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RocKracker - ein neues Sprengmittel aus den USA

Im Juli dieses Jahres lud die Firma Wimmer Felstechnik aus Talgau, Österreich, Sprengexperten in einen Steinbruch am Erzberg ein, um ein neues Sprengmittel mit der Bezeichnung RocKracker PCF (Penetrating Cone Fracture) zu präsentieren. Der Name leitet sich aus der typischen, 45° konisch verlaufenden Bruchlinie ab, die bei der Verwendung dieses Sprengmittels entsteht. PCF ist ein spezielles, rauchfrei verbrennendes Pulvergemisch. Dieses wird in Kunststoffpatronen (Roc-Kracker), die eigens für das Sprengen mit PCF konzipiert wurden, eingebracht Das neuartige Sprengmittel wirkt - im Gegensatz zu herkömmlichen Sprengmitteln - nicht durch hohe Kompressionen, sondern durch elastische Spannung. Bei der Umsetzung des Pulvergemisches entsteht:
  • eine minimale Hitze-/Flammenbildung,
  • keine Rauchentwicklung,
  • ein gedämpfter Knall, keine Druckwelle,
  • keine umherfliegenden Splitter,
  • eine minimale Erschütterung der Umgebung,
  • eine Schonung der umgebenden Bausubstanz,
  • eine nur sehr begrenzte Gefahrenzone.
Damit ist der Sprengstoff zur Verwendung
  • in dicht verbautem Gebiet,
  • im Inneren von Gebäuden,
  • an Bauwerken, deren Substanz bestehen bleibt,
  • nahe Verkehrswegen (ohne temporäre Sperren),
  • in der Werksteingewinnung
bestens geeignet.

Der neuartige Pulversprengstoff wurde in Australien entwickelt und wird in den USA produziert. Zur Zeit läuft in England die CE-Prüfung für den europäischen Markt.

Bei der Präsentation dieses neuen Sprengstoffes in dem österreichischen Steinbruch wurde eine Besonderheit deutlich herausgestellt: Der Sprengstoff entfaltet nur unter Einschluss seine Sprengwirkung. So wurde gezeigt, dass ein mit 10 g gefüllter Behälter unter der Schuhsohle gezündet werden kann, ohne das der Fuß angehoben bzw. verletzt wird. Das anschließend aus dem Behälter ausgeschüttete Restpulver brannte langsam ab.

Im Vergleich zu herkömmlichen Sprengstoff, bei der es im Zuge der Detonation zu einer sich kugelförmig ausbreitenden, unkontrollierten Schockwelle, die das Material mit hoher Energie zerbersten lässt, verbrennt PCF als nahezu rauchfreies Pulver rasch und unkontrolliert. Das freiwerdende Gas wird unter hohen Druck in mikroskopische Risse / Fissuren des Steines bzw. Betons gepresst und verursacht ein Brechen entlang einer kalkulierbaren Bruchlinie.

Den Sprengstoff gibt es nur in geschlossenen Behältern mit vorgegebenen Mengen von z. B. 10, 30 oder 60 g bis 300 g, je nach Bohrlochdurchmesser. Jeder Behälter hat eine Zündpille und zwei bis drei Meter langen Zünddrähte. Die Empfindlichkeit soll nach Angaben des Herstellers der eines U-Zünders entsprechen. Insgesamt hat dieses Sprengverfahren folgende Vorteile:
  • Handhabungssicherheit durch die Vorkonfektionierung in stabiler Verpackung,
  • nicht massenexplosionsfähig,
  • minimale Druckwelle,
  • weniger empfindlich als Schwarzpulver,
  • kaum Splittergefahr,
  • dumpfer Knall / weniger Lärm,
  • 1.4-Klassifizierung (Pyrotechnik) nicht 1.1-Klassifizierung (Sprengstoff).
Mit dem PCF-RocKracker scheint damit erstmals aufgrund der höheren Handhabung Sicherheit eine alternative zum Schwarzpulver auf den Markt zu kommen. Aus der Sicht der Unfallverhütung ist dieses wünschenswert, waren doch Schwarzpulverunfälle - in der Vergangenheit gemessen an deren seltenen Einsatz - überdurchschnittlich an Sprengunfällen beteiligt.

Bleibt zum Schluss noch die Frage nach dem Preis. Dieser soll nach Angabe der Firma Wimmer "eine Spur teurer" als die üblichen Sprengmittel mit Zündern sein.

www.wimmer.info



Erläuterung der Wirkung, nachdem eine Zündung unter einem Schuh erfolgt ist
Erläuterung der Wirkung, nachdem eine
Zündung unter einem Schuh erfolgt ist


Behälter mit 60 g Sprengstoff inklusive Zündpille und Zünderdrähten
Behälter mit 60 g Sprengstoff inklusive
Zündpille und Zünderdrähten





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