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[Die Industrie der Steine + Erden]






Importierte Gefahren aus Fernost (II):

Gesundheitsrisiko durch begaste Transportcontainer

Bei einer Umfrage in den Unternehmen der Natursteinindustrie stellte sich heraus, dass zunehmend Natursteinwaren direkt aus China und Indien importiert werden.
Die Waren werden in einem Container angeliefert und von den Mitarbeitern entladen. Oft besteht in diesen Unternehmen Unkenntnis über mögliche Gefahren durch die eingesetzten Begasungsmittel und durch Pilzsporen.
Container aus Übersee müssen, wenn sie Verpackungsmaterial aus Holz (Paletten, Kisten, Stauholz) beinhalten, mit Chemikalien begast oder hitzebehandelt werden, um Pilze oder Schädlinge zu bekämpfen.
Diese Begasungen werden in den exportierenden Ländern (z.B. China, Indien) durchgeführt. Da beim Seetransport begaster Container erhöhte Anforderungen zu erfüllen sind (Gefahrguttransport) und damit höhere Transportkosten entstehen, werden die Container möglichst an Land begast und wieder gelüftet.
Da immer alles schnell gehen muss, erfolgt die Belüftung der Container nach der Begasung meist nicht ausreichend lange (bis zu zwei Tage notwendig), so dass sich Restgase im Container und in der Ware , z. B. in folienverpackter Ware, halten können.
Begünstigend kommt hinzu, dass Container für den Seetransport dicht verschlossen werden.
Eine Nachprüfung von begasten und "angeblich" belüfteten Containern in verschiedenen Ankunftshäfen hat jedoch bestätigt, dass diese z. T. noch Begasungsmittel in einer gesundheitlich bedenklichen Menge enthielten. Die Mehrzahl der Container passiert die Häfen ungeöffnet. Die Gefahren beim Öffnen und Entladen der Container liegt damit beim Entlader im Inland.
Dies kann aus mehreren Gründen zu einer Gefährdung der ausführenden Mitarbeiter führen. Beim Öffnen der Container muss mit Gesundheitsgefahren durch zum Teil sehr giftige Begasungsmittel und / oder Pilzsporen gerechnet werden.



Häufig eingesetzte Begasungsmittel

Als Begasungsmittel zur Schädlingsbekämpfung kommen hauptsächlich zwei Stoffe zum Einsatz, Methylbromid und Sulfuryldifluorid, in bestimmten Fällen auch Phosphorwasserstoff.
  • Methylbromid
    ist ein farbloses, geruchloses Gas, schwerer als Luft und vermag sich dadurch in Bodennähe zu sammeln. Es kann die meisten Lacke, Kunststoff, Gummi und Leder durchdringen. Es ist giftig für den Menschen und kann beim Einatmen ein Lungenödem verursachen. Durch den Blutkreislauf kann es auch in das Gehirn vordringen und dort, auch noch nach vielen Stunden, Nervenschäden hervorrufen. Ein Kontakt muss unbedingt vermieden werden (Haut, Einatmung), da es kein spezielles Gegenmittel gibt und dauerhafte Gesundheitsschäden die Folge sein können.
  • Sulfuryldifluorid
    ist ebenfalls ein farb- und geruchloses Gas. Es wird über den Atemtrakt aufgenommen. Eine Aufnahme über die Haut wird ebenfalls für möglich gehalten. Es ist giftig und kann zu Übelkeit, Erbrechen und auch Atem- und Herzstillstand führen, nach bis zu zwei Tagen kann es noch zu einem Lungenödem kommen. Auch hier muss der Kontakt unbedingt vermieden werden - es gibt kein Gegenmittel.
  • Phosphorwasserstoff
    ist ein farbloses, nach faulem Fisch, Knoblauch oder Karbid riechendes Gas. Phosphorwasserstoff wirkt auf das Gehirn, Leber und Nieren sowie die Lungen. Bei der Anwendung als Schädlingsbekämpfungsmittel hat Phosphorwasserstoff schon zur Vergiftung von Menschen geführt.
  • Pilze und Pilzsporen
    können allergische Reaktionen hervorrufen, Pilzsporen enthalten bis zu 30 unterschiedliche allergieauslösende Stoffe. Dies kann sich z.B. in allergischem Schnupfen, allergischem Asthma oder Neurodermitis äußern, aber auch diffuse Befindlichkeitsstörungen wie z. B. ein "Chronisches Müdigkeitssyndrom" hervorrufen.
    Pilze können aber auch Stoffe produzieren, die toxisch bzw. auch irritierend (auf der Haut) wirken.

