www.steine-und-erden.net > 2005 > Ausgabe 5/05 > Safety is a value - Sicherheit ist ein Wert!

[Die Industrie der Steine + Erden]






Safety is a value - Sicherheit ist ein Wert!

Grafik Standpunkt "Safety is a value!" - Dies ist die Botschaft eines internationalen Erfahrungsaustausches, an dem Vertreter führender Rohstoff-Unternehmen, von Aufsichtsbehörden und der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft teilgenommen haben. Im Kern der 2. Atlantic Alliance Conference, in Orlando (Florida) mit Beteilung aus USA, Großbritannien, Irland und Deutschland, stand demnach die Frage, welcher Grundüberzeugung Prävention in der Zukunft folgen muss.



Früher

Ein Blick in die jüngere Vergangenheit belegt, dass das Thema Arbeitssicherheit bisher nicht selten durch folgende Aussagen gekennzeichnet war:
  • "Unfälle sind unvermeidbar, sie passieren eben hin und wieder."
  • "Die Steinbruchbranche ist nun mal eine risikoreiche Branche, damit muss man sich abfinden."
  • "Wo gehobelt wird, fallen Späne."
  • "Wir müssen schließlich Geld verdienen, da können wir nicht alles unendlich sicher machen."
Vielfach bestand also die Ansicht - und es soll noch immer Unternehmen geben, die so denken - dass man sich als Unternehmer entscheiden müsse zwischen effizienter Produktion und sicherem Arbeiten. "Sicherheit kostet Geld", lautete die Devise! Die Gesetzgebung in Deutschland hat möglicherweise das ihre dazu beigetragen, diese Auffassung zu stützen. Zwar richteten sich Unfallverhütungsvorschriften und gesetzliche Regelungen stets an Arbeitgeber und Unternehmer persönlich. In der Praxis herrschte aber oft die Auffassung vor: "Mit Sicherheitsfragen kann ich mich nicht auch noch beschäftigen". Oft konnte man auch hören: "Einmal jährlich kommt doch der Technische Aufsichtsbeamte der BG oder der Gewerbeaufsicht. Wenn der Beanstandungen hat, stellen wir diese selbstverständlich ab."

Natürlich gab es aber auch immer Unternehmer, die die Dinge anders gesehen haben und die Sicherheit ihrer Mitarbeiter zu einem persönlichen Anliegen gemacht haben. Und genau diese Überzeugung setzt sich heute mehr und mehr durch.



Heute

"Safety is a value!" - "You have to light the fire" - "Safety pays", solche und ähnliche Aussagen sind von Vorstandsvorsitzenden global agierender Unternehmen immer häufiger zu hören. Sind sie allein dem gestiegenen sozialen Verantwortungsbewusstsein der Manager zu verdanken, oder gibt es auch ganz andere Gründe?

Unfallfreies Arbeiten garantiert Qualität! Unfallfreies Arbeit steigert den Gewinn, denn: Störungen im Betriebsablauf sind allemal teurer als Investitionen für Sicherheit! Unfallfreies Arbeiten sorgt für zufriedene, motivierte Mitarbeiter! Unfallfreies Arbeiten gewährleistet ein positives Image - und gerade die Baustoffbranche braucht dies nötiger denn je!

So bekennt beispielsweise Don Williamson, der frühere Präsident und CEO der amerikanischen Rogers Group Inc., einem der führenden Baustoffproduzenten Amerikas mit mehr als 150 Standorten, dass er gut damit gefahren sei, Produktivität und Sicherheit von seinen Führungskräften und Mitarbeitern einzufordern. Unverzichtbar hierzu sei aber das klare Bekenntnis zur Führungsverantwortung des Top-Managements! Werde Sicherheit glaubhaft als Unternehmenswert kommuniziert, sei vieles möglich. Auch das Ziel: "Null-Unfälle" ist machbar, so die Überzeugung von Don Williamson. Er empfiehlt einfache Rezepte: Die Vorbildfunktion der Unternehmensspitze und des gesamten Managements ist entscheidend. Fährt der Chef mit 40 km/h über das Werksgelände bei vorgeschriebenen 10 km/h - wird sich niemand mehr an betriebliche Regelungen halten! Wie soll man Mitarbeitern das Tragen des Schutzhelmes vermitteln, wenn das Management darauf verzichtet? Erkennt man als Unternehmer sicherheitswidriges Verhalten bei Mitarbeitern, so ist Handeln gefragt - und zwar sofort! "Setze das Thema Sicherheit auf die Tagesordnung jeder Besprechung, egal ob früh vor Schichtbeginn oder bei der Vorstandssitzung! Und zwar als Punkt 1." Das kostet wenig Zeit, sendet aber die richtigen Signale! Leadership und commitment nennt man das im englischsprachigen Raum.



Morgen

Jedes Unternehmen muss sich also Ziele setzen. Das Ziel "Null-Unfälle" ist erreichbar und realistisch! Welchen Wert hat es, der Beste einer Branche zu sein, die selbst am Ende der Sicherheitsrangliste steht.

Dass unfallfreies Arbeiten keine Illusion ist, haben bereits viele Unternehmen bewiesen. So haben am Prämiensystem der Steinbruchs-BG in der Prämiengruppe "Unfallfreies Arbeiten" bereits 145 Unternehmen ihre Prämie abgerufen, weil sie - je nach Unternehmensgröße - mindestens ein bis fünf Jahre unfallfrei gearbeitet haben. Was für einzelne Unternehmen gilt, muss für alle gelten.

Prävention der Zukunft heißt demnach: Unternehmen, Arbeitgeberverbände, Gewerkschaften und Berufsgenossenschaft müssen gemeinsam daran arbeiten, die Baustoffbranche in Deutschland zu einer der sichersten Branchen zu machen. Arbeitsunfälle, vor allem schwere und tödliche Unfälle, müssen endlich der Vergangenheit angehören - dies ist die gemeinsame Aufgabe! Die Zukunft wird also sein, Programme und Zielsetzungen zu entwickeln und diese gemeinsam in einem Präventions-Netzwerk umzusetzen. Der Aufwand lohnt sich - schließlich geht es um unser wertvollstes Gut: die Menschen in den Betrieben und ihre Familien! "Safety is a value!"

Dipl.-Ing. Helmut Ehnes, StBG



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