Mercedes Benz Safety Technology

Mit neuen Sicherheitstechniken lassen sich die Unfallzahlen bei Nutzfahrzeugen halbieren und Unfallfolgen drastisch vermindern. Dies zeigen verschiedene Untersuchungen sowie die Vorführungstour der nach Expertenmeinung sichersten Nutzfahrzeuge der Welt: Mercedes-Benz Safety Truck, Safety Coach und Safety Van.

Im Rahmen einer Veranstaltung in der Berliner Landesvertretung Baden-Württembergs stellte Andreas Renschler, Mitglied im Vorstand der DaimlerChrysler AG, zuständig für den Nutzfahrzeug- und Omnibussektor, die Überlegungen des weltweit größten Herstellers zur Sicherheit von Nutzfahrzeugen vor. Anlass war die Initiative „Mercedes Benz Safety Technology“ für Lkw, Omnibusse und Transporter.

Steigende Verkehrsleistung – sinkende Unfallzahlen

Parallel zur Vision vom „Unfallfreien Fahren“ von Mercedes-Benz steht die Europäische Union mitten in einem zehn Jahre dauernden Prozess, an dessen Ende im Jahr 2010 die Zahl der Verkehrstoten halbiert sein soll. Von 1992 bis 2004 ist die Zahl der Todesfälle bei Unfällen unter Beteiligung von Lkw in Europa schon um ein Viertel zurückgegangen (Acea). Gleichzeitig hat sich die Verkehrsleistung deutlich erhöht und wird weiter steigen. Um rund 75 Prozent bis zum Jahr 2030 lautet die Prognose der EU. Das heißt, das Ziel der Unfall-Reduzierung ist extrem anspruchsvoll und es gibt weiterhin Handlungsbedarf.

Lkw- und Transporter sind mit rund sieben Prozent am Gesamtunfallaufkommen beteiligt – und das bei einem Anteil von rund 10 Prozent am Fahrzeugbestand und weitaus höheren Fahrleistungen als Pkw.

Kein Hersteller von Nutzfahrzeugen weltweit investiert mehr in die Entwicklung neuer Assistenz- und Sicherheitssysteme, die jeden Tag Menschenleben retten, als DaimlerChrysler. Im Vordergrund steht dabei die aktive Sicherheit. Es gilt, Unfälle von vornherein zu vermeiden.

Mercedes-Benz steht für Sicherheit

Wer sich mit der Automobilgeschichte etwas auseinander gesetzt hat, der weiß, dass seit mehr als fünfzig Jahren Entwicklungen von Mercedes-Benz wegweisend bei der Fahrzeugsicherheit sind. Dies gilt bei Pkw, Lastkraftwagen, Transportern und Omnibussen.

Alle Entwicklungen in Richtung mehr Sicherheit im Fahrzeug gehen auf ein bei Mercedes-Benz bereits im Jahr 1966 geschaffenes Sicherheitsschema zurück. Dabei wurden schon damals die Begriffe „Aktive Sicherheit“ und „Passive Sicherheit“ geprägt, die heute allgemein verwendet werden. Die entsprechenden Systeme unterscheiden sich in solche, die Unfälle vermeiden helfen (aktiv) und solche, die die Unfallfolgen für Insassen und Verkehrspartner (passiv) mindern.

Was liegt also näher, als die Ressourcen massiv für die Entwicklung aktiver Sicherheitssysteme einzusetzen, ohne die passive Sicherheit zu vernachlässigen. Priorität muss die „elektronische Knautschzone“ haben, die Unfälle verhindert, vor zusätzlichen Blech- oder Kunststoff-Vorbauten, die Unfallfolgen wenn überhaupt dann nur vermindern können.

Aktive Sicherheit

Der Einsatz der Elektronik im Nutzfahrzeug hat Anfang der 80er Jahre im Hinblick auf die aktive Sicherheit geradezu revolutionäre Schritte möglich gemacht. Es konnten Techniken entwickelt werden, die den Fahrer dramatisch entlasten. Und es konnten Regel-Systeme entwickelt werden, die außerhalb der Grenzen menschlicher Fähigkeiten arbeiten.