Sehen Sie sich bei der Anlieferung der Container die Beförderungspapiere genau an. Die Frachtpapiere müssen eine Dokumentation enthalten, die darüber Auskunft gibt, wann und womit der Inhalt des Containers begast bzw. behandelt wurde und es muss eine Freigabebescheinigung vorliegen.
Schauen Sie sich den Container genau an. Wie ist der Container gekennzeichnet?
Sind die Lüftungsschlitze des Containers noch verklebt, ist besondere Vorsicht geboten. Die Freigabe begaster Transportbehälter darf nur durch einen Befähigungsscheininhaber und nur dann erfolgen, wenn der Transportbehälter ausreichend gelüftet ist und Messungen ergeben haben, dass die Gaskonzentration im Behälter oder Laderaum die jeweilige Nachweisgrenze des Begasungsmittels unterschreitet. Nur dann darf der Container geöffnet werden.
Liegt eine solche Dokumentation nicht vor und ist demnach nicht sicher, dass der Laderaum frei von Begasungsmitteln ist, hat der Unternehmer eine Ermittlungspflicht.
Die o.g. Punkte müssen ermittelt werden und ein Befähigungsscheininhaber muss beauftragt werden, der eine Freigabebescheinigung ausstellen darf. Auch wenn eine Freigabe nur dann erteilt werden darf, wenn alle Reste des Begasungsmittels entfernt worden sind, ist eine Gefährdung noch nicht auszuschließen. Es besteht immer noch die Gefahr, dass, bei in Folien verpackter Ware, noch Tage später ein Freisetzen des Begasungsmittels möglich ist.
Die Schutzmaßnahmen müssen in einer Betriebsanweisung festgelegt werden. Die Mitarbeiter müssen über die Gefahren und die Schutzmaßnahmen unterwiesen werden.
Dabei ist insbesondere für den Fall, dass beim Öffnen ein Verdacht auf Reste von Begasungsmitteln oder Pilzsporen besteht, die Anweisung in die Betriebsanweisung aufzunehmen "Container nicht betreten bzw. verlassen, verschließen und erforderlichenfalls sichern".
Für alle weiteren Arbeiten ist in diesem Fall ein Befähigungsscheininhaber hinzuzuziehen. Der Arbeitgeber muss persönliche Schutzausrüstung für das Begehen bei Pilzbefall festlegen. Einwegschutzkleidung mit Kapuze, Atemschutzmasken mit FFP3 Filtern. Bevor Sie einen Betrieb mit der Freigabe der Container beauftragen, den Sie in einem Branchenverzeichnis, bei den Industrie- und Handelskammern oder im Internet
finden, sollten Sie sich bestätigen lassen, dass dieser über eine Erlaubnis zur Begasung mit den infrage kommenden Gasen verfügt.
Detaillierte Informationen zu diesem Thema finden Sie auch im Internet unter www.uke.uni-hamburg.de und www.fhhhamburg. de (Suchwort: Begasung).
Bei Fragen wenden Sie sich bitte an Ihren Sicherheitsingenieur, Betriebsarzt oder den Technischen Aufsichtsbeamten der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft.



Zusammenfassung

Immer häufiger werden Natursteinprodukte aus China und Indien nach Deutschland importiert. Die Seecontainer werden, wenn sie Verpackungsmaterial aus Holz (Kisten, Paletten, Stauholz usw.) beinhalten, zum Teil mit Chemikalien begast, um Pilze oder Schädlinge zu bekämpfen.
Beim Öffnen der Container kommt es immer häufiger bei den Beschäftigten zu Vergiftungen durch Einatmen der sehr giftigen Gase.
Obwohl die Container angeblich entgast wurden, haben Messungen eine gesundheitlich bedenkliche Konzentration der giftigen Gase ergeben. Deswegen muss bei den Beförderungspapieren eine Freigabebescheinigung beiliegen. Ansonsten darf der Container nicht geöffnet und betreten werden.
Selbst wenn eine Freigabe erteilt wurde, besteht immer noch die Gefahr, dass sich Restmengen des Gases in Verpackungen, speziell Folienverpackungen, befinden.

Mathias Bradasch, StBG
Christof Göbel, StBG

Weiterführende Informationen: Natursteinindustrie vor neuem Arbeitsschutzproblem


Literaturliste:
  • Merkblatt M 58 : Begasung von Containern und Fahrzeugen, Herausgeber: Amt für Arbeitsschutz Hamburg
  • Merkblatt M 59 : Freigabe begaster Container oder Fahrzeuge nach Nr. 11.3 der TRGS 512, Herausgeber: Amt für Arbeitsschutz Hamburg
  • Vortrag: "Vorschriften für die Begasung von Containern und geplante Änderungen",
    Herausgeber: Herr Axel Horn, Bremen, Arbeitskreis Begasung


Lkw
Zunehmend werden Natursteine in Containern
aus Übersee importiert


Frachtraum
Bevor der Container zum Entladen freigegeben
wird, muss er genau überprüft werden





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