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[Die Industrie der Steine + Erden]






Weltneuheit "Interaktive Trainingssimulation":

Operation Safety - Gefahren erleben, um zu lernen

Das "VR"(Virtual Reality)-Standgerät   Sie gehen durch eine Werkhalle und sehen an einem Hochregallager einen Gabelstapler stehen. Sie sehen noch den Schatten eines Mitarbeiters, der auf eine Palette steigt und im nächsten Moment nach oben gefahren wird. Kaum oben angekommen, verliert der Mann das Gleichgewicht und stürzt vor Ihnen auf den Boden.
Eine schreckliche Vorstellung. Sie haben zugesehen und nicht reagiert. Sie hätten ihn doch warnen können! Aber vielleicht haben Sie die Gefahr gar nicht erkannt?
Beim nächsten Mal wissen Sie, was Sie zu tun haben. Nur der Preis fürs Lernen war hoch - ein schwerer Unfall!

Zum Glück ist in Wirklichkeit nichts passiert, denn Sie waren in einer dreidimensionalen virtuellen Erlebniswelt. Es war nur eine Simulation, aber ganz schön real!


Gefahren sind überall

Solche und viele andere Situationen kommen in jedem Unternehmen vor. Mitarbeiter gehen durch ihren Betrieb und werden mit Gefahren konfrontiert. Gefahren, die ihnen teilweise nicht bewusst sind.
Es ist ja auch noch nie etwas passiert. Ziel muss es sein, Unfälle im Vorfeld zu vermeiden und nicht erst danach zu handeln.
Deswegen hat die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft in Zusammenarbeit mit der Bergbau-Berufsgenossenschaft und der Firma VR@work die interaktive dreidimensionale virtuelle Simulation entwickelt. Eine Trainingsplattform mit Echtzeit-Simulation einer berufsfeldnahen Umgebung - "Operation Safety".



Gefahren erleben

Psychologen sagen: "Eigenes Erleben ist das beste Training". Der Vergleich mit dem Kind und der Herdplatte ist uns allen hinlänglich bekannt. Nur, wir können niemanden einer tatsächlichen Gefahr aussetzen und ihn die Konsequenzen, sprich einen Unfall, spüren lassen.
Aber in der virtuellen Realität ist das sehr gut möglich: Den Menschen Gefahren erleben und spüren zu lassen, ohne dass er sich verletzen kann, aber mit dem Effekt, sicherheitsbewusstes Verhalten mit einer hohen Nachhaltigkeit zu trainieren.
Den Akteur nur Gefahren erleben zu lassen, ist jedoch nicht genug. Entscheidend ist die Möglichkeit des Handelns. Im neuen Echtzeit-Trainingssimulator kann man Gegenstände und Aktionen mit Händen und Sprache beeinflussen bzw. auslösen.
In der eingangs beschriebenen Situation hätte der Staplerfahrer mit einem Warnruf: "Vorsicht!", "Halt!" oder "Stopp!" den Staplerfahrer gewarnt werden können. Der Unfall wäre nicht passiert, die Gefahr dagegen
beseitigt. In anderen Situationen hat der Akteur die Chance, mit den Händen eine Kette oder ein Geländer zuzuziehen, um so Gefahrenstellen zu sichern.
Sieht man Gefahrenstellen, die sich nicht unmittelbar beseitigen lassen, z. B. eine defekte Treppenstufe, besteht die Möglichkeit, diese Gefahrenstellen auf einem Notizblock festzuhalten. Mit dem Wort "Notiz" oder "notieren" wird die Software aktiviert.

Eine Voraussetzung für effektives Lernen ist die Nutzung mehrerer unterschiedlicher Wahrnehmungsorgane. In der Simulation werden das Sehen, Hören und Tasten bzw. Greifen mit den Händen genutzt. Weiterhin kann der Akteur durch Sprache mit dem System kommunizieren. Durch sofortiges Feedback (Absturz in eine Grube oder von der Leiter etc.) werden dem Akteur die Konsequenzen seines Handelns aufgezeigt.
Diese können sowohl negativ als auch positiv sein. So werden ein hoher Realitätsgrad und eine unmittelbare Erfolgskontrolle erreicht.



Einsatzgebiete

Die Trainings-Simulation eignet sich hervorragend für den Einsatz bei Seminaren. Ob Unternehmer, Führungskräfte, Sicherheitsfachkräfte, Beschäftigte aus der Steine und Erden-Industrie oder der Bergbau-Industrie, für die Zielgruppe gibt es keine Einschränkungen.
Dies wird auch durch die berufsfeldnahe Umgebung erreicht, die aus
  • einer Lagerhalle mit Gabelstaplerverkehr,
  • einer Werkhalle mit Schleif- und Schweißarbeitsplätzen,
  • einer Produktionshalle und
  • einem Bürokomplex besteht.
Trainiert werden kann auch im Team. Dazu sind mit dem Simulator zwei PC-Arbeitsplätze verbunden, an denen die Teammitglieder Fragen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz beantworten müssen.
Diese Fragebögen sind frei programmierbar und können themen-, seminar-, firmen oder zielgruppenspezifisch gestaltet werden.
Die Ergebnisse aller Teammitglieder werden in einem Ergebnisprotokoll festgehalten und können im Seminar besprochen werden.
Die Trainingsdauer ist ebenfalls frei programmierbar und kann den jeweiligen Bedürfnissen jederzeit angepasst werden. Der Simulator kann bei Firmenevents, Messen und Ähnlichem eingesetzt werden.



Zusammenfassung

Operation-Safety ist eine virtuelle dreidimensionale Simulation einer realen Arbeitswelt mit all ihren Gefahren. Die Erlebniswelt stellt eine komplexe und authentische Lernumgebung bereit, die das Sammeln von Erfahrungen in einer berufsweltnahen Umgebung erlaubt. In dieser "Arbeitswelt" kann sicherheitsbewusstes Verhalten trainiert werden, ohne den Mitarbeiter einer Gefährdung auszusetzen.
Der Akteur macht in der virtuellen Erlebniswelt einen Rundgang, wird dabei mit Gefahrensituationen konfrontiert und muss die Sicherheitsdefizite im Betrieb erkennen und beseitigen.
Das Besondere an dieser virtuellen Realität ist, dass der Akteur durch sein eigenes Handeln die Abläufe der Gefahrensituationen beeinflussen kann (Interaktivität). Zum ersten Mal kommt - nach Auskunft der Firma VR@work - eine Spracherkennungssoftware in einem Echtzeit-Trainingssimulator zum Einsatz.
Mit der Ausgabe eines Ergebnisprotokolls lässt sich das Training reflektieren. Dies ist besonders sinnvoll bei Seminaren, denn hier lässt sich durch die Reflexion und Kommunikation das Erlernte langfristig und nachhaltig stabilisieren.
Dipl.-Ing. Christof Göbel, StBG


Screenshot der Simulation: Schweißer und Helfer - nicht geschützt vor Verblitzungen
Schweißer und Helfer - nicht geschützt vor Verblitzungen




Screenshot der Simulation: Werkstatt mit Personen
Screenshots der virtuellen Realität, hier
die Werkstatt mit Personen vom Lagerregal aus
gesehen. Zu erkennen ist auch der
"Handschuh", der die Position und
Blickrichtung des Akteurs symbolisiert






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