In Mercedes-Benz Lkw- und Omnibussen ist 1981 erstmals das Anti-Blockier-System für Nutzfahrzeuge eingeführt worden. Das ist gerade erst 25 Jahre her.

1985 kam die elektronisch-pneumatische Schaltung zur Entlastung des Fahrers in Serie, 1986 folgte die Antriebs-Schlupf-Regelung. Zehn Jahre später die elektronisch geregelte Bremsanlage mit Scheibenbremsen und Bremsassistent für Schwer-Lkw. Gleichzeitig hat Mercedes Benz die Scheibenbremsen für Trailer auf den Markt gebracht und dieser Sicherheitstechnik bei Aufliegern und Anhängern den Weg bereitet.

Assistenz-System ab 2000

Wenn man sich die Schwerpunkte der Unfallursachen bei Nutzfahrzeugen betrachtet, nämlich Auffahren auf andere Fahrzeuge sowie Abkommen von der eigenen Fahrspur, dann sind die Entwicklungs-Schwerpunkte der nächsten Offensive ab dem Jahr 2000 logisch: Es handelt sich um eine ganze Reihe von weiteren Assistenz-Systemen, die auf Grund ihrer Präventiveigenschaften höchsten Effekt auf die Verkehrssicherheit haben.

1. Der Spurassistent: Er warnt den Fahrer, wenn Gefahr droht, von der Fahrbahn abzukommen. Besteht die Tendenz, dass die Spur unbeabsichtigt verlassen wird, so ertönt  im Lkw ein signifikantes Rattern aus den jeweiligen Radio-Lautsprechern, das den Fahrer intuitiv zum Gegenlenken bewegt.

2. Der Abstands-Regel-Tempomat: Er hält das Fahrzeug auf  sicheren Abstand zum Vordermann. Er ist ein elektronisches Assistenz-System, das die Fahrgeschwindigkeit automatisch der Verkehrssituation anpasst. Wird aus irgendeinem Grund der Abstand zu gering, dann greift die Elektronik in die Geschwindigkeitsregelung ein.

3. Das elektronische Stabilitäts-Programm ESP, oder wie es beim Lkw heißt „Stabilitätsregelung“. Es ist ein aktives Fahrsicherheitssystem, das zum Beispiel bei Sattelzügen die Schleudergefahr bei Kurvenfahrten oder Ausweichmanövern reduziert. Die Stabilitätsregelung erkennt zudem frühzeitig die Kipptendenz von Sattelaufliegern. Im Rahmen der physikalischen Möglichkeiten wird die Kippgefahr des Aufliegers erheblich reduziert.

Die neueste Generation  dieses Fahrdynamiksystems kommt jetzt im neuen Sprinter zum Einsatz. Das so genannte adaptive ESP berücksichtigt bei allen Funktionen nun auch automatisch den jeweiligen Beladungszustand und sorgt damit für eine nochmals erhöhte Fahrstabiliät.

4. Die Wankregelung spielt ihre Vorteile insbesondere bei Ladungen mit hoher Schwerpunktlage aus. Sie stellt in Millisekunden die Dämpfungshärte  auf die jeweilige Fahrsituationen und Straßenbeschaffenheit ein. Das Fahrzeug wird stabilisiert und fährt sicher auf der Straße.

