Berufsgenossenschaften: Asbest macht krank – auch heute noch

Asbest macht krank und ist für den Tod vieler Menschen verantwortlich. Darauf weisen die Berufsgenossenschaften anlässlich der Europäischen Asbestkampagne hin. Im vergangenen Jahr starben allein in Deutschland 1.540 Menschen an einer asbestverursachten Berufskrankheit. Weltweit sind es laut Internationaler Arbeitsorganisation ILO sogar bis zu 100.000 Opfer jährlich. „Wir können das Thema Asbest längst noch nicht abhaken“, sagt Dr. Joachim Breuer, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbands der gewerblichen Berufsgenossenschaften (HVBG). Die Berufsgenossenschaften begrüßen daher sowohl die Kampagne der EU als auch die von EU und ILO angekündigte Initiative für ein weltweites Asbestverbot.

Zwar ist Asbest seit 2005 europaweit verboten, bei Sanierungen beispielsweise ist das Mineral jedoch nach wie vor für den Arbeitsschutz relevant. Mit ihrer Schwerpunktaktion will die EU daher erheben, inwieweit die Betriebe das Verbot und die Schutzvorschriften der so genannten Asbest-Richtlinie umsetzen. Dazu werden die Arbeitsschutzbehörden der Mitgliedsstaaten in den Unternehmen stichprobenartig prüfen, ob beispielsweise erforderliche Schutzausrüstungen vorhanden sind, und mit Informationen für einen sorgfältigen Umgang mit Asbest werben.

„In Deutschland haben wir seit langem bereits ein hohes Schutzniveau erreicht“, sagt Breuer. Hierzulande ist Asbest seit 1993 verboten. Allerdings können mitunter 20 bis 30 Jahre vergehen, bis eine asbestbedingte Krankheit ausbricht. Den Höhepunkt der Erkrankungswelle erwarten die Berufsgenossenschaften deshalb erst für die Jahre 2010 bis 2015. „Umso wichtiger werden daher Vorsorge und Früherkennung“, so Breuer.  Beschäftigte, die mit Asbest Kontakt hatten, erhalten regelmäßig ein Untersuchungsangebot der Zentralen Erfassungsstelle für asbeststaubgefährdete Arbeitnehmer, die die Berufsgenossenschaften schon 1972 geschaffen haben. Hier werden auch die in der Asbestsanierung Beschäftigten registriert.

Die Berufsgenossenschaften unterstützen Initiativen für ein weltweites Asbestverbot – zum Beispiel im Rahmen der internationalen Vereinigung für Soziale Sicherheit. „Es ist höchste Zeit, dass wir hier endlich Fortschritte machen“, erklärt Breuer. Noch immer würden jährlich mehr als 2 Millionen Tonnen Asbest produziert. „Je länger die Weltgemeinschaft zögert, dem ein Ende zu setzen, desto verheerender werden die menschlichen und wirtschaftlichen Folgen sein.“ In Deutschland beispielsweise wendet die gesetzliche Unfallversicherung jährlich mehr als 300 Millionen Euro für die Heilbehandlung und Entschädigung von asbestgeschädigten Arbeitnehmern auf. In anderen Industrieländern gehen die Entschädigungssummen mitunter in die Milliarden.

www.hvbg.de