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Ein Blick zurück: Ein halbes Jahrhundert Volvo-Radlader

In Mai 2004 waren es genau fünfzig Jahre seit dem ersten Auftritt von Volvo auf dem Markt für Radlader, einem Markt, an dessen weiterer Entwicklung das Unternehmen entscheidenden Anteil hatte. Mit "Technologie für den Menschen" - einem ehernen Volvo-Grundsatz - und Maschinen, die Produktivität, Zuverlässigkeit und Fahrerkomfort vereinen, ist der Baumaschinenhersteller in eine der führenden Positionen gerückt.
Die Entstehung des Begriffs "Radlader" und somit das aktuelle Jubiläum lassen sich auf den Monat Mai 1954 zurückführen, als die Pioniere in der damaligen mechanischen Werkstatt der Gebrüder Lundberg und beim Motor- und Traktorspezialisten AB Bolinder-Munktell einen herkömmlichen Traktor einfach "umdrehten" und so den revolutionären Radlader H10 der erstaunten Öffentlichkeit vorstellten. Die großen Traktorräder saßen nunmehr vorn, wo auch das Hubgerüst seine Arbeit verrichtete und schon damals erstaunliche Ausbrechkraft entwickelte. Gelenkt wurde mit den kleineren Hinterrädern, was den H10 besonders wendig machte.
Der erste Volvo-Radlader, der H10, war auch der weltweit erste mit Gerätewechsler, Parallelkinematik und doppeltwirkenden Hubzylindern. Er erwies sich rasch als Erfolg und bildete den Ausgangspunkt einer langen Reihe äußerst populärer Radladermodelle, die in der E-Serie von heute ihren - vorläufigen - Höhepunkt finden.
Während die Volvo-Radlader in diesem Jahr ihren 50. Jahrestag feiern, lässt sich die Geschichte von Volvo Construction Equipment noch sehr viel weiter zurückverfolgen:
Vor nunmehr über 170 Jahren kam der geniale Tüftler und Erfinder Johan Theofron Munktell nach Eskilstuna, um dort der heimischen Industrie auf die Sprünge zu helfen.
Zu diesem Zweck gründete er 1832 den Maschinenbaubetrieb "Eskilstuna Mekaniska Verkstad".
Die Gebrüder Bolinder richteten 1844 in Stockholm eine Werkstatt mit Schmiede und Gießerei ein. Beide Unternehmen wuchsen sehr rasch und taten sich durch zahlreiche Neuentwicklungen im Bereich Dampfmaschinen, später auch Verbrennungsmotoren, sowie landwirtschaftliche Geräte hervor.
1932 schlossen sich Bolinder und Munktell unter dem neuen Firmennamen Bolinder-Munktell zusammen, der mit dem Kürzel BM weithin bekannt wurde. In den 30er und 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts gehörte BM in Schweden zu den führenden Herstellern von Traktoren, Straßenwalzen und bereits auch Motor-Gradern. Die Traktoren bildeten dann die Basis für den H10.
In den Jahren des 2. Weltkriegs leiteten Bolinder-Munktell und Volvo eine Zusammenarbeit ein, die mit der Zeit intensiver wurde und schließlich in der Übernahme von BM durch Volvo im Jahre 1950 gipfelte.
1960 wurde der Standort Arvika - heute die wichtigste Fertigungsstätte für die Radlader - in Volvo BM integriert und war sechs Jahre später für die Endmontage des neuen Radladers LM 840 zuständig. Fahrwerk, Motor, Getriebe, Achsen und Räder wurden im benachbarten Eskilstuna hergestellt. Die Hubgerüste und Kabinen für den LM 840 gehörten zum Produktionsrepertoire von Arvika.



Jahrzehnte des Fortschritts

Mitte der 60er Jahre eröffnete Volvo ganz neue Einsatzmöglichkeiten mit schnellen, fahrerfreundlichen Radladern, die mit kraftvollen Motoren, Lastschaltgetriebe und Allradantrieb ausgestattet waren.
1969 stellte Volvo als Weltneuheit einen hydraulischen Schnellwechsler vor, der die herausragende Position des Unternehmens weiter verstärkte. In den 70er und 80er Jahren präsentierte man in raschem Takt weitere Verbesserungen des modernen knickgelenkten Radladers, u.a. die Load Sensing-Lenkung und die weltweit erste Schaltautomatik für Radlader. Am wichtigsten ist wohl doch, dass man in dieser Zeit eine führende Position im Hinblick auf den Fahrerkomfort und die Umweltverträglichkeit der Radlader eroberte. Hier sind insbesondere die CDC-Komfort-Lenk- und Fahrschaltung, die BSS-Hubgerüstdämpfung und die Hochleistungs-Niederemissionsmotoren zu erwähnen.
Ab 1973 firmierte das Unternehmen unter der kurzen und prägnanten Bezeichnung Volvo BM. Vier Jahre später wurde die Entscheidung getroffen, sich vom Landwirtschaftssektor endgültig zu verabschieden und ausschließlich auf Baumaschinen zu konzentrieren. Die Produktion der Kabinen und Hydraulikzylinder wurde von Arvika nach Hallsberg verlegt, auch heute noch wichtigste Fertigungsstätte für diese Komponenten.
Neben Arvika wurden weitere Fertigungsanlagen für die Radlader in den Volvo-Werken in Pederneiras, Brasilien, und Asheville, North Carolina, USA, eingerichtet.
Die Kompakt-Radlader werden ja bekanntlich in Konz nahe Trier produziert. 1991 brachte Volvo den in vielerlei Hinsicht revolutionären L150 heraus, der bereits viele Merkmale der heutigen Maschinen aufwies, so z. B. das TP-Hubgerüst mit überlegener Ausbrechkraft, die Überdruck-Komfortkabine "Care Cab" und das elektronische Contronic-Überwachungssystem.
Nur ein Jahr war das neue Jahrtausend alt, als Volvo die Radlader der E-Serie vorstellte.
Damit führte Volvo die bereits für ihre Produktivität und effiziente Kraftstoffnutzung bekannten Radlader noch einen Schritt weiter auf diesem Weg. Die aus eigener Fertigung stammenden Kraftübertragungs- und Hydraulikkomponenten - und nicht zu vergessen die von Volvo entwickelte Kinematik des Hubgerüsts - sind vorzüglich aufeinander abgestimmt und ermöglichen es den Radladern der E-Serie, dem Volvo-Motto "niedrigste Kosten pro Tonne" voll und ganz gerecht zu werden.



Radlader L220E
Zu Beginn des neuen Jahrtausends brachte Volvo
die neue E-Serie, der L220E leitete die Modellreihe ein


Radlader H10
1954: Volvo H10 - der erste Radlader mit Parallelführung
des Hubgerüsts und doppelt wirkenden Hubzylindern


Radlader LM 640
1965: Der LM 640 war der erste Volvo-Radlader
mit Lastschaltautomatik und Allradantrieb


Radlader LM 1641
1972: Anfang der 70er Jahre wurden verstärkte
Umweltschutzmaßnahmen wirksam: der LM 1641 kam
mit Niederemissionsmotor auf den Markt






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