, TSS Technische Sicherheits-Systeme, referierte zum Auftakt des Marketingblocks über die signifikant verbesserte Marktsituation von Betonschutzwänden in Betongleitbauweise. Insbesondere durch die  „Initiative Betonschutzwand“ und die regionalen Marketing-Gesellschaften der Zement- und Betonindustrie durchgeführte Informationsveranstaltungen haben in den letzten Jahren für ein Umdenken vieler Planer und Bauverwaltungen geführt.

Der Trend „Pro Beton“ findet sich auch im Bereich der Parkhäuser. Tragwerkplaner Dr. Andreas Braun, Anselment, Möller und Partner, brach eine Lanze für die Voutenplattenbauweise, die es ermöglicht, kundenfreundliche Parkbauten in sehr kurzer Zeit zu marktgerechten Preisen herzustellen. Dass mit Beton nicht nur wirtschaftlich und baukonstruktiv optimale, sondern gleichzeitig auch ästhetische Bauwerke, wie das Literaturmuseum der Moderne in Marbach und das Mercedes Benz-Museum in Stuttgart, entstehen, verdeutlichte Architekt Matias Wenzel mit seinem Vortrag über Sichtbetonbauwerke im Raum Stuttgart.

Im Veranstaltungsblock „Betriebswirtschaft und Management“ diskutierten Prof. Christoph Müller (Uni Hohenheim) und Dr. Michael Weißenborn (Bundesverband Baustoffe – Steine und Erden) „Spielregeln“ für ein faires Miteinander im Markt. Einig waren sich beide Referenten, dass legale Kooperation der bessere Weg zum wirtschaftlichen Erfolg sei. Als Gäste der Veranstaltung nahmen Vertreter des Bundeskartellamtes teil, die sich in die Diskussion einbrachten. Transportbetonindustrie und Wettbewerbsbehörde zeigten sich mit offenem Visier und zur Kooperation aufgeschlossen.

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