5. Die Reifendruck-Kontrollanlage für Transporter und für Lkw mit Single-Bereifung

6. Brand-neu – erstmals im Mercedes-Benz Safety Truck und ab sofort zu bestellen: Der „Active Brake Assist“, entwickelt unter dem Arbeitstitel Notbrems-Assistent, kann einen Großteil der Auffahrunfälle verhindern. Der Active Brake Assist basiert auf dem Radarsystem der Telligent-Abstandsregelung. Im Unterschied zur Abstandsregelung leitet der Active Brake Assist bei der akuten Gefahr eines Auffahrunfalls auf vorausfahrende Fahrzeuge eine Vollbremsung ein. Er nutzt die drei Radarkeulen der Abstandsregelung, die vor dem Lkw fahrende Hindernisse zu erkennen und ermittelt dabei fortlaufend die Differenz-Geschwindigkeit zum vorausfahrenden Fahrzeug. Ist bei unverändert beibehaltener Verkehrssituation ein Unfall unvermeidlich, wird der Fahrer zunächst optisch sowie akustisch gewarnt. Bei einer  Verschärfung der Kollisionsgefahr wird zusätzlich eine Bremsung mit 30% der Bremsleis-tung vollzogen. Reagiert der Fahrer nicht, leitet das System danach selbstständig eine Vollbremsung ein. Der Active Brake Assist kann Unfälle zwar nicht immer aktiv verhindern, jedoch wird er immer durch das Einsetzen der vollen Bremswirkung die Kollisions-Geschwindigkeit und damit die Schwere von Unfallfolgen erheblich verringern.

Da Auffahrunfälle im Unfallgeschehen des schweren Güterverkehrs auf europäischen Straßen sehr häufig sind, erwarten die Entwickler durch einen flächendeckenden Einsatz des Aktive Brake Assist eine spürbare Verringerung der Unfälle mit Todesfolge und schweren Verletzungen.

Der Active Brake Assist hat jetzt mit dem Mercedes-Benz Safety Truck Premiere und kann ab sofort für den Schwerlastwagen Mercedes-Benz Actros bestellt werden.

Die Sicherheits- /bzw. Assistenz-Systeme hat der Hersteller, sofern sie nicht serienmäßig verbaut wurden, ab dem Jahr 2000 sukzessive den Kunden zum Kauf angeboten

Im Verkehr sein werden bis zum Jahresende 2006 voraussichtlich insgesamt

 Kauf-Anreize bietet DaimlerChrysler zum Beispiel mit dem Safety-Package für Lkw. Mit diesem Package erhält der Transportunternehmer Assistenzsysteme zu einem Preis, der bis zu einem Drittel günstiger liegt, als wenn er einzelne Systeme bestellen würde.

Langfristig sind die Transportunternehmer für Sicherheits-Techniken nur dann zu gewinnen, wenn sie auch von der Wirksamkeit überzeugt sind und wirtschaftliche Vorteile damit verbunden sind.

Diesen Nachweis will der Hersteller mit dem „Collision Reduction System“ (CRS) führen.

In einem Feldversuch wird seit knapp einem Jahr erforscht, wie sich Assistenz- und Sicherheitstechniken konkret auf das Unfallgeschehen auswirken. Für einen Flottentest sind dazu 500 Mercedes-Benz Actros Sattelzugmaschinen mit einem Sicherheitspaket aus Spurassistent, Stabilitätsregelung und Abstandsregelung ausgestattet worden. Die Unfallhäufigkeit und -schwere wird mit einer parallelen Gruppe von 500 Fahrzeugen ohne Sicherheitspaket verglichen.

Nach über einem Jahr des Feldversuches zeigt sich folgende Zwischen-Bilanz:

Die ersten Auswertungen zeigen bei den Lkw mit Safety Package folgendes: Bei den bedeutendsten Unfallursachen werden

Der schnellstmögliche Transfer der neuen Sicherheitssystemen in andere Fahrzeuge liegt bei Mercedes-Benz auf der Hand: Keine andere Marke hat ein vergleichbar breit angelegtes Angebot von Lkw, Omnibussen und Transportern. Innerhalb des Geschäftsfelds Nutzfahrzeuge vollzieht sich ihre Entwicklung nicht unabhängig voneinander.

Rollendes Schlaflabor Actros

Neben den aktiven Sicherheitssystemen gibt es noch eine ganze Reihe von Aspekten bei der Fahrzeuggestaltung, die einen Beitrag dazu leisten, das Unfall-Potenzial einzuschränken: z.B. Ergonomie und Konditions-Erhaltung.

Interessant ist ein weiteres aktuelles Forschungsprojekt, das mit dem Schlafmedizinischen Zentrum der Universität Regensburg durchgeführt wird. Im rollenden Schlaflabor Actros werden dabei in der Nacht die Schlafqualität in unterschiedlichen Fahrerausstattungen, Liegekomfort, Schalldämmung etc. untersucht. Dieses Projekt wird derzeit gemeinsam mit Lkw-Fahrern durchgeführt. Erkenntnisse daraus können durchaus Einfluss auf die Gestaltung künftiger Fahrerkabinen erhalten. Ein Zwischenergebnis liegt bereits vor. Es betrifft die Anlage der Lkw-Parkplätze.

