Erfolgsstory: 10 Jahre Weiterbildung „Qualifizierter Betonpumpenmaschinist“

n Jeder Kraftfahrer mit einem Führerschein der Klasse C darf in Deutschland ohne jegliche Zusatzausbildung eine Betonpumpe führen. Das ist und bleibt für Branchenkenner unverständlich, denn der Zusammenhang zwischen der fehlenden Qualifikation und der hohen Zahl von Arbeitsunfällen unter Betonpumpenbetreibern ist offensichtlich.

Zum besseren Verständnis muss man wissen, dass der Einsatz von Betonpumpen auf Baustellen ein eher wenig beachtetes Glied in der Arbeitskette der Baustelle ist. Betonpumpen fördern mit bis zu 62 Meter langen Verteilermasten den Baustoff Beton zu jedem Punkt auf der Baustelle, ob in die Tiefe oder in schwindelerregenden Höhen. Der Betonpumpenmaschinist wird hierbei mit ständig wechselnden Bedingungen an den verschiedenen Einsatzorten konfrontiert und muss sich – häufig unter enormem Zeitdruck – auf die Baustellenverhältnisse einstellen.

Dadurch bedingt kommt es immer wieder zu Vorfällen mit Personenschäden, mitunter auch zu zusätzlichen Sachschäden an Bauwerken bzw. an der eingesetzten Pumpentechnik. Eine Ausbildung bzw. Qualifizierung des Betonpumpenmaschinisten ist deshalb dringend notwendig.

Bis 1995 wurden in den Unternehmen der Betonpumpendienste – so sie sich überhaupt mit dem Thema Arbeitssicherheit auseinandergesetzt haben – Ausbildung und Schulung durch zwei- bis dreimal jährlich stattfindende Fahrerversammlungen abgehandelt. Fahrerschulungen bei den Betonpumpenherstellern wie Putzmeister und Schwing ergänzten Ausbildung und Schulung.

Auf Initiative des Deutschen Baugewerbes, der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft und der Hersteller Schwing und Putzmeister sowie auf Wunsch einiger Betonpumpenbetreiber wurde ab 1996 der Lehrgang zum „Qualifizierten Betonpumpenmaschinisten“ (QBPM) angeboten. Träger des Lehrganges war zunächst das Berufsförderungswerk Deutsches Baugewerbe in Dortmund (BFW-Bau Dortmund).

Die angebotenen zweiwöchigen Lehrgänge beim BFW-Bau Dortmund stießen aber wegen ihrer Dauer und der hohen Kosten auf keine große Resonanz. Deshalb hat die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft gemeinsam mit den Betonpumpenherstellern Putzmeister und Schwing sowie unter starker Beteiligung der Firma Neuland Beton H. Burgis KG Hamburg ein Ausbildungskonzept entwickelt, das sich eng an die Praxis anlehnt.

Das Konzept sah vor, dass neben den bisherigen zweitägigen Vorbereitungslehrgängen beim Hersteller und den eintägigen Arbeitssicherheitsseminaren der StBG ergänzend ein fünftägiges Seminar zum „Qualifizierten Betonpumpenmaschinisten“ in der Nähe der Betonpumpenbetreiber, unseren Mitgliedsunternehmen, angeboten wird.

Die neuen Seminare behandeln nicht nur das Problem der Arbeitssicherheit beim Pumpbetrieb, sondern beinhalten auch die theoretischen und praktischen Grundlagen beim Umgang mit dieser anspruchsvollen Geräte, wie

Zum Abschluss des Seminars erfolgt eine theoretische und praktische Prüfung vor einem Prüfungsausschuss. Die Teilnehmer erwerben nach erfolgreich abgeschlossener Prüfung den Titel „Qualifizierter Betonpumpenmaschinist“. Dafür erhalten sie ein entsprechendes Lehrgangs-Zertifikat  und den „Führerschein für Betonpumpen-Maschinisten“.

Nach diesem neuen Ausbildungskonzept wurden im Jahre 1999 Pilotseminare in Schwerin und in Kaiserslautern mit insgesamt 32 Teilnehmern erfolgreich durchgeführt. Aufgrund der positiven Resonanz dieser Ausbildung hat auf Beschluss des Vorstandes der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft diese die Aufgabe des Lehrgangsträgers übernommen.

Im selben Jahr fanden an sieben Standorten in Deutschland einwöchige Lehrgänge „Qualifizierter Betonpumpenmaschinist“ statt. 134 Betonpumpenmaschinisten erreichten im Jahr 2000 das Lehrgangsziel.

Unter der Trägerschaft der StBG wurden von 1999 bis zum Jahre 2005 in 29 Wochenlehrgängen 508 qualifizierte Betonpumpenmaschinisten ausgebildet.

Zur ständigen Weiterbildung der ausgebildeten Betonpumpenmaschinisten wird seit 2004 ein eintägiges Fortbildungsseminar angeboten. Dieses soll im Rhythmus von drei Jahren wahrgenommen werden. Neben dem intensiven Erfahrungsaustausch der Maschinisten untereinander stehen auch die Vertiefung und Auffrischung der bisher erworbenen Kenntnisse im Mittelpunkt des Seminars.

Als Ergänzung zu den Bestimmungen des berufsgenossenschaftlichen Regelwerks und den Betriebsanleitungen der Hersteller hat die Steinbruchs Berufsgenossenschaft darüber hinaus das „Merkblatt für den Einsatz von Betonpumpen“ herausgegeben. Das Merkblatt beinhaltet in bildlicher und plakativer Form Grund-anforderungen der Arbeitssicherheit und stellt die Verantwortlichkeiten für einen sicheren Pumpbetrieb dar. Dieses in abwaschbarer Folie eingeschweißte Merkblatt gehört mittlerweile zur Standardausrüstung auf jede Betonpumpe.

Es soll den Informationsaustausch zwischen Disposition, Betonpumpenmaschinisten und der Baustelle/Bauleitung über sicherheitsrelevante Aspekte verbessern. 

Der Betonumpen-Führerschein
Der Betonumpen-Führerschein

Zusammenfassung

In Deutschland bedienen ca. 1.500 Mitarbeiter Betonpumpen. Ein Drittel von ihnen hat in den letzten 10 Jahren die Ausbildung zum „Qualifizierten Betonpumpenmaschinisten“ erfolgreich abgeschlossen. Überwiegend kamen die Mitarbeiter aus größeren Betonpumpenbetreiberfirmen. Nur wenige Kleinunternehmer aus dieser Branche haben sich selbst oder ihre Mitarbeiter auf diesem Gebiet qualifiziert. Die Schadensbilanz der Personen- und Sachschäden spricht aber für eine Ausbildung von allen Bedienern von Betonpumpen sowie von Disponenten und Verantwortlichen auf der Baustelle.

Die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft bietet ihren Mitgliedsunternehmen einen Anreiz zur Ausbildung. Das seit 2005 eingeführte Prämiensystem berücksichtigt auch die Ausbildung zum qualifizierten Betonpumpenmaschinisten.

Die Ausbildung lohnt sich also zweifach: geschultes Personal und finanzieller Anreiz.

Dipl.-Ing. Karl-Heinz Hegenbart, StBG