Herbstzeit - Unfallzeit!?

Die Tage werden wieder kürzer, der Arbeitsweg wird in der Dämmerung oder im Dunkeln zurückgelegt. Straßen und Wege auch auf dem Betriebsgelände können durch Feuchtigkeit und Laub weniger sicher befahren werden. Eine angepasste Fahrweise, aber auch ein gutes Sehvermögen helfen Unfälle zu vermeiden.

Sehen – Erkennen – Beurteilen – Werten

Wie funktioniert eigentlich unser Sehorgan und was ist für gutes Sehen erforderlich?

Im Auge erfolgt in der Netzhaut die Umwandlung von Lichtenergie in elektrische Energie, welche durch den Sehnerven zum Gehirn geleitet wird. Dazu gehört, dass die Organteile Hornhaut/Linse/Glaskörper lichtdurchlässig sind und durch die Regenbogenhaut die Lichtstärke so reguliert wird, dass der Sehende nicht geblendet wird.

Schnitt durch den Augapfel
Schnitt durch den Augapfel

Beim Normalsehenden ist die Tiefenschärfe, welche durch die Weite der Regenbogenhaut und die Pupille reguliert wird, so vorhanden, dass er in guter und schlechter Beleuchtung in der Nähe und Ferne sehen kann.

Folgende Sehstörunqen können eine Sehverschlechterung verursachen :

  1. Trübung der brechenden Medien (Hornhaut, Linse, Glaskörper) und damit Unmöglichkeit zu sehen.
  2. Zu langer Augapfel, damit Treffen der gebündelten Lichtstrahlen aus der Ferne vor der Netzhaut, damit Unmöglichkeit in der Ferne richtig zu sehen, dies wird durch das Wort „Kurzsichtigkeit" beschrieben.
  3. Zu kurzer Augapfel, damit Treffen der gesammelten Lichtpunkte unter normalen Bedingungen hinter der Netzhaut, das bedeutet Unmöglichkeit des Sehens in der Nähe, deshalb Bezeichnung „Weitsichtigkeit“.
  4. Nachlassen der elastischen Funktion der Linse, damit Unmöglichkeit, das Licht in der Nähe in der Netzhaut zu bündeln, damit funktionelle Weitsichtigkeit, deshalb genannt „Altersfehlsichtigkeit".
Fehlsichtigkeiten
Fehlsichtigkeiten

Die Sehstörungen unterscheiden sich dadurch, dass entweder durch Vorsatz einer Linse die Sehstörung komplett beseitigt werden kann oder die Altersfehlsichtigkeit durch Vorsatz einer Linse korrigiert wird, dabei aber eine funktionelle Kurzsichtigkeit auftritt, scharfes Sehen in der Ferne nicht mehr möglich ist.

Medizinisch ergeben sich folgende Konsequenzen:

  1. Der funktionell Weitsichtige kann in der Jugend durch Vorsatz von Linsen problemlos korrigiert werden, verliert jedoch schon früh das Sehen in der Nähe.
  2. Der funktionell Kurzsichtige kann in der Jugend problemlos korrigiert werden, verliert jedoch im Alter auch das präzise Sehen in der Nähe.
  3. Der Alterssichtige benötigt eine Lesebrille bzw. eine Mehrstärkenbrille

Der Kurzsichtige wird normalerweise vom Augenarzt so korrigiert, dass er bei guter Beleuchtung in der Ferne sieht. Bei schlechter Beleuchtung sieht er in der Ferne schlecht, dies wird im Volksmund als „Nachtblindheit" bezeichnet. Medizinisch als funktionelle Kurzsichtigkeit bezeichnet mit Sehschwierigkeiten beim Autofahren, besonders nachts bei Regen. Hier kann eine spezielle Brillenanpassung erforderlich sein.

Ein gutes Sehvermögen ist heute eine wichtige Voraussetzung für Leistungsfähigkeit im Beruf und für die Sicherheit am Arbeitsplatz. Die vielfältigen Sehaufgaben am Arbeitsplatz können nur beschwerdefrei bewältigt werden, wenn beide Augen ihre Funktion ohne Einschränkung erfüllen. Treten Sehstörungen oder andere Beschwerden auf, ist ein Besuch beim Augenarzt oder Augenoptiker unerlässlich.

Viele Menschen wissen nicht, dass ihr Sehvermögen ungenügend ist oder dass die Sehleistung mit zunehmendem Alter nachlässt und der Lichtbedarf stark ansteigt. Arbeitsmedizinisch wird deshalb empfohlen, ab dem 40. Lebensjahr darauf zu achten, dass die vorhandenen Brillen auf die beginnende Altersfehlsichtigkeit umgestellt werden und evtl. nötige Brillen zur Korrektur der Altersfehlsichtigkeit („Lesebrillen") so angepasst werden, dass der Mitarbeiter die von ihm zu verrichtende Arbeit klar sehen kann.

Aus eigener Erfahrung als Betriebsarzt dient eine konsequente Beseitigung vorhandener Sehstörungen durch regelmäßige augenärztliche Kontrolle und rechtzeitige Anpassung der Brillengläser der Qualitätssicherung und sollte nicht dem Zufall überlassen werden, sondern in ein betriebseigenes Kontrollsystem eingebunden sein.

Dr. Veit Stoßberg, Arbeitsmediziner bei der StBG

Sehtest
Regelmäßige Kontrolluntersuchungen der Augen sind wichtig