Die meisten Parkplätze auf Autobahnen, sind so angelegt, dass die Fahrerkabinen zum laufenden Verkehr hin ausgerichtet sind. Würde man diese Lastzüge umgekehrt aufstellen können, dann würde sich der Geräuschpegel um ca. 3 dB (A) reduzieren. Dies entspricht einer Geräuschreduzierung als würde der vorbei fließende Verkehr halbiert!

Passive Sicherheit

Neben dem Bestreben, Unfallgefahren zu minimieren und Unfälle zu verhindern, ist auch die so genannte „Passive Sicherheit“ von Bedeutung. Ein wesentliches Kriterium ist dabei die „Gute Sicht“.

Bereits jetzt erfüllen die Außenspiegel des Actros mit ihrem großen Sichtfeld die künftige ECE-Regelung 46/02. Klarglas-Scheinwerfer mit Freiflächentechnologie leuchten die Fahrbahn optimal aus. Auf Wunsch sind für den Actros mit Luftfederung Xenon-Scheinwerfer erhältlich. Sie verbessern die Ausleuchtung der Straße nochmals deutlich. Die dazugehörige Scheinwerfer-Reinigungsanlage erhöht die Sicherheit zusätzlich.

Die Sicht der anderen Verkehrsteilnehmer verbessert der Spritzschutz in den Radhäusern. Er verhindert wirkungsvoll Gischtwolken bei nasser Fahrbahn. Das optionale Tagfahrlicht ist in vielen Ländern Europas bereits vorgeschrieben, zumindest in der dunklen Jahreszeit. Es unterstützt, dass andere Verkehrsteilnehmer den Lkw wahrnehmen, auch unter ungünstigen Lichtverhältnissen wie tiefstehender Sonne oder auf Fahrten durch Alleen.

Weitere Beispiele für passive Sicherheit sind:

Entwicklung geht weiter

Für die Zukunft soll der Active Brake Assist auch stehende Hindernisse erkennen. Das würde bedeuten, dass die regelmäßigen Verkehrsmeldungen zur Urlaubszeit „Lkw fährt auf Stau auf“ der Vergangenheit angehören können.

Weitere Entwicklungsschritte sind auch beim Spurassistent schon weit fortgeschritten.  Im Stop-and-go-Verkehr wird der Lkw-Fahrer in der Zukunft durch einen Stau-Assistenten unterstützt. Weitere Beispiele sind ein Parksystem und der Kurvenassistent.

Verantwortung bleibt beim Fahrer

Die letztliche Verantwortung bleibt immer beim Fahrer. Die Technik unterstützt ihn überall dort,

Die Sicherheitstechnik muss für den Fahrer beherrschbar bleiben und darf ihn auch nicht aus der Verantwortung entlassen. Das ist ein wichtiger Aspekt für Aus- und Weiterbildung der Fahrer. Mehr als 65.000 Lkw-Fahrer in 48 Ländern haben im vergangenen Jahr 2005 an Schulungsmaßnahmen von Daimler Benz teilgenommen.

Bei den Transportern erhält seit dem Jahr 2003 jeder Fahrer bei der Auslieferung einen Gutschein für ein Training für sicheres und verantwortungsbewusstes Fahren.

Mercedes Benz Safety-Truck auf der Teststrecke
Mercedes Benz Safety-Truck auf der Teststrecke
Die häufigsten Unfallursachen mit Nutzfahrzeugen
Spurassistent
Spurassistent
Abstandstempomat
Abstandstempomat
Grafik: Assistenzssysteme helfen aktiv, Unfälle zu vermeiden
Grafik: Assistenzsysteme für aktive Sicherheit
Airbags
Bremsender Lkw hinter Pkw
Instrumente im Fahrzeuginneren
Brandneu: Active Brake Assist